Wohnungsmarkt Berlin: 36 Mrd. Euro EntschÀdigung spaltet Kandidaten
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 23:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vier Tage vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus haben die Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten in der RBB-Wahlarena kontrovers ĂŒber die Wohnungs- und Mietenpolitik gestritten. Im Zentrum des TV-Duells standen die Debatte ĂŒber Mietwucher sowie mögliche Enteignungen groĂer Wohnungsunternehmen. Berichten zufolge prallten dabei grundlegend unterschiedliche Konzepte zur BewĂ€ltigung der Berliner Wohnungsmarktkrise aufeinander.
Kontroverse um Vergesellschaftung und Behörden
In der Fernsehdebatte forderte Elif Eralp fĂŒr die Linke die Einrichtung einer Behörde gegen Mietwucher. Zudem sprach sie sich fĂŒr einen Mietendeckel bei landeseigenen Wohnungsunternehmen sowie fĂŒr die Vergesellschaftung von rund 220.000 Wohnungen privater Konzerne aus.
Die Linke setzt sich generell fĂŒr die Umsetzung des Volksentscheids aus dem Jahr 2021 ein, bei dem seinerzeit knapp 60 Prozent fĂŒr die Enteignung von Wohnungsunternehmen mit mehr als 3.000 Einheiten gestimmt hatten.
Die SPD bezifferte die potenziellen EntschĂ€digungskosten im Rahmen einer Vergesellschaftung auf 20 bis 30 Milliarden Euro. SPD-Spitzenkandidat Krach plĂ€dierte stattdessen fĂŒr eine sogenannte Mietenpolizei und BuĂgelder von bis zu 100.000 Euro bei VerstöĂen gegen Mietpreisvorschriften.
FĂŒr die CDU erklĂ€rte Evers, eine EntschĂ€digungssumme von ĂŒber 30 Milliarden Euro sei fĂŒr das Land nicht finanzierbar. Ăhnlich ablehnend Ă€uĂerte sich Brinker fĂŒr die AfD, die Enteignungen in der Debatte grundsĂ€tzlich zurĂŒckwies.
Andere Parteien setzten eigene Schwerpunkte: FĂŒr die GrĂŒnen warb Graf fĂŒr den Umbau von zwei Millionen Quadratmetern leerstehenden BĂŒroflĂ€chen zu Wohnraum. BSW-Spitzenkandidat LĂŒders kritisierte in der Arena frĂŒhere WohnungsverkĂ€ufe der öffentlichen Hand.
Hohe Kosten und Widerstand aus der Immobilienwirtschaft
Die finanzielle Machbarkeit von Vergesellschaftungen bleibt stark umstritten. WĂ€hrend amtliche SchĂ€tzungen des Senats die EntschĂ€digung fĂŒr rund 243.000 Wohnungen auf 28,8 bis 36 Milliarden Euro bezifferten, hatte die zustĂ€ndige Initiative die Kosten im Jahr 2025 auf 10 bis 17 Milliarden Euro veranschlagt.
Aus der Immobilienbranche kommen deutliche Warnungen vor den EnteignungsplĂ€nen. Der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (VDP), Tolckmitt, sieht bereits Verunsicherung und VerhaltensĂ€nderungen bei Investoren und Banken.
Der Vorstandsvorsitzende des Konzerns Vonovia, Mucic, betonte, ein intakter Wohnungsmarkt funktioniere nur im Zusammenspiel aus kommunalen, genossenschaftlichen und privaten Unternehmen.
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Vonovia bewirtschaftet in Berlin rund 138.000 Einheiten und schĂŒttete 2026 eine Milliarde Euro Dividende aus, was bei knapp 500.000 Wohnungen bundesweit im Schnitt 166 Euro pro Einheit im Monat entspricht. Auch die Deutsche Bank warnte vor verschĂ€rfter Wohnungsknappheit und weiter steigenden Marktmieten infolge regulatorischer Eingriffe.
Gleichzeitig verweist der Verband BFW auf die schwierige Neubaulage: In Berlin wĂŒrden rund 20.000 neue Wohnungen jĂ€hrlich benötigt. BFW-Mitglieder errichteten von 2015 bis 2025 zwar rund 54.000 Wohnungen â gut 32 Prozent aller Berliner Neubauten â, zuletzt stellten jedoch 37 Prozent der Mitgliedsunternehmen Investitionen fĂŒr insgesamt 3.480 Wohnungen zurĂŒck.
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Umfragen deuten auf schwierige Koalitionsverhandlungen hin
Der Berliner Mietspiegel 2026 weist auf Basis von rund 17.000 DatensÀtzen eine Nettokaltmiete von durchschnittlich 7,71 Euro pro Quadratmeter aus. Eine Auswertung von 821 Berliner MietfÀllen durch den Anbieter Allright ergab derweil eine geforderte Nettokaltmiete von im Schnitt 925,59 Euro, obwohl laut Auswertung rechnerisch nur 581,28 Euro zulÀssig gewesen wÀren. Die Daten beanspruchen dabei jedoch keine ReprÀsentativitÀt.
Angesichts der tiefen GrÀben im Thema Mietenpolitik zeichnen sich nach dem Urnengang komplizierte Regierungsbildungen ab. In Umfragen vor der Abgeordnetenhauswahl liegen CDU und Linke jeweils bei Werten zwischen 20 und 23 Prozent, wÀhrend die SPD zwischen 10 und 15 Prozent rangiert.
Eine INSA-Erhebung sieht CDU und Linke gleichauf bei 20 Prozent und die AfD bei 18 Prozent. Politische Beobachter halten das Zustandekommen einer Dreier-Koalition fĂŒr das wahrscheinlichste Szenario.
