ZF Friedrichshafen: Gericht verhandelt über Betriebsratschef-Absetzung
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 06:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der interne Konflikt bei ZF Friedrichshafen eskaliert. Die Christliche Gewerkschaft Metall (CGM) will den Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Achim Dietrich per Gerichtsbeschluss aus dem Amt entfernen. Am heutigen Freitag verhandelt das Arbeitsgericht Ravensburg über den Eilantrag.
Vorwurf der Blockade und des Machtmissbrauchs
Die CGM wirft Dietrich schwerwiegende Pflichtverletzungen vor. Konkret soll der Betriebsratschef das Gremium für die Interessen der IG Metall instrumentalisieren. Die Vorwürfe: Er blockiere systematisch notwendige Überstunden und habe den Abbruch einer Betriebsversammlung am 14. Juli gezielt inszeniert.
Bei dieser Veranstaltung war Personalvorständin Lea Corzilius von rund 5.000 Beschäftigten niedergebuht und am Reden gehindert worden. Die CGM-Geschäftsführerin Jastrob sieht in diesem Verhalten einen klaren Verstoß gegen die Amtspflichten.
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Dietrich und Betriebsratssprecher Flotow weisen die Anschuldigungen zurück. Sie sprechen von haltlosen und diffamierenden Vorwürfen. Ein berechtigter Grund für ein Amtsenthebungsverfahren liege nicht vor.
Der eigentliche Zündstoff: Die Zeppelin-Zulage
Hinter dem Machtkampf steckt ein handfester finanzieller Konflikt. Der Autozulieferer ZF mit die übertarifliche „Zeppelin-Zulage“ Mitte 2027 streichen. Die Sonderzahlung macht rund zehn Prozent des Bruttolohns aus – für das Unternehmen ein jährliches Volumen von 60 Millionen Euro.
Die Konzernführung begründet den Schritt mit dem nötigen Sparkurs in der Automobilkrise. Die Arbeitnehmerseite sieht einen drastischen Einschnitt in die Vergütung. Während die IG-Mehrheit im Betriebsrat auf öffentlichen Protest setzt, wirft die CGM der Führung vor, durch diese Konfrontation die Zusammenarbeit im Betrieb zu gefährden.
Ein Symptom der Branchenkrise
Der Streit bei ZF steht exemplarisch für die Notlage der Zuliefererindustrie. Große Hersteller wie Volkswagen planen massive Sparprogramme – nach Expertenschätzungen könnten weltweit bis zu 100.000 Stellen wegfallen. Branchenbeobachter warnen: Zulieferbetriebe sind in diesem Umfeld besonders gefährdet.
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Die Konfliktlinien zeigen sich auch anderswo. Die Albert Weber GmbH kündigte kürzlich die Schließung mehrerer Standorte an. Parallel plant der Deutsche Gewerkschaftsbund für den 26. September bundesweite Proteste gegen den drohenden Stellenabbau.
Bei ZF selbst laufen seit letztem Jahr Verhandlungen über die Zukunft einzelner Sparten – etwa der Division für elektrifizierte Antriebe. Konkrete Ergebnisse stehen noch aus. Stattdessen bestimmt nun der juristische Schlagabtausch um die Betriebsratsspitze die Agenda.
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