Super Star kehrt heim: Lufthansa zeigt historische Flugzeuge
14.08.2025 - 13:31:23Noch fehlen die FlĂŒgel, doch die Lockheed Super Star zieht auf der Baustelle am Frankfurter Flughafen bereits alle Blicke auf sich. Im Vergleich zu den heutigen Flugzeug-Jumbos wirkt der im historischen Lufthansa-Kleid neu lackierte Flugzeugrumpf erstaunlich zierlich. Zusammen mit einer historischen Junkers Ju 52 soll das viermotorige Propeller-Flugzeug aus den 1950er Jahren zum Publikumsmagneten des neuen Besucher- und Konferenzzentrums direkt neben der Lufthansa-Zentrale werden.
Die Super Star aus der Constellation-Baureihe symbolisiert den Höhepunkt der propellergetriebenen Passagierflugzeuge und gleichzeitig die fliegerische Aufbruchstimmung Ende der 1950er Jahre, sagt Projektleiter Wolfgang von Richthofen. Denn so schön und elegant, wie sie mit ihren vier 16-Zylinder-Motoren und dem mĂ€chtigen dreiflossigen Leitwerk auf viele Zeitgenossen auch wirkte: Vergleichsweise schnell wurde die nur in 44 Exemplaren gebaute Super Star durch die aufkommenden DĂŒsenjets wie der Boeing 707 verdrĂ€ngt.Â
Ohne Stopp ĂŒber den Atlantik
Auch bei der nach dem Weltkrieg gerade wieder neu gegrĂŒndeten Lufthansa spielte sie nur eine Zwischenrolle. Die Gesellschaft setzte von 1958 bis 1960 vier Super Stars als Passagierflugzeuge fĂŒr bis zu 99 GĂ€ste ein. Bis zur AuĂerdienststellung im November 1965 flogen die viermotorigen Maschinen noch als Frachter. Im Linienverkehr verkehrten sie meist auf der Strecke Hamburg-Frankfurt-New York ohne Zwischenstopp ĂŒber den Atlantik. Bis zu 17 Stunden dauerten diese FlĂŒge.
Die FlĂŒgel der Super Star werden bereits in der kommenden Woche erwartet. Noch Ă€lter, nĂ€mlich aus dem Jahr 1936, ist die Junkers Ju 52, die bis vor wenigen Jahren noch auf RundflĂŒgen beispielsweise in Frankfurt oder zum Hamburger Hafenfest unterwegs war. Die in Lippstadt-Paderborn restaurierte «Tante Ju» mit der historischen Kennung D-AQUI soll noch im September nach Frankfurt gebracht werden.Â
Dass beide Flugzeuge per Schwertransport anrollen mĂŒssen, liegt daran, dass sie nicht mehr fĂŒr den Luftverkehr zugelassen sind. Bei der Super Star hat die Lufthansa Technik ambitionierte PlĂ€ne aufgegeben, Nostalgie-FlĂŒge fĂŒr Passagiere anzubieten.Â
Vorstand stoppte Sanierung aus KostengrĂŒnden
Die Ausstellungsmaschine ist anders als die Junkers streng genommen nie fĂŒr Lufthansa geflogen. Zehn Jahre lang hatten Techniker der Lufthansa-Berlin-Stiftung in Auburn im US-Staat Maine versucht, aus drei Oldtimern des Typs eine flugfĂ€hige Maschine zusammenzubauen. Als GrundgerĂŒst diente ein Flugzeug der US-Gesellschaft TWA, das deutlich weniger Rost angesetzt hatte als die ebenfalls aufgekaufte Lufthansa-Maschine mit der Kennung D-ALAN.Â
Die technische Restaurierung selbst sowie die notwendige technische Zertifizierung durch die Aufsichtsbehörden stellten sich als zu komplex heraus. Der Vorstand stoppte die Vollsanierung schlieĂlich 2018 aus KostengrĂŒnden, auch wenn die vielen Millionen gröĂtenteils von Sponsoren bezahlt worden sein sollen.Â
Die Teile wurden schlieĂlich nach Hamburg zur Lufthansa Technik verschifft und dort in den heutigen musealen Zustand gebracht. Da die Arbeiten bereits weit fortgeschritten waren, glĂ€nzt das in MĂŒnster neu lackierte Flugzeug mit authentischen Details in Cockpit und Kabine. Zu den Kosten fĂŒr das Zentrum und die Restaurierung der beiden Flugzeuge macht das Unternehmen bislang keine Angaben.Â
Das Besucher- und Konferenzzentrum soll im April eröffnet werden und öffentlich zugĂ€nglich sein. «Das Zentrum soll ein besonderer Ort werden», sagt der Projektleiter aus der Fliegerfamilie Richthofen und hat dabei Mitarbeiter, Luftfahrt-Enthusiasten und Passagiere im Blick. Neben faszinierender Technik und Luftfahrt-Pioniergeist stellt sich der Konzern dort auch der eigenen, nicht immer glorreichen Geschichte.Â
Problematische Rolle im NationalsozialismusÂ
Mit dem JubilĂ€um im kommenden FrĂŒhjahr bezieht sich Lufthansa explizit auf die problematische VorgĂ€ngerin Deutsche Luft Hansa Aktiengesellschaft, die 1926 auf DrĂ€ngen der deutschen Reichsregierung gegrĂŒndet wurde. Laut Forschungen war das Unternehmen eng in die illegale AufrĂŒstung des Deutschen Reiches eingebunden und spĂ€ter wichtiger Teil des nationalsozialistischen Kriegsapparats. Tausende Zwangsarbeiter mussten unter ausbeuterischen Bedingungen fĂŒr die erste Hansa arbeiten.
Auftrag fĂŒr neue Firmengeschichte
Erst im April 1955 und damit fast zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs durften erste LinienflĂŒge der neu gegrĂŒndeten Deutschen Lufthansa AG abheben. ZunĂ€chst hatten die Alliierten den Deutschen jeden Luftverkehr untersagt.
Juristisch hat der heutige Konzern nichts mit der in der Weimarer Republik gegrĂŒndeten VorgĂ€ngerin zu tun, sicherte sich aber nach dem Weltkrieg die Markenrechte an Namen, Farbgebung und Kranich-Symbol. 1999 trat der Konzern dem EntschĂ€digungsfonds fĂŒr Zwangsarbeiter und andere NS-Opfer bei. Eine neue Firmengeschichte soll im MĂ€rz 2026 erscheinen. Das Unternehmen hat dazu die Historiker Hartmut Berghoff, Manfred Grieger und Jörg Lesczenski beauftragt.











