Wohnwagen-Hersteller, LMC

Wohnwagen-Hersteller LMC: 106 Kündigungen in Sassenberg

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 11:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Wohnwagenbauer LMC kündigt 106 Mitarbeitern in Sassenberg. Eine Transfergesellschaft soll den Übergang für die Betroffenen abfedern.

LMC Wohnwagen: 106 Kündigungen in Sassenberg beschlossen
Ein teilweise leerer Fabrikboden mit Arbeitern, die besorgt aussehen, und unscharfen Industriemaschinen im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

106 Beschämmte am Standort Sassenberg erhalten betriebsbedingte Kündigungen. 88 von ihnen müssen bereits Ende Juli gehen, die restlichen 18 verlassen das Unternehmen Ende Januar 2027.

Damit schrumpft die Belegschaft des Traditionsherstellers weiter. Von einst 1.200 Mitarbeitern arbeiten dort heute nur noch rund 500.

Transfergesellschaft soll Übergang erleichtern

Unternehmensführung und Arbeitnehmervertreter haben einen Sozialplan vereinbart. Kernstück ist eine Transfergesellschaft, in die fast alle betroffenen Mitarbeiter wechseln. Sie beziehen zunächst einige Monate ihr volles Gehalt, danach gibt es bis zu sechs Monate Transferkurzarbeitergeld – 80 Prozent des letzten Nettoentgelts.

Geschäftsführer Bodo Diller verspricht umfassende Qualifizierungsangebote. „Ziel ist es, den Mitarbeitern einen Neustart auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen", so Diller.

Nachfrage-Einbruch im Caravan-Markt

Hintergrund der Kündigungswelle ist die europaweit schwache Nachfrage nach Wohnwagen und Reisemobilen. LMC reagiert auf die veränderten Marktbedingungen – und steht damit nicht allein da.

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Die Volkswagen AG verzeichnete im zweiten Quartal 2026 einen Absatzrückgang von fast neun Prozent auf rund 2,1 Millionen Fahrzeuge. Besonders heftig traf es den chinesischen Markt: Die Verkäufe brachen um über ein Drittel ein. VW-Chef Blume schließt Werksschließungen nicht mehr aus. Medienberichten zufolge könnten weltweit bis zu 120.000 Stellen wegfallen. An deutschen Standorten wie Emden, Hannover, Neckarsulm, Osnabrück und Zwickau herrscht Unsicherheit. Der Aufsichtsrat lehnte ein geplantes Sparpaket zunächst ab – rund 40.000 Beschäftigte warten auf Klarheit.

Krise erfasst ganze Industrie

Der Fahrzeugbau ist nur ein Teil des Problems. In der Stahlbranche stehen massive Einschnitte an. Thyssenkrupp Steel Europe will 11.000 Stellen streichen. Salzgitter übernimmt den Duisburger Konkurrenten HKM komplett. Bis Ende 2028 fallen dort rund 2.000 von 3.000 Arbeitsplätzen weg. Die Produktion soll auf zwei Millionen Tonnen Rohstahl sinken – bei 90 Prozent weniger CO2 durch einen Elektrolichtbogenofen.

Auch die Chemiebranche baut ab. Evonik streicht Stellen in Witten und Marl. Der Branchenverband VCI warnt vor einer schleichenden Deindustrialisierung. Die Energiekosten in Deutschland liegen deutlich über denen der USA oder Chinas. Bereits ein Viertel aller stillgelegten europäischen Chemiekapazitäten entfällt auf deutsche Standorte.

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Kündigungsschutz-Reform geplant

Neben den betrieblichen Einschnitten zeichnen sich auch gesetzliche Änderungen ab. Die Bundesregierung plant für 2027 eine Reform des Kündigungsschutzes. Betroffen sind Beschäftigte mit einem Monatsgehalt von über 15.000 Euro – für sie soll eine Trennung gegen Abfindung einfacher werden. Experten befürchten, dass dies die berufliche Aufwärtsentwicklung blockieren könnte.

Die Konsolidierungswelle erfasst auch andere Branchen. Die Warsteiner Gruppe verhandelt über die Zukunft ihrer Brauereien in Herford und Paderborn. Herford droht zum Sommerende die Schließung, für Paderborn sucht das Unternehmen einen Käufer. Mitte Juli gibt es eine weitere Verhandlungsrunde mit der Gewerkschaft NGG.

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