Wohnungskrise Berlin: 58.000 Wohnungen fehlen, Linke fordert Enteignungen
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 21:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Vorfeld der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 hat sich die Debatte um die Vergesellschaftung groĂer Wohnungsunternehmen zu einem zentralen Thema entwickelt.
Die Spitzenkandidatin der Linken, Elif Eralp, fordert die ĂberfĂŒhrung von Immobilienkonzernen mit einem Bestand von mehr als 3000 Wohnungen in Gemeineigentum. Damit setzt die Partei auf eine konsequente Umsetzung der Forderungen aus der Zivilgesellschaft, um den steigenden Mieten in der Hauptstadt entgegenzuwirken.
Aktuelle Umfragen sehen die Linke derzeit in einer starken Position. Laut einer Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen fĂŒr das ZDF kommt die Partei auf 23 Prozent und liegt damit vor der CDU, die 21 Prozent erreicht.
Eine Untersuchung von Infratest dimap fĂŒr die ARD vom 10. September 2026 bezifferte den Zuspruch fĂŒr die Linke auf 21 Prozent, wĂ€hrend die CDU bei 20 Prozent lag. Die GrĂŒnen werden aktuell bei 16 Prozent und die SPD bei 10 Prozent gefĂŒhrt. Angesichts dieser Werte könnte die 45-jĂ€hrige Eralp die erste Regierungschefin der Linken in Berlin seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 werden.
Massive Wohnungsknappheit und steigende Mieten
Die wohnungspolitische Diskussion wird durch eine VerschĂ€rfung der Marktlage angetrieben. Nach Daten des Pestel-Instituts fehlen in Berlin derzeit mindestens 58.000 Wohnungen. Diese LĂŒcke wird durch einen RĂŒckgang der BautĂ€tigkeit vergröĂert: WĂ€hrend im Jahr 2023 noch deutlich mehr Einheiten fertiggestellt wurden, sank die Zahl im Jahr 2025 auf 11.027 Wohnungen â ein Minus von 5000 Einheiten innerhalb von zwei Jahren.
Gleichzeitig verzeichnet die Branche eine erhebliche Verteuerung des Wohnraums. Laut VDP Research lagen die Mieten bei NeuvertrĂ€gen im Jahr 2025 im Durchschnitt bei 15,80 Euro pro Quadratmeter. FĂŒr das laufende Jahr 2026 wird eine weitere Steigerung auf 16,40 Euro prognostiziert.
Im Gegensatz dazu bezifferte die Investitionsbank Berlin die durchschnittliche Bestandsmiete fĂŒr das Jahr 2024 auf 7,21 Euro pro Quadratmeter. Da rund 85 Prozent der Berliner Haushalte zur Miete wohnen, ist die SensibilitĂ€t fĂŒr Preisentwicklungen hoch.
Der Mietenreport 2026 des Mieterbundes zeigt, dass sich 29 Prozent der Mieter um die Bezahlbarkeit ihres Wohnraums sorgen; fast 60 Prozent berichteten von Mietsteigerungen in den vergangenen zwölf Monaten.
Die Berliner Wohnungsknappheit verschĂ€rft sich: Laut Pestel-Institut fehlen mindestens 58.000 Wohnungen, die Neuvertragsmieten sollen 2026 auf 16,40 Euro pro Quadratmeter steigen. Der kostenlose Report ordnet die Rechtslage ein â von der Mietpreisbremse bis zu den geplanten Vergesellschaftungs-Regeln. Kostenlosen Report jetzt anfordern
Rechtliche Rahmenbedingungen und politischer Widerstand
Die Forderung nach Enteignungen stĂŒtzt sich auf den Volksentscheid der Initiative âDeutsche Wohnen & Co enteignenâ vom 26. September 2021. Damals stimmten 1.035.950 Berliner (57,6 Prozent) fĂŒr die Vergesellschaftung, wĂ€hrend 715.698 (39,8 Prozent) dagegen votierten.
Eine im MĂ€rz 2022 eingesetzte Expertenkommission stellte in ihrem Abschlussbericht im Juni 2023 fest, dass Artikel 15 des Grundgesetzes solche MaĂnahmen grundsĂ€tzlich erlaube.
Obwohl der Berliner Senat am 1. MĂ€rz 2026 ein Rahmengesetz zur Vergesellschaftung beschlossen hat, soll dieses erst ab dem 28. MĂ€rz 2028 in Kraft treten. Die Initiative bereitet daher bereits einen zweiten Volksentscheid mit einem konkreten Gesetzentwurf vor. Auf Bundesebene formiert sich jedoch Widerstand: Die Parteien der Union und die SPD planen, Enteignungsschritte durch bundesgesetzliche Regelungen zu unterbinden.
Bundesweite Krise am Wohnungsmarkt
Die Situation in Berlin spiegelt einen bundesweiten Trend wider. Das Pestel-Institut beziffert den aktuellen Mangel in Deutschland auf 1,4 Millionen Wohnungen und prognostiziert bis 2030 ein Defizit von fast 2 Millionen Einheiten.
Um den Bedarf zu decken, wĂ€ren jĂ€hrlich 400.000 Neubauten erforderlich, doch im Jahr 2025 wurden lediglich knapp 200.000 Wohnungen fertiggestellt â ein RĂŒckgang von 13,9 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr.
FĂŒr EigentĂŒmer und Investoren mit Berliner Bestand wird die politische Lage konkret: Die Linke fordert Vergesellschaftung von Konzernen mit mehr als 3000 Wohnungen, ein Rahmengesetz soll 2028 in Kraft treten, ein zweiter Volksentscheid wird vorbereitet. Der kostenlose Report fasst zusammen, welche Pflichten und Fristen auf Sie zukommen. Investoren-Checkliste jetzt sichern
ZusĂ€tzlichen Druck auf den Berliner Markt erzeugt die Zuwanderung. Seit 2015 verzeichnete die Stadt 460.000 ZuzĂŒge aus dem Ausland sowie 71.000 aus anderen Teilen Deutschlands.
Vor diesem Hintergrund plant Bundesjustizministerin Stefanie Hubig, die Durchsetzung der Mietpreisbremse zu verschĂ€rfen. Sie strebt BuĂgelder bei VerstöĂen gegen die Preisobergrenzen an. Eine hierfĂŒr im September 2025 eingerichtete Expertengruppe soll bis Ende 2026 konkrete VorschlĂ€ge zur Umsetzung vorlegen.
