Zollreform: Die Linke fordert ein Zentrum gegen SteuerkriminalitÀt
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Fraktion Die Linke drĂ€ngt im Zuge der anstehenden Zollreform auf deutlich strengere MaĂnahmen gegen organisierte Finanz- und SteuerkriminalitĂ€t. In einem Antrag fordert die Fraktion den Aufbau neuer Ermittlungsstrukturen beim Zoll, um komplexe Steuerhinterziehungsmodelle gezielter zu verfolgen.
EigenstÀndiges Zentrum gegen Umsatzsteuerkarusselle und Cum-Ex
Kern des Antrags mit der Drucksachennummer 21/8391 ist die Einrichtung eines Gemeinsamen Zentrums gegen Steuer- und FinanzkriminalitÀt. Dieses soll als eigenstÀndige Ermittlungseinheit innerhalb der Zollverwaltung agieren und mit eigenen ZustÀndigkeiten ausgestattet werden, um insbesondere gegen sogenannte Umsatzsteuerkarusselle sowie Dividendenmanipulationen wie Cum-Ex und Cum-Cum vorzugehen.
DarĂŒber hinaus verlangt die Fraktion die EinfĂŒhrung eines zentralen GeldwĂ€sche-Registers. Auch beim Umgang mit sichergestellten Vermögenswerten sieht der Antrag Ănderungen vor: Immobilien, die im Rahmen von Strafverfahren eingezogen werden, sollen kĂŒnftig an Kommunen sowie gemeinnĂŒtzige TrĂ€ger ĂŒbertragen werden.
Regierungsentwurf beziffert MilliardenschÀden
Der VorstoĂ fĂ€llt in die Debatte um den Entwurf des Zollfinanzgerechtigkeitsgesetzes. Die Bundesregierung beziffert darin den jĂ€hrlichen Schaden durch GeldwĂ€sche in Deutschland auf rund 100 Milliarden Euro. FrĂŒhere Cum-Ex-GeschĂ€fte haben die Bundesrepublik demnach bis zu 36 Milliarden Euro gekostet.
Da die Behörden den Fokus verstĂ€rkt auf komplexe Steuerhinterziehungsmodelle wie Umsatzsteuerkarusselle legen, rĂŒckt die korrekte Abwicklung fĂŒr Unternehmen immer mehr in das Visier der PrĂŒfer. Dieser kostenlose Ratgeber klĂ€rt auf, wann Sie wirklich umsatzsteuerpflichtig sind und wie Sie eine USt-SonderprĂŒfung sicher bestehen. Was viele Gewerbetreibende ĂŒber §19 Umsatzsteuergesetz nicht wissen
Als zentrales Instrument sieht der Regierungsentwurf eine administrative Vermögensermittlung und Vermögenssicherung vor, sofern die legale Herkunft von Werten nicht belegt werden kann. Bundesfinanzminister Klingbeil betonte diesbezĂŒglich, dass VerdĂ€chtigen teure LuxusgĂŒter wie hochwertige Fahrzeuge oder Armbanduhren kĂŒnftig zĂŒgig entzogen werden könnten.
Kritiker bemĂ€ngeln an diesem Instrument jedoch, dass es die eigentlichen Akteure hinter Modellen wie Cum-Ex und Cum-Cum nicht treffe, da Banken und hochgradig verschachtelte Unternehmensstrukturen damit kaum erfasst wĂŒrden.
Reformvorhaben im Finanzausschuss
Die Bundesregierung aus CDU und SPD unter Bundeskanzler Merz legte den Gesetzentwurf zur StĂ€rkung der Zollverwaltung am 9. Oktober 2026 im Bundestag vor, woraufhin das Vorhaben an den Finanzausschuss ĂŒberwiesen wurde. Ziel des Gesetzes ist die BekĂ€mpfung von FinanzkriminalitĂ€t, GeldwĂ€sche und Terrorismusfinanzierung. Es ist eingebettet in die sogenannte Initiative Zoll 2030, die dem Grundsatz folgt, konsequent den Finanzströmen nachzuspĂŒren.
Wer sich mit dem Thema Umsatzsteuer befasst, sollte die rechtlichen Fallstricke kennen, um teure Nachzahlungen bei BetriebsprĂŒfungen von vornherein zu vermeiden. Experten erklĂ€ren im kostenlosen E-Book, wie Sie Voranmeldungen fehlerfrei abgeben und die Kleinunternehmerregelung optimal nutzen. Kostenlosen Steuer-Ratgeber zur Umsatzsteuer jetzt herunterladen
Das Vorhaben geht auf den Koalitionsvertrag vom Mai 2025 zurĂŒck, in dem festgehalten wurde, dass die Finanzkontrolle Schwarzarbeit als eigenstĂ€ndige Organisationseinheit erhalten bleibt. Sie soll personell und haushĂ€lterisch gestĂ€rkt werden und erweiterte Befugnisse fĂŒr Ermittlungen erhalten. Als Grundlage dienen unter anderem Empfehlungen der Financial Action Task Force.
Diskussion ĂŒber die Selbstanzeige
Begleitet wird die Reformdebatte von Auseinandersetzungen ĂŒber das Steuerstrafrecht. Die Bundessteuerberaterkammer sprach sich am 2. Oktober 2026 in einer Stellungnahme gegen Ăberlegungen aus, die strafbefreiende Selbstanzeige im Rahmen des Aktionsplans gegen Steuer- und FinanzkriminalitĂ€t abzuschaffen.
Zur BegrĂŒndung fĂŒhrte die Kammer an, dass auch mittelstĂ€ndische Unternehmen sowie Privatpersonen trotz interner Kontrollmechanismen Fehler nicht gĂ€nzlich ausschlieĂen könnten; das Institut der Selbstanzeige fördere daher weiterhin die Steuerehrlichkeit.
Eine wirksame Selbstanzeige setzt eine vollstĂ€ndige Offenlegung vor Beginn einer AuĂenprĂŒfung oder Durchsuchung, die Nachzahlung der Steuern samt Zinsen sowie bei höheren BetrĂ€gen einen Strafzuschlag voraus. Der parlamentarische Prozess hierzu dauert an.

