Inflationsrate steigt auf 2,2 Prozent - Lebensmittel teur
29.08.2025 - 14:53:31 | dpa.de(Neu: Mit EinschÀtzungen von Volkswirten.)
WIESBADEN (dpa-AFX) - Das Leben in Deutschland hat sich im August wieder stĂ€rker verteuert. Die Verbraucherpreise lagen um 2,2 Prozent ĂŒber dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorlĂ€ufiger Zahlen mitteilt. FĂŒr Juni und Juli hatten die Wiesbadener Statistiker noch jeweils eine Inflationsrate von 2,0 Prozent errechnet. Von Juli auf August des laufenden Jahres stiegen die Preise um 0,1 Prozent. Nach EinschĂ€tzung von Volkswirten mĂŒssen sich die Menschen hierzulande auch fĂŒr die kommenden Monate auf Teuerungsraten ĂŒber der Zwei-Prozent-Marke einstellen.
"Die Inflation ist hartnĂ€ckiger als gedacht", kommentiert Commerzbank DE000CBK1001-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer. Die Kerninflation - also die Rate ohne die schwankungsanfĂ€lligen Preise fĂŒr Nahrungsmittel und Energie - liegt seit inzwischen drei Monaten bei 2,7 Prozent.
Je höher die Inflationsrate, desto geringer die Kaufkraft der Menschen: Sie können sich fĂŒr einen Euro dann weniger leisten. Obwohl die groĂe Teuerungswelle vorerst ausgelaufen ist, die Deutschland nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine erfasste, belasten zum Beispiel gestiegene Lebensmittelpreise viele Verbraucher.
Verbraucher haben mehr Geld in der Tasche
Immerhin haben viele BeschĂ€ftigte auch mehr Geld in der Tasche: Im zweiten Quartal stiegen die Löhne dem Statistischen Bundesamt zufolge mit 4,1 Prozent erneut stĂ€rker als die Verbraucherpreise. Daraus ergibt sich eine Reallohnsteigerung um 1,9 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Kaufkraftverluste vor allem aus den Jahren 2022 und 2023 werden somit zunehmend ausgeglichen. BerĂŒcksichtigt man die Inflation, ist das Lohn-Niveau von 2019 nach Angaben der Förderbank KfW aber noch nicht erreicht.
Kaffee und Schokolade deutlich teurer
Auch Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, rechnet vorerst nicht mit einem weiteren spĂŒrbaren RĂŒckgang der Inflationsrate: "Die Kerninflationsrate scheint keine Anstalten zu machen, weiter nachgeben zu wollen. Gleichzeitig lĂ€sst der preisdĂ€mpfende Effekt der Energiepreise nach und die Lebensmittelpreise könnten tendenziell wieder etwas stĂ€rker zulegen."
Im August mussten die Menschen hierzulande fĂŒr Nahrungsmittel 2,5 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Im Juli hatten die Nahrungsmittelpreise um 2,2 Prozent zugelegt. In der Spitze im MĂ€rz waren es sogar 3,0 Prozent.
Nach Daten aus den BundeslĂ€ndern verteuerten sich in diesem August etwa Kaffee und Schokolade teilweise um bis zu ein Viertel verglichen mit dem Vorjahresmonat. Auch die Preise fĂŒr Obst zogen an, wĂ€hrend die Statistiker bei einigen GemĂŒsesorten regional PreisrĂŒckgĂ€nge verzeichneten.
PreisrĂŒckgang bei Energie flacht ab
Energie war nach den vorlÀufigen Berechnungen der Statistiker im August 2,4 Prozent billiger als ein Jahr zuvor. Im August vor einem Jahr waren die Energiepreise allerdings sehr viel deutlicher gesunken. Im Jahresvergleich wirkt das daher nun wie eine Preissteigerung - ein sogenannter Basiseffekt, der die aktuelle Inflationsrate nach oben treibt.
Moderate Teuerung erwartet nach Preiswelle
FĂŒr das Gesamtjahr erwarten Volkswirte fĂŒr Europas gröĂte Volkswirtschaft im Schnitt eine Inflationsrate um die zwei Prozent. Bei mittelfristig 2,0 Prozent Teuerung sieht die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) fĂŒr den Euroraum als Ganzes ihr Ziel stabiler Preise und somit einer stabilen WĂ€hrung erfĂŒllt.
Dauerhaft niedrige Preise gelten ebenso wie zu stark steigende Preise als Risiko fĂŒr die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten bei stark sinkenden Preisen Investitionen aufschieben in der Erwartung, dass es noch billiger wird. Angesichts des Preisauftriebs im August rechnen viele Ăkonomen nicht damit, dass die EZB im September die Leitzinsen im Euroraum weiter senken wird.
Im Gesamtjahr 2022 war die Inflation in Deutschland auf 6,9 Prozent geschnellt, 2023 waren es 5,9 Prozent. Nach dem russischen Ăberfall auf die Ukraine 2022 kletterten die Preise fĂŒr Energie und Lebensmittel sprunghaft. Im vergangenen Jahr flaute die Teuerung auf 2,2 Prozent ab.
Dienstleistungen verteuern sich nicht mehr so stark
Gesunken ist in den vergangenen Monaten auch die ĂŒberdurchschnittlich hohe Teuerung bei Dienstleistungen, zu denen etwa GaststĂ€ttenbesuche, Autoreparaturen und Versicherungen zĂ€hlen. Im August ging es jedoch nicht weiter nach unten: Dienstleistungen waren wie im Juli 3,1 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Ein Grund fĂŒr die gestiegenen Preise fĂŒr Dienstleistungen sind gestiegene Löhne.
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