Ryanair streicht zwölf Verbindungen am BER zum Winterflugplan
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 00:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFolgen für Ziele und Passagierzahlen
- Ryanair nimmt zum Start des Winterflugplans zwölf Verbindungen am BER aus dem Programm.
- Palermo, Marseille, Triest, Reggio Calabria, Tallinn und Pisa sind künftig nicht mehr direkt erreichbar.
- Die FBB erwartet für 2027 nur noch 25 bis 25,2 Millionen Passagiere statt bis zu 27 Millionen.
Ryanair reduziert BER-Angebot zum Winterflugplan
Ryanair streicht zum Start des Winterflugplans an diesem Sonntag zwölf Verbindungen am Hauptstadtflughafen BER. Für sechs Ziele gibt es künftig keine Direktverbindung mehr, während andere Fluggesellschaften sechs weitere Strecken übernehmen.
Sechs Ziele fallen am BER weg
Nach Angaben der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg betrifft der Wegfall Palermo, Marseille, Triest, Reggio Calabria, Tallinn und Pisa. Diese Städte sind vom BER aus künftig nicht mehr direkt erreichbar.
Gran Canaria wird künftig von Easyjet, Eurowings und Sundair bedient. Für Fuerteventura sind Easyjet und Eurowings vorgesehen, Bologna übernimmt Eurowings, Lanzarote Easyjet und Eurowings, Thessaloniki Easyjet und Aegean sowie Vilnius Wizz Air.
Ryanair halbiert Angebot in Berlin
Ryanair fliegt Berlin weiterhin an, reduziert das bisherige Angebot nach Unternehmens- und Flughafenangaben aber um rund die Hälfte. Die Fluggesellschaft kritisiert seit Jahren die hohen Standortgebühren in Deutschland und insbesondere am BER.
BER rechnet mit weniger Passagieren
Für die Flughafengesellschaft ist der Rückzug finanziell problematisch. Flughafenchefin Aletta von Massenbach erwartet für 2026 rund 25,7 Millionen Passagiere nach 26,1 Millionen im Vorjahr.
Für 2027 rechnet die FBB mit 25 bis 25,2 Millionen Fluggästen. Ursprünglich hatte der BER bis zu 27 Millionen Passagiere erwartet.
Ryanair kürzt bundesweit
Die Einschnitte betreffen auch andere deutsche Flughäfen. Ryanair will bundesweit rund 700.000 Sitzplätze weniger anbieten als im Vorjahr, ein Rückgang um 10 Prozent im Vergleich zum Winter 2025/26.
Bremen soll vollständig aus dem Ryanair-Programm fallen. In Hamburg sind Kürzungen von rund 5 Prozent vorgesehen, während die Airline ihr Angebot in Memmingen und Köln ausbaut. Neu im Winterflugplan sind Saarbrücken und Friedrichshafen.
Andere Airlines bauen BER-Angebot aus
Nach Angaben der BER-Betreiber sind trotz der Ryanair-Kürzungen ab Sonntag acht Ziele mehr erreichbar als im vergangenen Winter. Eurowings stationiert zwei zusätzliche Flugzeuge und erhöht seine Flotte am BER auf elf Maschinen.
Auch Wizz Air erweitert sein Angebot in Schönefeld. Dadurch werden die Ryanair-Ausfälle teilweise aufgefangen, die sechs entfallenden Direktverbindungen bleiben jedoch bestehen.
Die Kürzung am BER steht im Zusammenhang mit einem länger anhaltenden Konflikt über die Kosten des Luftverkehrs in Deutschland. Ryanair führt hohe Flughafenentgelte, Luftverkehrsteuer und Sicherheitsgebühren als Gründe für den Rückzug an. Am Berliner Standort schließt die Airline zugleich ihre Basis; dadurch werden Flugzeuge und Beschäftigte verlagert.
Für den BER verschärft der Schritt ein strukturelles Problem: Der Flughafen muss hohe Investitions- und Betriebskosten über Entgelte und wachsende Passagierzahlen finanzieren. Sinkende oder stagnierende Nachfrage erschwert diese Rechnung. Die im Winter wegfallenden Ryanair-Flüge treffen den Standort deshalb nicht nur bei einzelnen Reisezielen, sondern auch bei der Auslastung und den Einnahmen.
Weniger Ryanair, mehr Konkurrenz
Andere Fluggesellschaften bauen ihr Angebot am BER zwar aus. Das kann einen Teil der Kapazität ersetzen, verändert aber nicht automatisch die Streckenstruktur: Neue Verbindungen führen zu anderen Zielen und können die weggefallenen Direktflüge nicht vollständig kompensieren. Für Reisende bedeutet das je nach Ziel weniger Auswahl, andere Abflugzeiten oder Umstiege.
Die Debatte reicht über Berlin hinaus. Ryanair reduziert sein Deutschland-Angebot insgesamt, während einzelne Flughäfen zusätzliche Kapazitäten gewinnen. Damit verschärft sich der Wettbewerb zwischen deutschen Airports um Airlines und Passagiere. Für den BER wird entscheidend sein, ob der Ausbau anderer Anbieter dauerhaft trägt und ob der Flughafen seine Kostenstruktur so verändern kann, dass weitere Kürzungen ausbleiben.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Nicht nur wegen Ryanair-Abzug: Der BER bleibt ein Sorgenflughafen“ (23.10.2026)
Der Beitrag habe den Rückzug als Teil eines grundsätzlichen Kostenkonflikts eingeordnet und auf die Schließung der Ryanair-Basis am BER verwiesen. Anders als die dpa-Meldung richte er den Schwerpunkt stärker auf die wirtschaftlichen Probleme des Flughafens und die langfristigen Folgen sinkender Kapazitäten.
n-tv: „Pilotengewerkschaft wirft Ryanair gezielte Zerstörung vor“ (23.10.2026)
Der Artikel habe die Kritik der Vereinigung Cockpit an der Schließung der Berliner Basis aufgegriffen. Im Mittelpunkt stehe damit neben den Flugstreichungen ein arbeitsrechtlicher Konflikt, während Ryanair die Vorwürfe zurückgewiesen und erneut auf die Standortkosten verwiesen habe.
Beide Beiträge hätten den Rückzug und die Kostenargumentation als zentrale Punkte bestätigt. Unterschiede gebe es beim Schwerpunkt: Während tagesschau.de die wirtschaftliche Lage des BER betone, stelle n-tv die Auseinandersetzung mit den Gewerkschaften heraus.
