Wiener, Gasausstieg

Wiener Gasausstieg: Debatte um FernwĂ€rme-Anschlusszwang fĂŒr 500.000 Gasthermen

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 13:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der geplante Gasverzicht sorgt fĂŒr Streit ĂŒber FernwĂ€rmeanschlĂŒsse; ab November stehen 179 Millionen Euro fĂŒr den Heizungstausch bereit.
Freigelegte FernwÀrmerohre in einer stÀdtischen Baugrube wÀhrend der Installation. Illustration mit AI erstellt.

Der von der Stadt Wien angestrebte Ausstieg aus der Gasversorgung bis zum Jahr 2040 sorgt fĂŒr intensive Diskussionen in der Bundeshauptstadt. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht die Frage nach einem möglichen Anschlusszwang an das FernwĂ€rmenetz, wie aus Berichten vom 20. Oktober 2026 hervorgeht. FĂŒr den GebĂ€udesektor bedeutet das Vorhaben eine gewaltige Umstellung: Im Wiener GebĂ€udebestand sind derzeit noch rund 500.000 Gasthermen in Betrieb.

In einer Aktuellen Stunde im Wiener Landtag verteidigte die SPÖ-Abgeordnete Abrahamczik die stĂ€dtische Klimapolitik. Das Wiener Klimagesetz sei beschlossen worden, wobei die GrĂŒnen dagegen gestimmt hĂ€tten, und die Strukturen der Klimagovernance seien umgesetzt.

Seit 2005 habe die Stadt den CO2-Ausstoß im GebĂ€udesektor bereits um 50 Prozent senken können. Zudem liegt die zweite Fassung des Wiener Klimafahrplans derzeit zur öffentlichen Einsicht auf; Stellungnahmen dazu sind noch bis zum 23. November möglich.

Auch die kommunale Daseinsvorsorge hob die Stadt hervor: JĂ€hrlich flössen hunderte Millionen Euro in die Wasserversorgungsinfrastruktur, weshalb im Hitze- und DĂŒrresommer 2026 das Trinkwasser nicht abgestellt werden musste, wĂ€hrend andere Gemeinden in Österreich zu solchen Maßnahmen gezwungen gewesen seien.

Wissenschaft fordert rasche Umstellung

Auf bundesweiter Ebene plant die österreichische Politik den Gasausstieg ebenfalls bis 2040. Fachleute aus der Wissenschaft bewerten diesen Zeitplan jedoch unterschiedlich. TU-Professor Hans Auer stuft das Jahr 2045 als realistischeren Zielpunkt ein. Er argumentiert, dass es aus volkswirtschaftlicher Sicht gĂŒnstiger wĂ€re, jedem Haushalt eine neue ökologische Heizanlage zu schenken, als die langfristigen CO2-Folgekosten zu tragen.

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Diese EinschĂ€tzung stĂŒtzt WU-Professorin Sigrid Stagl. Nach entsprechenden SchĂ€tzungen beziffert sie die wirtschaftlichen Kosten des Nichtstuns auf das Drei- bis Sechsfache der eigentlichen Umstellungskosten.

Bundesförderungen starten im November neu

Auf Bundesebene zeichnet sich bei der finanziellen UnterstĂŒtzung fĂŒr Betroffene Bewegung ab. Ab dem 2. November 2026 können wieder AntrĂ€ge fĂŒr die thermische Sanierung und den Austausch von Heizungen eingereicht werden.

DafĂŒr stellt die Bundesregierung insgesamt 500 Millionen Euro bereit, von denen 179 Millionen Euro explizit fĂŒr den Ausstieg aus Gas- und Ölheizungen vorgesehen sind. Die regulĂ€ren Fördermittel fĂŒr 2026 waren bereits im Sommer aufgebraucht.

Gegenwind zu den AusstiegsplĂ€nen kommt von der FPÖ. Deren Energiesprecher Hammerl forderte die Aktivierung der EU-Krisenklausel, um wieder Gaslieferungen aus Russland zu ermöglichen. Zudem verlangt die Oppositionspartei die Streichung der nationalen CO2-Abgabe sowie eine Senkung der Erdgasabgabe auf das europĂ€ische Mindestmaß. Dies brĂ€chte Haushalten eine Ersparnis von rund 270 Euro pro Jahr.

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WĂ€hrend russische Importe infolge des Kriegs in der Ukraine mit EU-Sanktionen belegt sind, fĂŒhrt die Partei aktuelle Preissteigerungen bei Öl und Gas vor allem auf den Iran-Krieg und EngpĂ€sse am Persischen Golf zurĂŒck.

Bund plant Umbau des Energierechts

Flankierend plant der Bund rechtliche Reformen. Energie-StaatssekretĂ€rin Zehetner verweist darauf, dass fĂŒr fast alle energiepolitischen BeschlĂŒsse im Parlament derzeit eine Zweidrittelmehrheit nötig ist. Über einen neuen Kompetenztatbestand fĂŒr die Energiewirtschaft in der Bundesverfassung sollen Kompetenzen entflochten und Entscheidungen mit einfacher Mehrheit ermöglicht werden.

Entsprechende Gesetzestexte befinden sich in der Regierungskoordination, wobei Ausnahmen fĂŒr BundeslĂ€nder wie die Bauordnungen vorgesehen sind. Bis zum Jahresende sollen die Grundlagen dieser Reformpartnerschaft vorliegen.

Zehetner sieht darin die weitreichendste Kompetenzverschiebung seit 100 Jahren und beziffert das Einsparpotenzial durch bessere Planung, Digitalisierung und Transparenz beim Netzausbau auf 4,1 Milliarden Euro bis 2040. Beschlossen sind auf Bundesebene bereits das ElektrizitÀtswirtschaftsgesetz samt Sozialtarif sowie das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz.

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