Attentat auf Trump vereitelt?
16.09.2024 - 06:15:15Die Bundespolizei FBI geht davon aus, dass ein mit einem Sturmgewehr bewaffneter Mann Trump beim Golfspielen in seinem Club in West Palm Beach im US-Bundesstaat Florida attackieren wollte. Trump blieb unverletzt, der VerdÀchtige wurde festgenommen. Sollte sich der Anschlagsverdacht bestÀtigen, wÀre dies eine weitere Eskalation im ohnehin schon aufgeheizten Wahlkampf vor der PrÀsidentenwahl am 5. November.
Secret Service entdeckt bewaffneten Mann in BĂŒschen
Der Zwischenfall ereignete sich am frĂŒhen Sonntagnachmittag (Ortszeit). Der Secret Service, der in den USA fĂŒr den Schutz hochrangiger Politiker zustĂ€ndig ist, entdeckte den VerdĂ€chtigen nach eigenen Angaben wenige hundert Meter von Trump entfernt in den BĂŒschen am Zaun um den Golfplatz und eröffnete das Feuer. Der VerdĂ€chtige soll danach in einem Auto geflĂŒchtet sein und das Gewehr und eine Kamera zurĂŒckgelassen haben. Kurze Zeit spĂ€ter wurde er auf einer Autobahn in der NĂ€he des Tatorts festgenommen. Das Motiv des Mannes war unklar. Die Polizei gab an, dass fĂŒr Anwohnerinnen und Anwohner keine Gefahr bestehe.
Erst im Juli hatte es einen schwerwiegenden Anschlag gegeben, als ein SchĂŒtze in Butler im US-Bundesstaat Pennsylvania wĂ€hrend einer Wahlkampfveranstaltung das Feuer auf Trump eröffnete. Der 78-JĂ€hrige wurde am Ohr verletzt, ein Besucher kam ums Leben. SicherheitskrĂ€fte töteten den SchĂŒtzen, dessen Motiv bis heute nicht klar ist.
Der Vorfall markiert eine ZĂ€sur im Wahlkampf. Politikerinnen und Politiker verurteilten ĂŒber Parteigrenzen hinweg politische Gewalt. Trump hielt sich danach zunĂ€chst ungewöhnlich zurĂŒck, verfiel aber nur wenige Tage spĂ€ter auf dem Parteitag der Republikaner wieder in seine ĂŒbliche aggressive Rhetorik. Nach dem Attentat in Butler nahm die Chefin des Secret Service ihren Hut, die Sicherheitsvorkehrungen bei Wahlkampfveranstaltungen Trumps wurden verschĂ€rft.
Harris: Gewalt hat keinen Platz in Amerika
Der Republikaner will nach der Wahl im November wieder ins WeiĂe Haus einziehen, er tritt gegen die Demokratin Kamala Harris an. Seine Kontrahentin, seit 2021 VizeprĂ€sidentin der USA, schrieb nach dem Vorfall in Florida: "Gewalt hat keinen Platz in Amerika." Erst vergangene Woche hatten sich Harris und Trump in einem TV-Duell einen heftigen Schlagabtausch geliefert, bei dem die Demokratin den Republikaner immer wieder in die Enge trieb.
Politisch motivierte Aggression und Gewalt im Wahlkampf stellt das Land auf die Probe. Nach dem Attentat im Juli machte Trumps Vizekandidat J.D. Vance trotz des ungeklĂ€rten Motivs schnell US-PrĂ€sident Joe Biden fĂŒr das Attentat verantwortlich. Trump nutzte die Attacke damals zum Einwerben von Spenden, sein Wahlkampfteam verkaufte T-Shirts mit einem ikonischen Foto des Vorfalls, auf dem Trump mit Blut am Gesicht die Faust in die Höhe reckt.
Trump: Ich werde fĂŒr euch kĂ€mpfen
Auch jetzt dauerte es wieder nicht lange, bis Trump Nachrichten mit Spendenaufrufen verschickte. "Es gibt Menschen auf dieser Welt, die alles Notwendige tun, um uns zu stoppen", hieĂ es in einer dieser Nachrichten. "Ich werde nicht aufgeben, fĂŒr euch zu kĂ€mpfen. Ich werde niemals aufgeben."
Die glĂŒhende Trump-AnhĂ€ngerin Marjorie Taylor Greene schrieb auf der Plattform X: "Liebe Demokraten und eure Aktivisten in den Medien, gelten zwei versuchte Attentate auf Donald Trump schon als "Bedrohung der Demokratie"?"
Die Demokraten warnen regelmĂ€Ăig davor, dass Trump eine Bedrohung fĂŒr die Demokratie darstelle. Die ĂuĂerungen deuten eher auf fortwĂ€hrende Schuldzuweisungen und scharfe Rhetorik hin - und nicht auf eine Sprache der MĂ€Ăigung angesichts politischer Gewalt.
Immer wieder politische Gewalt in den USA
Der Vorfall wirft auch Fragen zur Sicherheit der PrĂ€sidentschaftskandidaten auf. Dem VerdĂ€chtigen scheint es immerhin gelungen zu sein, mit einer schweren Waffe bis auf wenige hundert Meter an Trump heranzukommen. Der zustĂ€ndige Sheriff sagte, dass Trump weniger Schutz genieĂe als ein amtierender PrĂ€sident. "Er ist nicht der amtierende PrĂ€sident - wenn er es wĂ€re, hĂ€tten wir den gesamten Golfplatz umstellt", sagte er.
Floridas republikanischer Gouverneur Ron DeSantis, der Trump im Wahlkampf unterstĂŒtzt, kĂŒndigte eigene Ermittlungen des Bundesstaats an, um "die Wahrheit" ĂŒber den Vorfall ans Licht zu bringen.
Gewalt gegen hochrangige Politiker hat es in den USA immer wieder gegeben - auch PrĂ€sidenten wurden mehrmals zur Zielscheibe. 1865 wurde US-PrĂ€sident Abraham Lincoln in der Loge eines Theaters in der Hauptstadt Washington erschossen, wĂ€hrend er eine Komödie verfolgte. US-PrĂ€sident John F. Kennedy wurde bei einem Attentat am 22. November 1963 in Dallas im Bundesstaat Texas erschossen. Als PrĂ€sident Ronald Reagan 1981 in Washington angeschossen wurde, warf sich ein LeibwĂ€chter schĂŒtzend ĂŒber ihn.

