Zytostatika-Ausschreibungen: Nicht zweimal denselben Fehler machen!
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 14:30 Uhr | presseportal, AD HOC NEWSAusschreibungen auf Apothekenebene betreffen dabei nicht nur die herstellenden Apotheken. Sie greifen tief in die vorgelagerte industrielle Lieferkette ein. Hersteller der eingesetzten Arzneimittel geraten unter zusĂ€tzlichen Preis- und Konditionendruck, wĂ€hrend zugleich Anforderungen an Produktion, SicherheitsbestĂ€nde, QualitĂ€tssicherung und kurzfristige LieferfĂ€higkeit unverĂ€ndert hoch bleiben. "Wer Versorgungssicherheit will, muss die gesamte Lieferkette stabil halten - von der Arzneimittelproduktion ĂŒber die Logistik bis zur patientenindividuellen Zubereitung in der Apotheke", betont Dr. Joachimsen. "Preisdruck und exklusive Vertragsstrukturen schaffen keine zusĂ€tzlichen ProduktionskapazitĂ€ten und keine Reserven fĂŒr den Krisenfall."
Der BPI fordert deshalb, das seit 2017 aufgrund von Versorgungsproblemen beschlossene Verbot apothekenbezogener Ausschreibungen fĂŒr Zytostatika uneingeschrĂ€nkt beizubehalten: "Die Politik darf nicht denselben Fehler zweimal machen! Deutschland braucht in der Onkologie keine neuen AusschreibungszwĂ€nge, sondern robuste, dezentrale und leistungsfĂ€hige Versorgungsstrukturen. Die Versorgung von Krebspatientinnen und Krebspatienten muss Vorrang vor kurzfristigen Einsparzielen haben."
Die insbesondere von der FinanzKommission Gesundheit vorgeschlagene RĂŒckkehr zu Ausschreibungen birgt selbst nach deren EinschĂ€tzung das Risiko einer Konzentration auf wenige groĂe Apotheken und kann bewĂ€hrte Kooperationsbeziehungen zwischen Arztpraxen und Apotheken beenden. FĂŒr die pharmazeutische Industrie bedeutet dies zugleich eine stĂ€rkere AbhĂ€ngigkeit von einzelnen Abnehmern, abrupte Mengenverschiebungen nach Zuschlagsentscheidungen und erschwerte Planbarkeit fĂŒr Produktion, Lagerhaltung und LiefervertrĂ€ge. Versorgungssicherheit braucht dagegen mehrere leistungsfĂ€hige Marktteilnehmer und redundante Lieferwege.
"Wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter verschlechtern, werden Investitionen in ProduktionskapazitÀten, LieferfÀhigkeit und Portfoliobreite erschwert. Das kann gerade bei Àlteren, aber unverzichtbaren onkologischen Arzneimitteln die Versorgung schwÀchen", so Dr. Joachimsen weiter. Der BPI warnt seit langem davor, dass einseitiger Preisdruck die Versorgungssicherheit und den Produktionsstandort gefÀhrden kann.
Statt parallele Preisinstrumente und neue ExklusivvertrĂ€ge zu schaffen, mĂŒssen die bestehenden Verfahren zur Preisbildung verlĂ€sslich und versorgungsorientiert weiterentwickelt werden. Bereits heute treten zum 1. Oktober 2026 neue Preise im Rahmen der Hilfstaxe in Kraft; nach Angaben des Deutschen Apothekerverbands werden damit Herstellerrabatte an die Krankenkassen weitergegeben und erhebliche Einsparungen erzielt.
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