Wiener Wohnen: Neue Wohnungsvergabe startet trotz Denial-of-Service-Attacke
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 21:22 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Stadt Wien und Wiener Wohnen haben das neue System fĂŒr die Wohnungsvergabe offiziell in Betrieb genommen. Nach mehreren Wochen im Parallelbetrieb lĂ€uft das Verfahren mit Bonuspunkten und einem einheitlichen Wohnticket fĂŒr den Gemeindebau sowie den geförderten Wohnungsbereich seit Dienstag, dem 22.09.2026. Der Start wurde am Dienstagvormittag gegen 10 Uhr von einer Denial-of-Service-Attacke begleitet, die nach Angaben der Verantwortlichen rasch behoben werden konnte. Eine technische Analyse zu dem Vorfall lĂ€uft. Flankiert wird die Neuausrichtung von deutlicher Kritik der Oppositionsparteien.
Hohe Nachfrage und Tausende neue Wohntickets
Im neuen System sind prinzipiell rund 500.000 Wiener Haushalte anspruchsberechtigt. Seit Mitte Juli verzeichnete Wiener Wohnen 38.500 Registrierungen. Davon wurden 32.500 AntrÀge abgeschlossen und 15.000 Bonuspunkte-Wohntickets ausgestellt, wÀhrend 6.400 AntrÀge mangels Wohnbedarfs eine Ablehnung erhielten.
Nach weiteren Angaben von Wiener Wohnen gab es rund 32.000 WohnantrÀge und rund 13.500 ausgestellte Wohntickets, wobei etwa die HÀlfte davon von Personen aus dem bisherigen System stammt.
Bislang sind 6.500 Wohnticket-Inhaber aus dem alten System in das neue Modell gewechselt. Um den Ăbergang zu erleichtern, wurde ein Startvorteil von 5 zusĂ€tzlichen Bonuspunkten beim Umstieg bis zum Jahresende verlĂ€ngert. Im alten System verbleiben weiterhin 20.000 AntrĂ€ge; zuvor waren dort 27.000 Personen fĂŒr rund 550 offene Gemeindewohnungen und 50 geförderte Wohnungen vorgemerkt.
Aktuell stehen laut Wiener Wohnen rund 600 Gemeindewohnungen und etwa 50 geförderte Einheiten zur VerfĂŒgung. Insgesamt werden in der Bundeshauptstadt pro Jahr rund 10.000 Gemeindewohnungen und 4.000 geförderte Wohnungen vergeben, ĂŒber das alte Vergabesystem liefen jĂ€hrlich rund 14.000 Einheiten.
In einem konkreten Fall wurde eine Drei-Zimmer-Gemeindebauwohnung in Simmering an einen Bewerber mit 0 Bonuspunkten vergeben, da sich innerhalb des 48-Stunden-Angebotsfensters kein Interessent mit mehr Punkten gemeldet hatte.
Kriterienkatalog und digitale Nutzung
Der Durchschnitt der Bewerber liegt bei rund 80 Bonuspunkten, nach 82 Punkten in der Testphase; der registrierte Höchstwert betrĂ€gt 290 Punkte. Rund 90 Prozent der Interessenten greifen dabei ĂŒber das Smartphone statt ĂŒber einen Computer auf das System zu. Die Antragstellung erfolgt grundsĂ€tzlich online, persönliche Termine ĂŒber die Servicestelle bleiben weiterhin möglich.
Seit dem 22.09.2026 lĂ€uft die Wiener Wohnungsvergabe ĂŒber ein einheitliches Wohnticket mit Bonuspunkten â fĂŒr Gemeindebau und geförderten Bereich. Wer den Antrag richtig aufsetzt und die eigenen Lebenslagen korrekt angibt, sammelt mehr Punkte. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen die Schritte und die Punkte-Checkliste. Wohnticket-Leitfaden jetzt anfordern
Punkte werden fĂŒr spezifische Lebenslagen vergeben:
* 100 Punkte bei Vorliegen hÀuslicher Gewalt
* 100 Punkte bei einer hohen Pflegestufe
* Weitere Punkte bei MobilitĂ€tseinschrĂ€nkungen in ungeeignetem Wohnraum, drohendem Wohnungsverlust oder fĂŒr Alleinerziehende
* BerĂŒcksichtigung finden zudem der Wechsel in eine kleinere Wohnung, das Fehlen von Bad oder WC, Trennung oder Scheidung, Schwangerschaften, Aus- und Weiterbildung sowie junge Menschen
Als grundlegende Zugangsvoraussetzung gilt eine durchgehende Meldung von mindestens zwei Jahren in Wien. Ausgeschlossen werden Antragsteller bei bestehenden RĂŒckstĂ€nden bei der Gemeinde oder bei einer zu kurzen Wohndauer.
Der bewÀhrte Wien-Bonus greift weiterhin ab mindestens sechs Jahren Hauptwohnsitz. Nach Angaben der SPà Wien stellt dieser Bonus die hÀufigste Kategorie unter den Registrierten dar; sein volles Gewicht entfalte er nach zwanzig Jahren. Zudem seien mehr als acht von zehn Alleinerziehenden Frauen.
Politische Kontroverse um Vergabekriterien und Neubau
Der Systemwechsel stöĂt auf geteilte Reaktionen im Wiener Gemeinderat. Georg Prack von den GrĂŒnen kritisierte, dass die Bewilligungen geförderter Wohnungen in den vergangenen sechs Jahren unter der HĂ€lfte des langjĂ€hrigen Durchschnitts gelegen hĂ€tten. Zudem deckten neue Gemeindewohnungen lediglich zwei Prozent des jĂ€hrlichen Bedarfs ab.
Rund 600 Gemeindewohnungen stehen derzeit etwa einer halben Million anspruchsberechtigter Wiener Haushalte gegenĂŒber â und wer noch im alten System vorgemerkt ist, verliert den Startvorteil, wenn er nicht bis Jahresende umsteigt. Der Leitfaden zeigt Ihnen Fristen und Umstiegsschritte in der Ăbersicht. Fristen-Check fĂŒr Umsteiger starten
Andere Fraktionen fordern andere Kriterien: Die FPĂ verlangt einen generellen Vorrang fĂŒr österreichische StaatsbĂŒrger bei der Zuteilung. Die Wiener Volkspartei plĂ€diert dafĂŒr, den Zugang an den Nachweis von Deutschkenntnissen auf dem Niveau B1 zu knĂŒpfen.
Abseits der Vergabereform meldete Wiener Wohnen den Abschluss eines Sanierungsprojekts: Im ehemaligen Umspannwerk Ottakring wurde der Heizbedarf durch thermische SanierungsmaĂnahmen um fast 80 Prozent gesenkt, dort wurden 31 Wohnungen an Mieter ĂŒbergeben.
