WirtschaftsverbÀnde fordern: SolidaritÀtszuschlag komplett abschaffen
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 22:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin haben fĂŒhrende deutsche WirtschaftsverbĂ€nde die Bundespolitik zu einer raschen Umsetzung weitreichender Reformen aufgerufen.
Organisationen wie der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die Bundesvereinigung der Deutschen ArbeitgeberverbĂ€nde (BDA), die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) sowie der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) mahnten in aktuellen Stellungnahmen eine RĂŒckkehr zu soliden Staatsfinanzen und deutlich verbesserten Wachstumsbedingungen an.
Koalition unter Reformdruck
In einem Gastbeitrag fĂŒr das Handelsblatt betonten BDA-PrĂ€sident Rainer Dulger und BDI-PrĂ€sident Peter Leibinger die Notwendigkeit eines entschlossenen Kurses der Koalition aus Union und SPD. Trotz der Stimmenverluste bei den jĂŒngsten Wahlen dĂŒrften kleinteilige GrabenkĂ€mpfe den notwendigen Reformprozess nicht behindern.
Beide Verbandsvertreter forderten, das Gemeinwohl vor parteipolitische Interessen zu stellen. Die Koalition verfĂŒge ĂŒber einen WĂ€hlerauftrag fĂŒr vier Jahre und eine parlamentarische Mehrheit, was fĂŒr eine handlungsfĂ€hige Regierung und politische StabilitĂ€t in Berlin genutzt werden mĂŒsse.
Zu den zentralen Forderungen von BDA und BDI gehört das Ende der abschlagsfreien Rente fĂŒr besonders langjĂ€hrig Versicherte. Die VerbĂ€nde begrĂŒndeten den geforderten Stopp der âRente mit 63â mit notwendigen Finanzierungs- und Gerechtigkeitsfragen. Zudem plĂ€dierten sie fĂŒr eine Flexibilisierung des Arbeitsrechts durch die Umstellung von einer tĂ€glichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit.
Steuerliche Entlastungen und Arbeitszeitflexibilisierung
Im Bereich der Fiskalpolitik fordern BDA und BDI die vollstĂ€ndige Abschaffung des SolidaritĂ€tszuschlags sowie eine vorgezogene Senkung der Körperschaftsteuer. Den aktuellen Entwurf zur Einkommensteuerreform kritisierten die VerbĂ€nde als unzureichend. Es handele sich lediglich um minimale Korrekturen, wĂ€hrend Unternehmen faktisch stĂ€rker belastet wĂŒrden.
ErgĂ€nzend dazu drĂ€ngte DIHK-PrĂ€sident Peter Adrian darauf, die angekĂŒndigten Reformen im Herbst zu konkretisieren und zĂŒgig in Kraft zu setzen. Fortschritte seien insbesondere bei den Arbeitskosten, dem BĂŒrokratieabbau und den Energiepreisen erforderlich. Adrian sprach sich dafĂŒr aus, die Stromsteuer dauerhaft fĂŒr alle Unternehmen sowie PrivatbĂŒrger auf das europĂ€ische MindestmaĂ zu senken.
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Die Finanzierung hierfĂŒr solle aus dem Klima- und Transformationsfonds erfolgen. WĂ€hrend er die vorĂŒbergehende Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe als kurzfristige Entlastung bezeichnete, warnte er vor geplanten Preisdeckeln, da diese das Risiko von VersorgungsengpĂ€ssen bergen könnten.
Infrastruktur und finanzpolitische Warnsignale
Holger Schwannecke, GeneralsekretĂ€r des ZDH, hob die Bedeutung des Infrastrukturzukunftsgesetzes hervor, um Planungs- und Genehmigungsverfahren fĂŒr Schiene und StraĂe zu beschleunigen. Auch er forderte sinkende Steuern, Abgaben und Lohnzusatzkosten.
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Eine Ăbergewinnsteuer bezeichnete Schwannecke als kurzfristig unwirksam. Er verwies auf rechtliche Unklarheiten und ein beim EuropĂ€ischen Gerichtshof (EuGH) anhĂ€ngiges Verfahren, da der Bundesfinanzhof an der VerfassungsmĂ€Ăigkeit einer solchen Abgabe zweifle.
Der Verband DIE JUNGEN UNTERNEHMER warnte davor, Reformen aufgrund der Wahlergebnisse aufzuschieben. Der Verband verwies auf die geplanten Bundesausgaben fĂŒr das Jahr 2027 in Höhe von 555,4 Mrd. Euro. Bei einer Nettokreditaufnahme von 118,7 Mrd. Euro im Kernhaushalt und unter Einbeziehung von Sondervermögen liege die geplante Neuverschuldung bei ĂŒber 200 Mrd. Euro.
Angesichts einer Wachstumsprognose von 0,9 % fĂŒr 2027 und Zinsausgaben, die bis 2030 auf mehr als 80 Mrd. Euro ansteigen könnten, sei ein strikter Sparkurs notwendig. Geplant seien bislang KĂŒrzungen der Bundesverwaltungsstellen um 8 % und der Verwaltungsausgaben um 9 % bis zum Jahr 2029.
AbschlieĂend bewertete Marcel Fratzscher, PrĂ€sident des Deutschen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung (DIW), die Wahlergebnisse als Misstrauensvotum gegenĂŒber der Bundesregierung. Er warnte, dass das Festhalten an bestehenden Positionen die wirtschaftliche SchwĂ€che verfestige.
Fratzscher forderte einen umfassenden Pakt zwischen Politik und Wirtschaft, der Steuerreformen, den Abbau von Subventionen und strukturelle Reformen umfasst, um eine sozial und wirtschaftlich ausgewogene Entlastung zu erreichen.
