Babyboomer, Wohnungsmangel

Wohnungsmangel: Babyboomer lösen Engpass nicht allein

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 13:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Eine Studie des Sparda-Verbands und des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, warum der demografische Generationenwechsel den Wohnungsmarkt nicht automatisch entlastet. Entscheidend sind regionale Unterschiede und fehlende passende Angebote für ältere Menschen.

Regionale Verteilung prägt den Wohnungswechsel

  • Die Studie wertet den Zensus für alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands aus.
  • In 300 Kreisen gibt es mehr ältere Eigentümerhaushalte als jüngere Mieterhaushalte.
  • In 34 von 70 untersuchten Großstädten reicht das mögliche Angebot auch mit dem Umland nicht für die Nachfrage.
Begehrtes Eigenheim: Viele Senioren wohnen in der eigenen, zu groß gewordenen Immobilien, während Wohnraum knapp ist. (Archivbild) - Bild: Jan Woitas/dpa/dpa-tmn

Babyboomer bringen nicht automatisch mehr Wohnraum

Die alternde Bevölkerung wird den Wohnungsmangel in Deutschland nach Einschätzung des Verbands der Sparda-Banken allein nicht lösen. Eine Studie des Verbands und des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, dass mögliche frei werdende Immobilien häufig dort liegen, wo die Nachfrage geringer ist.

Überhang auf dem Land, Knappheit in Städten

In Deutschland gibt es der Studie zufolge rund 5,3 Millionen Eigentümerhaushalte, in denen mindestens eine Person 65 Jahre oder älter ist. Ihnen steht eine ähnlich große Zahl von Mieterhaushalten im Alter zwischen 30 und 44 Jahren gegenüber.

Die regionale Verteilung passt jedoch oft nicht zusammen. In 300 der 400 untersuchten Landkreise und kreisfreien Städte übersteigt die Zahl älterer Eigentümerhaushalte die Zahl jüngerer Mieterhaushalte.

Ballungsräume bleiben besonders angespannt

Der mögliche Angebotsüberhang konzentriert sich laut Studie häufig auf kleinere und ländliche Regionen. Die größte Nachfrage nach Wohnungen bestehe dagegen in Ballungsräumen.

Selbst wenn das direkte Umland einbezogen wird, reicht das potenziell frei werdende Angebot in 34 von 70 analysierten Großstädten nicht aus, um die Nachfrage jüngerer Haushalte zu decken. Der Verband warnt deshalb davor, den Generationenwechsel als wohnungspolitische Lösung zu betrachten.

Viele Ältere empfinden Wohnraum als zu groß

Der Studie zufolge halten 37 Prozent der Eigentümerhaushalte ab 65 Jahren ihre Wohnung für zu groß. Gleichzeitig empfinden 35 Prozent der jüngeren Mieterhaushalte ihre Wohnung als zu klein.

Ein Umzug scheitert demnach häufig an hohen Erwerbsnebenkosten, fehlenden kleineren und barrierearmen Wohnungen sowie an der Bindung an das vertraute Umfeld. Die Studie nennt als mögliche Ansätze bessere Finanzierungsbedingungen, niedrigere Erwerbsnebenkosten und eine flexiblere Nutzung vorhandenen Wohnraums.

Die Studie beschreibt keinen bundesweit einheitlichen zusätzlichen Wohnungsbestand, sondern eine räumlich ungleich verteilte Verschiebung von Eigentum. Ältere Eigentümerhaushalte leben überdurchschnittlich häufig in kleineren Gemeinden und ländlichen Regionen, während jüngere Haushalte vor allem dort Wohnungen suchen, wo Arbeitsplätze, Hochschulen und Infrastruktur konzentriert sind.

Damit entscheidet nicht allein die Zahl frei werdender Häuser über die Entlastung des Wohnungsmarktes. Ein Eigenheim auf dem Land kann für eine Familie aus einer Großstadt wegen Entfernung, Pendelzeiten und fehlender Arbeitsplätze kein gleichwertiger Ersatz sein. Auch der Umbau eines Einfamilienhauses in mehrere Wohnungen scheitert häufig an Kosten, Baurecht oder fehlender Nachfrage vor Ort.

Wohnraum passend nutzen

Die Zahlen zum empfundenen Platzmangel zeigen zugleich ein Nutzungsproblem: Ältere Menschen wohnen teils allein oder zu zweit in großen Häusern, während jüngere Mieter mit knapper Wohnfläche auskommen müssen. Ein freiwilliger Umzug in kleinere, barrierearme Wohnungen könnte Wohnraum mobilisieren, setzt aber geeignete Angebote, bezahlbare Nebenkosten und soziale Unterstützung voraus.

Für den angespannten Markt in den Ballungsräumen bleibt deshalb zusätzlicher Neubau entscheidend. Daneben können Umbau, Teilvermietung und die Aktivierung leer stehender Wohnungen helfen. Die Studie macht jedoch deutlich, dass der demografische Generationenwechsel diese Aufgaben nicht automatisch übernimmt.

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