Wohnungsmangel NRW: Bund fördert Umnutzung mit 300 Millionen Euro
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 13:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nordrhein-Westfalen will mit einer Reform der Landesbauordnung und neuen Fördermitteln den Wohnungsmangel bekämpfen. Ab September 2026 soll der Umbau von leerstehenden Gewerbeflächen in Wohnraum deutlich schneller gehen.
Umbaubooster: Weniger Normen, mehr Tempo
Die novellierte Landesbauordnung tritt am 1. September 2026 in Kraft. Ihr Herzstück ist der sogenannte Umbaubooster: Beim Umbau von Büros und Läden zu Wohnungen sowie bei Aufstockungen um bis zu ein Geschoss können bis zu 90 Prozent der bisherigen DIN-Normen entfallen. Voraussetzung: Bauherren und ausführende Unternehmen einigen sich darauf.
Der digitale Bauantrag wird zum Standard. Eine neue Genehmigungsfiktion sorgt dafür, dass Anträge nach drei Monaten als genehmigt gelten, wenn die Behörde nicht rechtzeitig entscheidet. Auch das Denkmalschutzgesetz wird angepasst: Solaranlagen und energetische Sanierungen an historischen Gebäuden sollen künftig leichter möglich sein.
Bund legt 300 Millionen Euro für Umnutzung bereit
Ergänzend zu den landesrechtlichen Lockerungen gibt es seit Juli 2026 Geld vom Bund. Das Programm „Gewerbe zu Wohnen“ unterstützt Investoren mit bis zu 30.000 Euro pro neuer Wohneinheit. Maximal 300.000 Euro pro Investor, insgesamt stehen 300 Millionen Euro über die KfW bereit.
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Die Förderung ist an energetische Sanierungsauflagen geknüpft. Hintergrund: Bundesweit stehen über 12 Millionen Quadratmeter Bürofläche leer. In NRW fehlen nach Berechnungen des Pestel-Instituts aktuell rund 376.000 Wohnungen.
Wohnungsbau auf Tiefstand – Preise steigen weiter
Die Dringlichkeit der Maßnahmen zeigt ein Blick auf die Marktdaten. Das Ifo-Institut erwartet für 2026 nur etwa 185.000 fertiggestellte Wohnungen – ein Tiefstand. Gründe: Bauinflation, lange Planungszeiten von durchschnittlich 27 Monaten und geopolitische Spannungen.
Die Preise für Bestandswohnungen stiegen im zweiten Quartal 2026 um 6,8 Prozent auf durchschnittlich 3.226 Euro pro Quadratmeter. Professor Hillebrandt sieht in der Umnutzung enormes Potenzial: Bundesweit könnten theoretisch 1,8 Millionen Wohnungen durch den Umbau von Büros und weitere 2,4 Millionen durch Aufstockungen entstehen.
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Großprojekte in Düsseldorf, Mülheim und Aachen
In mehreren NRW-Städten laufen bereits konkrete Projekte:
- Düsseldorf: In der ehemaligen Thyssen-Verwaltung entstehen 340 Wohnungen. Für 20 Prozent der Flächen gilt ein Mietpreisdeckel von 8,50 Euro pro Quadratmeter – für zehn Jahre.
- Mülheim an der Ruhr: Der Stinnes-Turm wird für rund 50 Millionen Euro umgebaut, 170 Wohnungen sind geplant.
- Aachen: Der Wehmeyerblock soll zu einem gemischten Quartier mit etwa 325 Wohnungen werden. Eine Entscheidung über die Entwürfe fällt im Herbst 2026.
- Dortmund und Lünen: Ehemalige Polizeiwachen und Kaufhäuser werden zu barrierefreien Einheiten und Cluster-Wohnungen umgebaut.
Auch kleinere Kommunen wie Wermelskirchen machen mit: Dort entstehen neue Wohneinheiten aus alten Gewerbeobjekten. Ob all das reicht, um die Trendwende am Wohnungsmarkt zu schaffen, wird sich laut Branchenexperten erst in den kommenden Jahren zeigen.
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