Wiener, Altbau-Einsturz

Wiener Altbau-Einsturz: 31.000 GebÀude fehlt Bauwerksbuch bis 2027

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 00:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nach dem Teileinsturz in der Wiener Innenstadt prĂŒfen Polizei und Behörden mögliche Ursachen. Die Kontrollen Ă€lterer HĂ€user geraten erneut in den Fokus.

Wiener Wohnhauseinsturz: Ermittlungen und Debatte ĂŒber Altbaukontrollen
Historische GebÀudefassade in einer engen Wiener Innenstadtgasse bei DÀmmerung. Illustration mit AI erstellt.

Nach dem Teileinsturz eines Wohnhauses in der Wiener Innenstadt am 20. September 2026 laufen die Untersuchungen zur UnglĂŒcksursache. In dem GebĂ€ude in der FĂ€rbergasse 6 brachen gegen 22.30 Uhr die Decken ĂŒber drei Geschoße hinweg ein. Eine ÜberprĂŒfung durch die Bauinspektion stand zum Zeitpunkt des Einsturzes noch aus. Drei Personen wurden ins Krankenhaus eingeliefert, darunter eine schwer verletzte Bewohnerin.

Aufwendige Bergung unter TrĂŒmmern

Der Einsturz löste einen Großeinsatz der EinsatzkrĂ€fte aus. Rund 100 Feuerwehrleute rĂŒckten mit 26 Fahrzeugen aus; der Einsatz dauerte bis etwa 4.30 Uhr an. Eine 57-jĂ€hrige Bewohnerin stĂŒrzte aus dem dritten Stockwerk ab und geriet teilweise unter die Schuttmassen.

EinsatzkrĂ€fte fĂŒhrten eine Rettung von oben durch: Nachdem WohnungstĂŒren im zweiten und dritten Obergeschoß entfernt worden waren, seilten sich Höhenretter ab. Direkt ĂŒber der VerschĂŒtteten drohte eine Couch abzustĂŒrzen.

Mit einer Rettungswanne und einer Motorakkuwinde wurde die Frau in das zweite Geschoß gehoben und ĂŒber das Stiegenhaus ins Freie gebracht. Sie erlitt mehrere Frakturen sowie Prellungen, wurde von zwei STEG-Mitarbeitern erstversorgt und in einen Schockraum eingeliefert.

Ihr 60-jĂ€hriger Ehemann stĂŒrzte mit dem Boden um zwei Stockwerke ab, rettete sich an ein Fenster und erlitt Prellungen sowie SchĂŒrfwunden, bevor er in ein Krankenhaus gebracht wurde. Zudem musste eine 88-jĂ€hrige Bewohnerin aus einem nicht direkt betroffenen GebĂ€udeteil mit Atembeschwerden hospitalisiert werden.

Die Berufsrettung betreute insgesamt 17 Personen aus dem betroffenen GebĂ€ude und NachbarhĂ€usern. Wegen starker Staubentwicklung klagten zahlreiche Menschen ĂŒber Atembeschwerden und wurden in Großraumbussen der Sondereinsatzgruppe versorgt. Benachbarte GebĂ€ude wurden vorsorglich evakuiert und 14 Personen ins Freie gefĂŒhrt. FĂŒr die Betroffenen wurden NotunterkĂŒnfte organisiert.

Bauarbeiten und behördliche PrĂŒfungen

Die Ursache des Einsturzes ist bislang ungeklĂ€rt. Polizeisprecherin Julia Schick teilte mit, dass die Polizei wegen des Verdachts der fahrlĂ€ssigen GemeingefĂ€hrdung ermittle. Das Landeskriminalamt prĂŒft zudem mögliche ZusammenhĂ€nge mit laufenden Baumaßnahmen. FĂŒr das GebĂ€ude war bereits im Vorjahr ein Dachgeschoss-Ausbau bewilligt worden.

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Wer ein vor 1919 errichtetes Wiener Altbauhaus besitzt, muss bis zum 31. Dezember 2027 ein registriertes Bauwerksbuch nach Paragraf 128a vorlegen — bislang sind erst wenige Tausend hinterlegt. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen in drei Schritten, wie Sie PrĂŒfpflichten erfassen, Unterlagen beschaffen und die Frist sauber halten. Kostenlosen Bauwerksbuch-Leitfaden anfordern

Bei der zustĂ€ndigen Magistratsabteilung 37 (Baupolizei) war als Baubeginn der 31. August 2026 gemeldet, und ein PrĂŒfingenieur war ordnungsgemĂ€ĂŸ bekannt gegeben worden. Bis zum Zeitpunkt des Einsturzes fanden laut behördlichen Angaben lediglich kleinere Vorarbeiten statt, darunter die Entfernung eines Fußbodens im Erdgeschoß.

Die polizeiliche Sperre vor Ort wurde inzwischen aufgehoben, wÀhrend die baubehördliche Sperre in Teilen bestehen bleibt. Das beauftragte Bauunternehmen muss nun ein Sicherungskonzept ausarbeiten und mit den Behörden abstimmen.

Debatte ĂŒber Kontrollen bei Wiener Altbauten

Das Ereignis rĂŒckt auch die gesetzlichen PrĂŒfpflichten fĂŒr Ă€ltere GebĂ€ude in den Fokus. GemĂ€ĂŸ der Novelle der Wiener Bauordnung aus dem Jahr 2023 mĂŒssen EigentĂŒmer fĂŒr Altbauten, die vor 1919 errichtet wurden, bis zum 31. Dezember 2027 ein registriertes Bauwerksbuch nach Paragraf 128a vorlegen. FĂŒr Bauwerke aus den Jahren 1919 bis 1945 gilt eine Frist bis zum 31. Dezember 2030.

Laut einem Bericht vom 20. September 2026 fallen rund 31.000 GebĂ€ude unter die Regelung fĂŒr Vorkriegsbauten vor 1919. Nach Angaben der Baupolizei waren rund 3000 Registrierungen erfolgt, jedoch noch keine 3000 BauwerksbĂŒcher hinterlegt.

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Bei VersĂ€umnissen drohen EigentĂŒmern Strafen von bis zu 50.000 Euro — und die Einsichtnahme ins Planarchiv der MA 37 ist mit lĂ€ngeren Wartezeiten verbunden. Wer die Frist bis 2027 nicht aufs Spiel setzen will, braucht einen klaren Fristenkalender und eine Checkliste der nötigen Nachweise. Fristenkalender und Checkliste jetzt sichern

Thomas Wagensommerer verwies darauf, dass rechnerisch bis zu den Stichtagen rund 400 BauwerksbĂŒcher pro Woche fĂ€llig wĂ€ren. Bei VersĂ€umnissen drohen EigentĂŒmern Strafen von bis zu 50.000 Euro. Die MA 37 verweist auf ihrer Website zudem auf lĂ€ngere Wartezeiten bei der Einsichtnahme in das Planarchiv.

FrĂŒhere FĂ€lle zeigen wiederkehrende Risiken bei Altbausanierungen. Im Jahr 2021 kam es in der Brigittenauer Rauscherstraße zu einem Deckeneinsturz, nachdem im Erdgeschoß offenbar eine tragende Wand entfernt worden war; zwei Bewohner stĂŒrzten damals in den Keller. Im Jahr 2025 kippte die Fassade einer Umbau-Villa samt Stahlkonstruktion in Wien-Döbling hangabwĂ€rts.

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