Pensionssäule, Zugang

Zweite Pensionssäule: Österreich plant ab 2028 Zugang für alle Beschäftigten

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die geplante Reform soll ab 2028 mehr Beschäftigten den Zugang zu Pensionskassen ermöglichen und Wahlfreiheit zwischen Garantie und Renditechancen schaffen.

Österreich plant neue Wahlmöglichkeiten bei der betrieblichen Altersvorsorge
Ein minimalistischer, leerer Konferenzraum mit modernem Mobiliar und natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Der österreichische Nationalrat berät derzeit über eine grundlegende Reform der zweiten Pensionssäule, die ab dem Jahr 2028 potenziell allen Beschäftigten den Zugang zu Pensionskassen eröffnen soll. Wie aus Berichten vom 23. September 2026 hervorgeht, zielt die Initiative darauf ab, die betriebliche Altersvorsorge flexibler zu gestalten und die Kapitalmarktorientierung zu stärken.

Wahlfreiheit zwischen Garantie und Renditechancen

Im Zentrum der Reformbestrebungen steht eine neue Wahlmöglichkeit für Arbeitnehmer innerhalb der betrieblichen Vorsorge. Beschäftigte sollen künftig entscheiden können, ob sie beim Modell der „Abfertigung neu“ mit einer Kapitalgarantie verbleiben oder eine risikoreichere Anlageoption wählen. Diese neue Variante verzichtet auf eine Garantie und schließt eine vorzeitige Auszahlung bei Beendigung eines Beschäftigungsverhältnisses aus, bietet dafür jedoch höhere Renditechancen durch eine chancenorientierte Veranlagung.

Ein weiterer Eckpunkt der Pläne sieht vor, dass Abfertigungsanwartschaften kostenfrei in eine Pensionskasse übertragen werden können. Mit diesem Schritt entfällt allerdings die Möglichkeit der freien Verfügung über das Kapital zum Zeitpunkt des Pensionsantritts.

Ziel dieser Regelung ist es laut Expertenberichten, die Mittel längerfristig im Vorsorgesystem zu binden. Derzeit belaufen sich die jährlichen Auszahlungen der Vorsorgekassen auf rund 1,1 Milliarden Euro, was etwa 5 Prozent des gesamten Vorsorgekassenvermögens entspricht.

Kritik der Opposition und statistische Ausgangslage

Die politischen Reaktionen auf das Vorhaben fallen geteilt aus. Der FPÖ-Abgeordnete Peter Wurm kritisierte die geplante Ausgestaltung der zweiten Säule. Er gab zu bedenken, dass eine weltweit orientierte Aktienanlage erhebliche Verluste mit sich bringen könne.

Die FPÖ fordert stattdessen eine stärkere Ausrichtung der Investitionen auf europäische Börsenplätze und lehnt die aktuelle Regelung ab. Ergänzend dazu fordert der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ), die Hürden für Frauen zu senken und bereits 30 Versicherungsjahre für einen Anspruch genügen zu lassen.

Aktuelle Zahlen der Finanzmarktaufsicht (FMA) unterstreichen die Dimension der betrieblichen Vorsorge in Österreich. Per 30. Juni 2026 stieg das von den Pensionskassen verwaltete Vermögen um 5,9 Prozent auf 31,9 Milliarden Euro.

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Die Betrieblichen Vorsorgekassen verzeichneten einen Zuwachs von 5,7 Prozent auf 25,2 Milliarden Euro. Insgesamt werden in den Vorsorgekassen 11,53 Millionen Anwartschaften geführt, für die Arbeitgeber monatlich 1,53 Prozent des Bruttogehalts einzahlen.

Entwicklungen und Forderungen im deutschen Markt

Auch in Deutschland steht die betriebliche Altersversorgung (bAV) im Fokus. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) forderte in Berlin eine Fortsetzung der Altersvorsorgereform und plädiert für ein standardisiertes Basisprodukt sowie eine zentrale Administrationsplattform für kleinere Unternehmen.

Hintergrund ist die ungleiche Verteilung der bAV: Während in Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten die Verbreitung bei 86 Prozent liegt, verfügt in Betrieben mit weniger als 10 Mitarbeitern nur etwa jeder Vierte über eine entsprechende Anwartschaft. Insgesamt haben in Deutschland 18,1 Millionen Beschäftigte eine Zusage für eine Betriebsrente.

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Parallel dazu präzisierte das Bundesfinanzministerium (BMF) mit einem Schreiben vom 17. September 2026 die steuerlichen Rahmenbedingungen. Demnach können Rückstellungen nun auch für beitragsorientierte Leistungszusagen ohne garantierte Mindestleistung gebildet werden. Für die geplanten neuen Altersvorsorgedepots in Deutschland, die ab Januar 2027 starten sollen, haben erste Anbieter bereits Konditionen genannt.

Scalable veranschlagt Kosten von 0,15 Prozent, während eine Quirin-Tochter und die Deka Gebühren von unter 0,1 Prozent beziehungsweise exakt 0,1 Prozent in Aussicht gestellt haben. Das staatliche Depotangebot ist aufgrund einer fehlenden Verordnung hingegen noch ungewiss.

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