Wohnungsbau Niedersachsen: 380 Millionen Euro und bis zu 40% Zuschuss
05.07.2026 - 19:19:45 | boerse-global.de
Die Landesregierung stellt rund 380 Millionen Euro bereit – und lockt Investoren mit höheren Zuschüssen.
Die bisherigen Förderangebote sind jetzt in drei Richtlinien gebündelt: Mietwohnraumförderung, Junges Wohnen und Wohneigentumsförderung. Der Clou: Statt Tilgungsnachlässen gibt es nun direkte Zuschüsse. Investoren können bis zu 40 Prozent der Kosten erstattet bekommen. Zusammen mit Darlehen sind sogar 80 Prozent Förderquote drin.
„Wir vereinfachen die Förderung und erhöhen die Zuschussanteile“, sagt Wirtschafts- und Bauminister Grant Hendrik Tonne. Bezahlbarer Wohnraum entstehe nur, wenn Investitionen wieder wirtschaftlich seien. Das Land will das jährliche Fördervolumen perspektivisch auf über 500 Millionen Euro steigern.
Klimaschutz und Barrierefreiheit neu gedacht
Die neuen Richtlinien setzen klare Akzente. Bei klimagerechten Sanierungen zählt künftig die tatsächliche energetische Verbesserung. Barrierefreie Umbauten sind unabhängig vom Alter der Bewohner förderfähig.
Erstmals fördert Niedersachsen explizit gemeinschaftliches Wohnen, Housing-First-Ansätze und Belegungsbindungen. Beim „Jungen Wohnen“ wurden Wohnheimplätze flexibler gestaltet. Familien erhalten beim Hausbau Zuschüsse pro Kind. Anträge laufen über die NBank.
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Bund legt nach: 34 Maßnahmen beschlossen
Parallel dazu hat der Koalitionsausschuss am 2. Juli ein Reformpaket mit 34 Einzelmaßnahmen verabschiedet. Kernstück: eine bundeseigene Wohnungsbaugesellschaft (WBG), die in Wohnungsmangel-Regionen aktiv wird. Auch serielles und modulares Bauen soll staatlich gefördert werden.
Ab 1. Januar 2027 fallen zudem die nationalen Kapitalpuffer für Immobilienkredite weg. GdW-Präsident Axel Gedaschko lobt das Paket, warnt aber: Steigende Genehmigungszahlen allein garantieren noch keinen Aufschwung. Zwar gab es von Januar bis April 2026 ein Plus von 13,4 Prozent bei Baugenehmigungen (rund 83.700 Einheiten). Doch der Bauüberhang liegt bei über 760.000 genehmigten, aber nicht fertiggestellten Wohnungen.
Streit um Vergesellschaftungsverbot
Für Zündstoff sorgt ein Vorhaben der Bundesregierung: Sie will per Bundesgesetz verbieten, dass Länder private Mietwohnungsbestände verstaatlichen. Das soll Investoren Planungssicherheit geben.
Die Linksfraktion im Bundestag protestiert. Fraktionschefin Heidi Reichinnek wirft der Regierung vor, sich vor große Wohnungskonzerne zu stellen. Auch in der SPD rumort es. Berliner Abgeordnete wie Hakan Demir und Annika Klose kritisieren, das Verbot schränke Länderrechte ein und widerspreche dem Grundgesetz.
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KfW-Programm: Aus Gewerbe wird Wohnraum
Seit dem 1. Juli gibt es das KfW-Programm „Gewerbe zu Wohnen“. Es gewährt bis zu 30.000 Euro pro Wohneinheit für den Umbau leerstehender Büros oder Geschäfte.
Doch nicht überall läuft es rund. Im Landkreis Northeim warnen Sozialverbände vor geplanten Wohngeldkürzungen. Laut SoVD Niedersachsen könnten landesweit rund 128.000 Haushalte ihren Anspruch verlieren – besonders Rentner und Alleinerziehende wären betroffen. In Mecklenburg-Vorpommern dagegen werden am 8. Juli die Einkommensgrenzen für Wohnberechtigungsscheine angehoben.
