Wohneigentum, Deutschland

Wohneigentum in Deutschland: Quote fällt auf 43,5 Prozent – Tief seit 20 Jahren

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 21:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hohe Kaufkosten und strenge Kreditregeln erschweren den Immobilienerwerb, obwohl viele Mieter weiterhin eigenes Wohneigentum anstreben.

Wohneigentum in Deutschland: Quote sinkt auf 43,5 Prozent
Eine ruhige Wohnstraße mit modernen Wohnhäusern in einer deutschen Vorstadtsiedlung bei goldenem Abendlicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Wohneigentumsquote in Deutschland ist auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahrzehnten gefallen. Wie Erhebungen des Pestel-Instituts zeigen, liegt der Anteil der Haushalte mit eigenem Wohneigentum bei 43,5 Prozent. Im Jahr 2018 lag dieser Wert noch bei knapp 47 Prozent.

Auch im europäischen Vergleich belegt die Bundesrepublik damit einen hinteren Rang: Daten von Eurostat weisen für Deutschland mit 52,8 Prozent Mietern die niedrigste Wohneigentumsquote innerhalb der Europäischen Union aus.

Besonders für jüngere Generationen wird der Immobilienerwerb zunehmend unerschwinglich. Nach Angaben des Pestel-Instituts schaffen es lediglich ein Drittel der Haushalte bis zum 35. Lebensjahr in die eigenen vier Wände. Fast drei Viertel der 25- bis 45-Jährigen leben zur Miete. Wer bis zum Alter von 45 Jahren kein Wohneigentum gebildet habe, erreiche dieses Ziel später meist nur noch über eine Erbschaft, so das Institut.

Kluft zwischen Wunsch und Realität

Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden ist in der Bevölkerung dennoch ungebrochen. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Immobilienverbands Deutschland (IVD) ergab, dass sich zwei Drittel der Mieter eine eigene Immobilie wünschen.

Eine weitere Umfrage von Haus & Grund untermauert dieses Bild: Demnach wollen 76 Prozent der jungen Mieter zwischen 18 und 45 Jahren Wohneigentum erwerben, allerdings halten 58 Prozent der Befragten diesen Schritt unter den aktuellen Bedingungen fĂĽr unrealistisch.

Gleichzeitig wächst die Unzufriedenheit mit den politischen Rahmenbedingungen. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey, die zwischen dem 14. September und dem 3. Oktober 2026 durchgeführt wurde, vertraten 79 Prozent der Befragten die Auffassung, die Bundesregierung unternehme nicht genug für erreichbares Wohneigentum.

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HĂĽrden bei Finanzierung und Nebenkosten

Als wesentliche Ursachen fĂĽr den RĂĽckgang gelten strenge Kreditvergabestandards und hohe Einstiegskosten. Dem IVD-Wohn-Preisspiegel 2026/27 zufolge erleben vier von fĂĽnf IVD-Mitgliedern die Vergabe von Krediten restriktiver als im Vorjahr.

Der Immobilienerwerb scheitere in der Praxis am häufigsten am fehlenden Eigenkapital. Das ImmoScout24-Wohnbarometer verzeichnete parallel dazu, dass in teuren Metropolen wieder mehr Menschen auf Mietwohnungen ausweichen.

Jakob Grimm von Haus & Grund Deutschland gab zu bedenken, dass Eigentum zunehmend zu einer Frage der Herkunft werde. Grimm verwies auf internationale Vorbilder bei der Entlastung von Ersterwerbern: Die Niederlande befreien Käufer im Alter zwischen 18 und 35 Jahren beim ersten Kauf bis zu einer bestimmten Wertgrenze von der Grunderwerbsteuer.

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Großbritannien wende bis zu einer festgelegten Kaufsumme einen Nullsteuersatz an, und auch Länder wie Belgien, Australien und Kanada arbeiteten mit Freibeträgen oder reduzierten Steuersätzen.

Als mögliche Auswege zur Stärkung der Eigentumsbildung gelten Förderdarlehen, staatliche Bürgschaften und eine Absenkung der Kaufnebenkosten. Zudem werden ein einfacheres Baurecht sowie eine kapitalmarktgestützte Altersvorsorge als Instrumente diskutiert, um mehr Haushalten den Weg ins Eigenheim zu ebnen.

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