ErwerbstĂ€tigenzahl auf Rekord - aber Ausblick fĂŒr 2025 trĂŒb
02.01.2025 - 11:13:50(Neu: Aussagen von DIW-Chef Fratzscher im letzten Absatz)
WIESBADEN (dpa-AFX) - Trotz der Wirtschaftskrise hat die Zahl der BeschÀftigten in Deutschland 2024 einen neuen Höchststand erreicht. Im Jahresdurchschnitt waren rund 46,1 Millionen Menschen mit Arbeitsort hierzulande erwerbstÀtig, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. "Das waren so viele ErwerbstÀtige wie noch nie seit der deutschen Vereinigung im Jahr 1990." Jedoch wuchs die BeschÀftigung nur noch in Dienstleistungsbereichen, wÀhrend sie im Bau und im Produzierenden Gewerbe sank. Im neuen Jahr erwarten Fachleute mehr Arbeitslose.
Nach einer ersten SchĂ€tzung der Wiesbadener Statistiker kletterte die Zahl der ErwerbstĂ€tigen im Jahresschnitt 2024 um 72.000 Menschen oder 0,2 Prozent zum Vorjahr. Grund war die Zuwanderung auslĂ€ndischer ArbeitskrĂ€fte und eine gestiegene Erwerbsbeteiligung der inlĂ€ndischen Bevölkerung. Das ĂŒberwiege die dĂ€mpfenden Effekte des demografischen Wandels, erlĂ€uterte die Behörde.
Mit Ausnahme des Corona-Jahres 2020 wuchs die ErwerbstĂ€tigenzahl damit seit 2006 stetig. Allerdings verliere der Anstieg seit Mitte 2022 deutlich an Dynamik. Entscheidend fĂŒr das Plus im vergangenen Jahr war die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die im Jahresschnitt um 146.000 auf 42,3 Millionen wuchs, wĂ€hrend es erneut weniger SelbststĂ€ndige gab.
Wirtschaftskrise hinterlÀsst bereits Spuren
Allerdings macht sich die Wirtschaftskrise schon bemerkbar. So stieg die BeschĂ€ftigung 2024 nur in Dienstleistungsbereichen, wo gut drei Viertel der ErwerbstĂ€tigen arbeiten. Dort wuchs die Zahl der BeschĂ€ftigten zum Vorjahr um 153.000 auf 34,8 Millionen Menschen - unter anderem im Bereich Ăffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit sowie in Banken und Versicherungen.
In der Industrie und dem Baugewerbe sank die BeschĂ€ftigung dagegen. Im Produzierenden Gewerbe (ohne Bau) fiel die ErwerbstĂ€tigenzahl 2024 um 50.000 auf 8,1 Millionen Menschen. Auch die Krise im Neubau fĂŒhrte zu Jobverlusten. "Im Baugewerbe ging mit einem RĂŒckgang um 28 000 ErwerbstĂ€tige (-1,1 %) auf 2,6 Millionen der seit dem Jahr 2009 andauernde und nur im Jahr 2015 unterbrochene AufwĂ€rtstrend zu Ende", so die Statistiker.
Schlechte Aussichten fĂŒr 2025
Im neuen Jahr dĂŒrfte der Gegenwind zunehmen. Denn die Konjunktur bleibt schwach: 2025 erwartet die Bundesbank nur ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent, nachdem die deutsche Wirtschaft 2024 das zweite Jahr in Folge leicht geschrumpft sein dĂŒrfte.
Die Arbeitsagenturen rechnen mit einer wachsenden Arbeitslosigkeit. Das Arbeitsmarktbarometer des NĂŒrnberger Instituts fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) fiel im Dezember zum vierten Mal in Folge auf den niedrigsten Stand seit der Corona-Pandemie. "Die Arbeitsagenturen erwarten, dass die Arbeitslosigkeit auch zu Beginn des neuen Jahres weiter steigen wird", sagte IAB-Forscher Enzo Weber kĂŒrzlich.
Nur wenige Branchen erwarten Stellenaufbau
Auch eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) unter 49 BranchenverbĂ€nden zeigt wenig Optimismus. 20 der 49 WirtschaftsverbĂ€nde erwarten demnach 2025 einen RĂŒckgang der Produktion in ihrem Bereich; 13 rechnen mit gleichbleibenden Werten, 16 mit mehr Produktion.
Zudem erwarten 25 VerbĂ€nde in ihren Branchen 2025 einen Stellenabbau, nur 7 VerbĂ€nde rechnen mit mehr BeschĂ€ftigten. Dazu zĂ€hlen die Pharmaindustrie sowie der Luft- und Raumfahrzeugbau und Dienstleister wie Speditionen. Weniger Jobs dĂŒrfte es etwa in der Eisen- und Stahlindustrie geben, im Maschinenbau, in der Autoindustrie oder am Bau.
Marcel Fratzscher, PrĂ€sident des Deutschen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, rechnet ebenfalls mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit - sieht aber auch Chancen in der Verlagerung von BeschĂ€ftigung. "Es werden manche Unternehmen BeschĂ€ftigung abbauen. In der Industrie vor allem, auch in der Baubranche. Aber diese Menschen werden anderswo unterkommen und gut unterkommen können", sagte Fratzscher dem Deutschlandfunk. FĂŒr die Volkswirtschaft sei es wichtig, dass die BeschĂ€ftigung dahingeht, wo die BeschĂ€ftigten benötigt werden.

