Sicherheit, Handwerk

Fehler, Schweigen, Stress – was wirklich hinter vielen ArbeitsunfĂ€llen steckt

20.01.2026 - 08:00:00

Wuppertal - Steigender Druck, enge Zeitfenster, fehlende Kommunikation. In vielen Unternehmen sind ArbeitsunfĂ€lle nicht das Ergebnis fehlender persönlicher SchutzausrĂŒstung oder unsicheren Maschinen. Die Ursachen liegen oft tiefer. Sie entstehen dort, wo Menschen Fehler verschweigen, weil sie Angst vor Ärger, Spott oder Nachteilen haben. Und sie entstehen dort, wo Organisationen durch widersprĂŒchliche Signale unbewusst ein System begĂŒnstigen, das Schweigen belohnt und offenes Reden bestraft.

Dabei zeigt sich immer wieder: Die meisten UnfĂ€lle passieren nicht, weil jemand unachtsam ist, sondern weil aus kleinen unbeachteten Risiken große Folgen werden. Echte PrĂ€vention beginnt deshalb mit einem offenen Umgang mit Fehlern. Und sie beginnt damit, zu verstehen, warum so viele kritische Situationen niemals ausgesprochen werden.

Die unterschÀtzte Dunkelziffer

GrundsĂ€tzlich lĂ€sst sich sagen: Viele ArbeitsunfĂ€lle könnten verhindert werden, wenn sie rechtzeitig angesprochen wĂŒrden. In vielen Unternehmen gibt es eine erstaunlich hohe Dunkelziffer. Besonders dort, wo körperlich gearbeitet wird, etwa im Handwerk, beim Bedienen von Maschinen und Anlagen sowie in der Logistik. Wenn sich Unternehmen seit zwei oder drei Jahren unfallfrei feiern lassen, ist das oft weniger ein Zeichen perfekter Sicherheit als ein Hinweis darauf, dass UnfĂ€lle gar nicht erst gemeldet werden. Die Frage lautet daher: Warum werden BagatellunfĂ€lle oder BeinaheunfĂ€lle so selten gemeldet?

Die Antwort liegt selten in GleichgĂŒltigkeit. Sie liegt in der Funktionsweise des menschlichen Gehirns, das eine soziale Bedrohung Ă€hnlich wahrnimmt wie körperliche Bedrohung. Wer einen Unfall meldet und anschließend von der FĂŒhrungskraft Ärger bekommt oder spöttisches Feedback hört, der lernt schnell, dass Schweigen sicherer ist als Reden. Wer sich einmal blamiert hat, weil er eine Situation angesprochen hat und dafĂŒr belĂ€chelt wurde, wird beim nĂ€chsten Mal schweigen.

Psychologische Sicherheit als Grundlage

Um Risiken offen ansprechen zu können, brauchen BeschĂ€ftigte ein angemessenes Maß an psychologischer Sicherheit. Der Begriff wird jedoch hĂ€ufig missverstanden. Es geht nicht darum, dass niemand mehr Klartext reden darf. Psychologische Sicherheit bedeutet vielmehr, dass Menschen wissen, worauf sie sich verlassen können. Wer einen Beinaheunfall meldet, muss beispielsweise beim SchichtfĂŒhrer A dieselbe Reaktion bekommen wie beim SchichtfĂŒhrer B. Er muss wissen, dass er bei allen FĂŒhrungskrĂ€ften auf ein offenen Gehör trifft, wenn Ereignisse angesprochen werden. Diese Vorhersehbarkeit schafft Vertrauen und verhindert, dass Mitarbeiter aus Angst vor willkĂŒrlichen Reaktionen lieber schweigen.

Besonders kritisch wird es, wenn FĂŒhrungskrĂ€fte selbst unter Druck stehen. In manchen Unternehmen mĂŒssen sie nach einem Unfall innerhalb weniger Stunden vor Vorstand oder GeschĂ€ftsfĂŒhrung erklĂ€ren, warum der Unfall passiert ist und welche Lösungen sie bereits entwickelt haben. Solche Druck ausĂŒbenden und wenig fairen Situationen fĂŒhren dazu, dass FĂŒhrungskrĂ€fte versuchen, negative Ereignisse möglichst zu vermeiden. Und diese Haltung wird an die Belegschaft weitergegeben. Die Folge: UnfĂ€lle werden nicht gemeldet, die Zahlen bleiben auf dem Papier schön und die Risiken wachsen im Verborgenen.

Wenn Schweigen belohnt wird

Es ist nicht allein die Angst vor Reaktionen. Oft belohnt das System selbst das Verschweigen. Wenn ein Unternehmen Rekorde feiert, weil es unfallfrei ist, dann wird die Person, die einen Unfall meldet, schnell als Störfaktor wahrgenommen. Hinzu kommen PrĂ€mienmodelle, die fast ausschließlich auf Produktionsmenge ausgerichtet sind. Wenn sicheres Arbeiten in solchen PrĂ€mien keinen Stellenwert besitzt, steht fĂŒr Mitarbeiter die Produktion im Vordergrund. Sicherheit wirkt wie eine Bremse. Steigt der Produktionsdruck, wird schnell unsicher gerarbeitet und die Wahrscheinlichkeit schwerer ArbeitsunfĂ€lle nimmt zu.

Sicherheit kann aber nur funktionieren, wenn sie im Leistungsprinzip verankert ist. PrĂ€mien sollten neben Produktionszielen auch Sicherheitsfaktoren enthalten. Zielvorgaben wie null UnfĂ€lle erzeugen dagegen das Gegenteil von PrĂ€vention. Sie fĂŒhren dazu, dass jede Meldung als Scheitern gilt. Am Ende gibt es weniger Meldungen und alle glauben, das Sicherheitsniveau sei hoch, obwohl niemand mehr die Wahrheit ausspricht.

Mehr Meldungen als SchlĂŒssel zur PrĂ€vention

Wirksamer Arbeitsschutz entsteht nur, wenn Unternehmen erreichen, dass unsichere Situationen angesprochen werden. Mitarbeiter und FĂŒhrungskrĂ€fte mĂŒssen das GefĂŒhl haben, dass Reden möglich ist und dass es nicht gefĂ€hrlicher ist als Schweigen.

Solange Meldungen als Angriff auf das System oder als persönliches Versagen gelten, helfen keine Poster, keine Unterweisungen und keine Trainings. Wenn die Unfallzahlen plötzlich steigen, ist das oft ein Zeichen dafĂŒr, dass die Fehlerkultur nicht funktioniert.

Was es braucht, ist eine klare Erwartungshaltung. Von Management an FĂŒhrungskrĂ€fte und von FĂŒhrungskrĂ€ften an Mitarbeiter. Wir sprechen unsichere Situationen an. Wir melden alle Arbeits- und BeinaheunfĂ€lle. Und wenn gemeldet wird, ist das ein positives Signal. Wer etwas anspricht, liefert wertvolles Feedback. FĂŒhrungskrĂ€fte mĂŒssen eher danken statt zu tadeln. Und FĂŒhrungskrĂ€fte mĂŒssen Mitarbeitern auch RĂŒckhalt geben, falls Kollegen sich querstellen.

Ein klarer Fahrplan statt Einzelmaßnahmen

Damit eine wirksame Sicherheitskultur entsteht, reicht es nicht, einzelne Maßnahmen durchzufĂŒhren. Kulturwandel braucht Zeit und Systematik. Es braucht eine Analyse, wo das Unternehmen heute steht.

Aus diesem VerstÀndnis heraus kann ein langfristiger Fahrplan entstehen. Ein Plan, der Sicherheit nicht als Pflichtprogramm betrachtet, sondern als Bestandteil der gesamten Unternehmenskultur. Nur wenn alle Ebenen eingebunden sind, kann Sicherheit nachhaltig verankert werden.

Kulturwandel braucht Jahre, nicht Wochen. Doch er lohnt sich. Denn dort, wo Fehler offen angesprochen werden, sinken nicht nur die Unfallzahlen. Es entsteht ein Umfeld, das Vertrauen schafft und die LeistungsfÀhigkeit stÀrkt.

Fazit: Reden schĂŒtzt Menschen

ArbeitsunfĂ€lle entstehen selten durch Unwissen. Sie entstehen, wenn das System Schweigen belohnt und Unsicherheiten im Verborgenen wachsen. Wer eine echte PrĂ€ventionskultur entwickeln will, muss psychologische Sicherheit schaffen und ein Umfeld gestalten, in dem BeschĂ€ftigte sich trauen, Fehler anzusprechen. Nur wenn Reden sicherer wird als Schweigen, können Unternehmen Risiken frĂŒh erkennen, daraus lernen und dauerhaft UnfĂ€lle vermeiden.

Über Stefan Ganzke und die WandelWerker Consulting GmbH:

Stefan Ganzke ist zusammen mit Anna Ganzke GrĂŒnder und GeschĂ€ftsfĂŒhrer der WandelWerker Consulting GmbH. Gemeinsam mit ihrem Team unterstĂŒtzen die beiden mittelstĂ€ndische Unternehmen und Konzerne dabei, die ArbeitsunfĂ€lle kontinuierlich und nachhaltig zu senken sowie eine gelebte Arbeitsschutzorganisation zu entwickeln. Weitere Informationen erhalten Sie unter: https://www.wandelwerker.com

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