Zuckersteuer: 450 Millionen Euro entzweien Bund und Kommunen
04.07.2026 - 01:48:17 | boerse-global.de
UrsprĂŒnglich sollten die 450 Millionen Euro jĂ€hrlich direkt den Krankenkassen zuflieĂen. Doch die StĂ€dte sehen das Geld lieber bei sich â und haben gute Argumente.
Warum die StÀdte das Geld brauchen
Die Kommunen stecken in der Krise. Bundesweit klafft ein Defizit von rund 30 Milliarden Euro. Besonders Nordrhein-Westfalen Ă€chzt unter der Last: Ăber 11 Milliarden Euro Miese im Vorjahr. StĂ€dte wie Mönchengladbach, Warendorf oder Monheim am Rhein verhĂ€ngten bereits Haushaltssperren. Die Gewerbesteuereinnahmen brechen weg.
HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Christian Schuchardt argumentiert: Zuckerhaltige Lebensmittel treiben Krankheiten wie Adipositas und Diabetes. Mit den 450 Millionen Euro könnten die StĂ€dte gezielt Beratung und Sportprogramme fĂŒr Jugendliche finanzieren. Die PrĂ€vention liegt in kommunaler Hand â also soll auch das Geld dorthin flieĂen.
So soll die Steuer funktionieren
Der Gesetzentwurf aus dem Finanzministerium sieht eine gestaffelte Abgabe vor:
- FĂŒnf bis acht Gramm Zucker pro 100 Milliliter: 26 Cent pro Liter
- Ăber acht Gramm Zucker pro 100 Milliliter: 32 Cent pro Liter
Das Bundeskabinett soll den Entwurf bereits in der kommenden Woche verabschieden.
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GetrÀnkeindustrie schlÀgt Alarm
Rund 300 Unternehmen der GetrĂ€nkebranche laufen Sturm. In einem offenen Brief bezeichnen sie die Steuer als reine Symbolpolitik. Die Firmen, darunter Vilsa Brunnen, warnen vor einseitigen Belastungen fĂŒr Verbraucher. Gleichzeitig arbeiten viele Hersteller lĂ€ngst an Rezepturen mit SĂŒĂstoffen â der Zuckergehalt sinkt ohnehin.
Teil eines groĂen Steuerpakets
Die Zuckersteuer ist nur ein PuzzlestĂŒck. Die schwarz-rote Koalition einigte sich Anfang Juli auf ein umfassendes Paket:
- Einkommensteuer: JĂ€hrliche Entlastung von 10 Milliarden Euro
- Grundfreibetrag: Steigt bis 2028 auf 12.900 Euro
- Kindergeld: Erhöhung auf 272 Euro
- Arbeitnehmerpauschbetrag: Steigt auf 1.430 Euro
Gegenfinanziert wird das unter anderem durch höhere Alkoholsteuern und eine verschÀrfte Reichensteuer: 45 Prozent ab 250.000 Euro, 47 Prozent ab 280.000 Euro.
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Der Bund der Steuerzahler hĂ€lt die Reform fĂŒr unzureichend. Die kommunalen SpitzenverbĂ€nde warnen: Die Entlastung der BĂŒrger dĂŒrfe nicht auf Kosten der StĂ€dte gehen. Der Streit um die 450 Millionen ist erst der Anfang.
