ROUNDUP, Trumps

Wie geht es nach Trumps Punktsieg mit den Zöllen weiter?

30.05.2025 - 06:35:05

ZunĂ€chst verurteilt das Weiße Haus scharf den angeblichen "Machtmissbrauch" durch US-Richter, dann ist bei einem Erfolg vor der ĂŒbergeordneten Instanz schnell von einem "großen Sieg" fĂŒr US-PrĂ€sident Donald Trump die Rede.

Im Rechtsstreit um die von dem Republikaner angeordneten Zölle hat die Regierung einen Punktsieg erzielt. Eine finale Entscheidung in Sache steht aber noch aus, der Streit dĂŒrfte noch weitere Richter beschĂ€ftigen.

Was ist passiert?

Am Mittwoch hatte ein Gericht fĂŒr internationalen Handel in New York fast alle von Trump unter Berufung auf ein Notstandsgesetz angeordneten Zölle fĂŒr rechtswidrig erklĂ€rt. Die zusĂ€tzlichen Abgaben auf Importe wĂŒrden "aufgehoben und ihre Anwendung dauerhaft untersagt", ordnete das Gericht an. Die Entscheidung war ein großer RĂŒckschlag fĂŒr Trumps aggressive Handelspolitik - hatte aber nicht mal 24 Stunden Bestand.

Die Regierung wandte sich umgehend an die nĂ€chsthöhere Instanz. Das zustĂ€ndige Berufungsgericht in Washington hob die Anordnung der New Yorker Richter am Donnerstag wieder auf - vorerst. Das Berufungsgericht will den Fall nun prĂŒfen und forderte alle Parteien auf, im Juni weitere Stellungnahmen einzureichen.

Was sagt die Regierung?

"Das ist ein großer Sieg fĂŒr den PrĂ€sidenten", sagte Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett dem US-Sender Fox News. Hassett betonte, der Fall sei juristisch "hieb- und stichfest". Finanzminister Scott Bessent sagte dem Sender: "Der PrĂ€sident hat absolut das Recht, die Handelspolitik fĂŒr die USA festzulegen."

Wie geht es bei dem Rechtsstreit jetzt weiter?

Das Berufungsgericht hat noch nicht in der Sache entschieden. Die Regierung könnte den Fall dort gewinnen, könnte aber auch genauso unterliegen wie in der ersten Instanz. Letztlich könnte der Fall vor dem Obersten US-Gericht - dem Supreme Court - landen. Davon spricht auch Trump bereits. Der PrÀsident hat die Mehrheit der neun Richterinnen und Richter wÀhrend seiner ersten Amtszeit aufgrund mehrerer Nachbesetzungen weit nach rechts verschoben. Aber selbst die konservativen Richter entscheiden in der Sache lÀngst nicht immer in seinem Sinne.

Zudem ist es auch nicht der einzige laufende Rechtsstreit um Trumps Zölle. Bei einem Bezirksgericht, ebenfalls in der Hauptstadt Washington, unterlag die Regierung am Donnerstag. Auch diese Entscheidung dĂŒrfte in die nĂ€chste Instanz gehen.

Welche Alternativen hat der US-PrÀsident?

Trump könnte Einfuhrabgaben mit anderer gesetzlicher Grundlage anordnen. Trumps Sprecherin deutete an, dass dies eine Option sei. Sollte er dies tun, wÀre es aber wahrscheinlich, dass dagegen wieder geklagt wird. Auch der Kongress könnte eingeschaltet werden - doch sich dort eine Mehrheit zu sichern, ist langwieriger und komplexer.

Was hat es eigentlich mit den Zöllen auf sich?

Trump ist ein großer Fan von Zöllen, das war auch schon in seiner ersten Amtszeit so. Er kann sie - der juristischen Lesart des Weißen Hauses zufolge - schlicht per Unterschrift anordnen. Gibt es zu viel Gegenwind, revidiert oder verschiebt er seine angedrohten Zölle bisweilen auch wieder, gerne schlicht ĂŒber eine AnkĂŒndigung auf seiner Plattform Truth Social.

Die Zölle sind fĂŒr ihn teils wohl nur eine Verhandlungstaktik, um einen möglichst guten "Deal" auszuhandeln, also ZugestĂ€ndnisse der Handelspartner zu erreichen.

Was heißt das Deutschland und andere Handelspartner?

Die Unsicherheit fĂŒr Handelspartner, Verbraucher und MĂ€rkte dĂŒrfte absehbar bestehen bleiben: Trumps Zölle könnten vor Gericht Bestand haben, oder er könnte aufgrund einer anderen Rechtsgrundlage neue Abgaben auf Import ankĂŒndigen. Unternehmen schĂ€tzen Planungssicherheit - das Hin und Her bei den Zöllen ist fĂŒr Exporteure eher Gift.

Viele von Trump mit neuen Zöllen bedachte Handelspartner, darunter die EuropĂ€ische Union, verhandeln bereits mit den USA, um durch neue Handelsabkommen Zölle zu vermeiden. Im Fall der EU hat Trump zuletzt angedrohte zusĂ€tzlich Zölle in Höhe von 50 Prozent des Warenwerts der Importe bis Anfang Juli ausgesetzt, um mehr Zeit fĂŒr Verhandlungen zu lassen.

Welche Zölle wurden aus- und nun wieder eingesetzt?

Die vom New Yorker Gericht zunĂ€chst untersagten Zölle umfassen jene Strafabgaben auf Importe, die der Republikaner an dem von ihm so bezeichneten "Tag der Befreiung" Anfang April verhĂ€ngt hatte. Er ordnete damals sogenannte wechselseitige Zölle an, die er mit dem Handelsdefizit des jeweiligen Handelspartners begrĂŒndete - setzte diese aber wegen der Talfahrt an den FinanzmĂ€rkten dann vorlĂ€ufig wieder aus.

Gleichzeitig verhÀngte er universelle Zölle in Höhe von 10 Prozent, die Waren aus fast aller Welt betreffen. Ebenfalls betroffen sind bestimmte Zölle auf Waren aus Kanada, Mexiko und China.

Nicht betroffen sind dagegen Zölle, die die Regierung unter Berufung auf einen anderen gesetzlichen Rahmen erlassen hat. Dazu zÀhlen Trumps Zölle auf bestimmte Produkte wie Stahl, Aluminium und Autos sowie Abgaben auf Produkte wie Arzneimittel und Halbleiter, die die US-Regierung angedroht hat. Dabei beruft sich Trump auf die nationale Sicherheit.

Wie reagierte die Regierung?

Trump bezeichnete die Entscheidung der ersten Instanz als "so falsch und so politisch". Auf Truth Social schrieb er: "Hoffentlich wird der Supreme Court diese schreckliche, das Land bedrohende Entscheidung SCHNELL und ENTSCHLOSSEN rĂŒckgĂ€ngig machen." Der PrĂ€sident mĂŒsse die Macht haben, Zölle zu verhĂ€ngen, betonte er.

Seine Sprecherin Karoline Leavitt hatte zuvor erklĂ€rt, die Richter hĂ€tten "schamlos ihre richterliche Macht missbraucht, um die Entscheidungsgewalt von PrĂ€sident Trump an sich zu reißen".

@ dpa.de