Zigaretten und Alkohol teurer? LĂ€nder melden Widerstand an
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 15:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS"Ich lehne die Steuererhöhungen, die geplant sind, ab", sagte Hessens MinisterprĂ€sident Boris Rhein (CDU) in der LĂ€nderkammer. Stattdessen fordern mehrere LĂ€nder mehr Entlastung an der Tankstelle und Spritpreise unter zwei Euro. Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig drĂ€ngte Kanzler Friedrich Merz, die LĂ€nder bei Reformen mitreden zu lassen. In einer Umfrage bezweifelten zwei von drei BĂŒrgern, dass Merz seinen Reformkurs durchziehen kann.
Anlass der Debatte im Bundesrat war die erste Befassung mit dem Bundeshaushalt 2027 mit Ausgaben von 555,4 Milliarden Euro. Allein im Kernhaushalt sollen dafĂŒr Schulden von 118,7 Milliarden Euro gemacht werden. Dazu kommen Sonderschulden fĂŒr Infrastruktur, KlimaneutralitĂ€t und Bundeswehr. Die Steuererhöhungen sollen helfen, Finanzlöcher zu stopfen. Geplant ist eine neue Plastikabgabe sowie höhere Tabak-, Alkohol- und Sektsteuern. Auch eine Zuckersteuer wird vorbereitet. Details aber sind offen.
Weinland Hessen rebelliert
MinisterprĂ€sident Rhein sagte, eine Steuererhöhung beim Schaumwein trĂ€fe Hessen als Weinland besonders schwer. Eine Zuckersteuer lehnte Rhein als "Belastung fĂŒr mittelstĂ€ndische GetrĂ€nkehersteller" ab. Mit Steuererhöhungen wĂŒrde die Preiskrise "eine ernsthafte Politikkrise", meinte der CDU-Politiker. Auch sein thĂŒringischer Kollege Mario Voigt (CDU) sagte der "Bild": "Ich halte nichts von Steuererhöhungen in diesen Zeiten." Im "Handelsblatt" prĂ€zisierte Voigt, vor allem Lebensmittel dĂŒrften nicht zusĂ€tzlich belastet werden.
Rhein hatte schon vergangene Woche einen Bogen von den geplanten Steuererhöhungen zum Tankrabatt geschlagen: "Was der Staat an der ZapfsĂ€ule zurĂŒckgibt, darf er sich nicht an anderer Stelle wiederholen", meinte Rhein. TatsĂ€chlich wollen mehrere LĂ€nder stĂ€rkere Entlastungen fĂŒr Autofahrer, auch wenn das teuer wĂŒrde.
"Sprit unter zwei Euro"
SPD-Politikerin Schwesig sagte, der neue Tankrabatt von 17 Cent je Liter sei wichtig fĂŒr die Menschen. "Aber es wird nicht reichen. Der Sprit muss nach meiner Auffassung wieder unter zwei Euro." Die Zwei-Euro-Marke nannte auch Voigt im Bundesrat: "Die Energiepolitik ist die soziale Frage in dieser Zeit."
Bremens BĂŒrgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) gab zu bedenken: "Wir können nicht bei jedem neuen Ălpreisschock wieder Milliarden aufwenden, um Benzin und Diesel zu verbilligen pauschal." Es brauche gezieltere Entlastungen. Bayerns MinisterprĂ€sident Markus Söder (CSU) fordert einen grundlegenden Ansatz fĂŒr dauerhaft niedrigere Energiepreise: "Wir mĂŒssen ĂŒber die CO2-Bepreisung und alle Preisregeln sprechen, die Energie in Deutschland staatlich teurer machen."
"Merz soll MinisterprÀsidenten einladen"
Mit Blick auf den Reformkurs der Regierung forderte Schwesig den Kanzler auf, die LĂ€nder einzubinden. "Ich erwarte, dass der Kanzler mit der Bundesregierung jetzt auch MinisterprĂ€sidenten einlĂ€dt und ĂŒber die Sozialreformen spricht", sagte die SPD-Politikerin in der ARD. Diese seien wichtig fĂŒr soziale StabilitĂ€t im Land. "Ich möchte nicht, dass die Arbeitskosten weiter steigen", sagte Schwesig. Sie plĂ€dierte dafĂŒr, nach Einsparmöglichkeiten im System zu schauen.
Auch CDU-Politiker Voigt will Mitsprache, in seinem Fall auf Parteiebene: "Wir als MinisterprĂ€sidenten werden klar formulieren, worauf sich die Union im Berliner Regierungshandeln konzentrieren muss." Voigt forderte "einen programmatischen Neuanfang". Das Konzept werde man dann als Union mit der SPD besprechen. Das CDU-PrĂ€sidium will am 11. Oktober in Berlin bei einer Klausurtagung beraten. Eine Serie von Wahlniederlagen setzt CDU-Chef Merz unter Druck, auch wenn die acht CDU-MinisterprĂ€sidenten ihm zunĂ€chst RĂŒckendeckung gegeben hatten.
Viele BĂŒrger skeptisch
Viele BĂŒrger haben wenig Zutrauen in Merz und seinen Reformkurs. Im ZDF-"Politbarometer" sagten. 67 Prozent der Befragten, sie erwarteten nicht, dass Merz die Fortsetzung seiner Reformen im GroĂen und Ganzen gelingen wird. Nur 28 Prozent erwarten eine erfolgreiche Umsetzung. 65 Prozent der Befragten erwarten ein vorzeitiges Ende von Merz' Kanzlerschaft. Nur 31 Prozent glauben an eine volle Amtszeit bis 2029. Seine Arbeit bewerteten nur 17 Prozent als eher gut, 79 Prozent als eher schlecht.
