SchleuserkriminalitÀt 2023 deutlich gestiegen
21.08.2024 - 17:30:01(neu: Stellungnahmen GdP und CSU)
WIESBADEN (dpa-AFX) - Die Polizei hat 2023 deutlich mehr SchleuserkriminalitÀt in Deutschland registriert. Insgesamt wurden rund 7.920 FÀlle von Einschleusungen aktenkundig, was einem Plus von gut 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht, wie das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden mitteilte.
Im gleichen Zeitraum stieg demnach die Zahl der TatverdĂ€chtigen um rund ein Viertel auf 4.404. Die meisten VerdĂ€chtigen bei Schleusungsdelikten waren den Angaben zufolge syrische, deutsche, tĂŒrkische und ukrainische Staatsangehörige.
Die Ermittler nannten es besorgniserregend, dass die Menschen bei immer mehr FĂ€llen in BehĂ€ltnissen transportiert worden seien, die eine Gefahr fĂŒr Leib und Leben bedeuteten. "Am hĂ€ufigsten wurden hierfĂŒr Kleintransporter genutzt, die sich leicht anmieten lassen und fĂŒr die keine spezielle Fahrerlaubnis benötigt wird", erlĂ€uterte das BKA.
Unter anderem drohten bei solchen Fahrten Sauerstoff- oder Wassermangel sowie UnterkĂŒhlung oder Verletzungen bei UnfĂ€llen. Die durchschnittliche Anzahl der auf der LadeflĂ€che eines Kleintransporters festgestellten Personen in Deutschland hat sich im Jahresvergleich 2022/2023 von zehn auf neunzehn nahezu verdoppelt, wie aus dem Bundeslagebild "SchleuserkriminalitĂ€t" hervorgeht.
Schleusungsfahrzeug wird zu gefÀhrlichen Fluchtmanövern genutzt
Die Schleusungsgruppierungen agierten laut BKA zunehmend risikobereiter und rĂŒcksichtsloser gegenĂŒber den geschleusten Menschen, unbeteiligten Dritten sowie den PolizeikrĂ€ften, um sich einer Kontrolle zu entziehen. "Ohne jegliche RĂŒcksicht auf die Insassinnen und Insassen oder andere Verkehrsteilnehmende wird dabei aus dem Schleusungsfahrzeug ein Fluchtfahrzeug."
In Deutschland seien im Zusammenhang mit sogenannten BehÀltnisschleusungen 2023 mehr als 200 Fluchtversuche bekanntgeworden, bei jedem vierten sei es zu einem Unfall gekommen.
Entwicklung der illegalen Migration
Die illegale Migration nach Deutschland hatte 2023 deutlich zugenommen. Wie das BKA mit Bezug auf die polizeiliche Kriminalstatistik erlÀuterte, registrierte die Sicherheitsbehörde im vergangenen Jahr 266.224 TatverdÀchtige wegen unerlaubter Einreise und unerlaubten Aufenthalts.
Im Vergleich zum Vorjahr bedeute dies einen Anstieg um rund ein Drittel (plus 33,4 Prozent). Bei den TatverdĂ€chtigen in Deutschland waren die Hauptherkunftsstaaten Syrien (54.207 Menschen), die TĂŒrkei (35.732 Menschen) und Afghanistan (35.370 Menschen).
Im ersten Halbjahr 2024 war die Zahl unerlaubter Einreisen von Migrantinnen und Migranten an der deutschen Grenze im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent gesunken, wie die Bundespolizei Ende Juli mitgeteilt hatte. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte Mitte Oktober vergangenen Jahres feste Kontrollen an den Landgrenzen zu Polen, Tschechien und der Schweiz angeordnet und seitdem mehrmals verlÀngert. Sechs-Monats-Zahlen sind jedoch nur bedingt aussagekrÀftig, weil der gesamte Jahrestrend fehlt.
Andere Hauptrouten bei Schleusungen
Nach den Erfahrungen des BKA haben sich die Schleusungsrouten 2023 verschoben. Im Vergleich zum Vorjahr seien bei Schleusungen ĂŒber die EU-/Schengen-AuĂengrenzen vermehrt GrenzĂŒbertritte ĂŒber das zentrale Mittelmeer nach Italien (zentralmediterrane Route) und ĂŒber das östliche Mittelmeer nach Griechenland (ostmediterrane Route) verzeichnet worden. RĂŒcklĂ€ufig seien dagegen GrenzĂŒbertritte auf der Westbalkanroute beispielsweise ĂŒber Albanien und der Ostroute etwa ĂŒber Russland nach Polen.
Werbevideos in sozialen Medien
FĂŒr die Kommunikation wurden bei SchleuserkriminalitĂ€t ĂŒberwiegend Messengerdienste wie Telegram und WhatsApp verwendet, wie das BKA erklĂ€rte. Zudem nutzten Schleuserorganisationen soziale Medien, um ihre Dienste zu vermarkten. Vorrangig ĂŒber Facebook, Instagram sowie Tiktok sei aktiv mit Kurzvideos fĂŒr eine Schleusung nach Deutschland geworben worden. Auf gleichem Wege wĂŒrden auch Fahrerinnen und Fahrer rekrutiert.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte im Kampf gegen Schleuser flexible und unvorhersehbare Grenzkontrollen, eine "zeitgemĂ€Ăere Technik zum Auslesen von Mobiltelefonen", Gesichtserkennungssoftware, mehr mobile FingerabdruckgerĂ€te und mehr Personal. Schleusungen seien ein MilliardengeschĂ€ft, ihre Geldströme mĂŒssten unterbunden werden. "Hier ist ein gemeinsames nationales und internationales Zusammenarbeiten der Strafverfolgungsbehörden, insbesondere des Zolls, unerlĂ€sslich", betonte die GdP.
"Abschiebungen auch nach Syrien und Afghanistan"
CSU-GeneralsekretĂ€r Martin Huber verlangte "dauerhafte Grenzkontrollen und ZurĂŒckweisungen von unberechtigten Asylbewerbern an den Binnengrenzen sowie Abschiebungen auch nach Syrien und Afghanistan". Der BKA-Bericht zeige das Scheitern der Ampelregierung und von Bundesinnenministerin Faeser im Kampf gegen illegale Migration. Die Regierung mĂŒsse hier ihre "Arbeitsverweigerung" endlich beenden./löb/DP/ngu

