1.258 Praxen in Rheinland-Pfalz: RĂŒckmeldung verbessert die Verordnungspraxis
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 15:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die langfristige Verschreibung von Benzodiazepinen und sogenannten Z-Substanzen stellt im Bereich des chronischen Medikationsmanagements eine fortlaufende Herausforderung fĂŒr die PrimĂ€rversorgung dar. WĂ€hrend diese Wirkstoffe zur kurzzeitigen Behandlung akuter Schlaf- oder AngstzustĂ€nde vorgesehen sind, fĂŒhren lĂ€ngere EinnahmezeitrĂ€ume regelmĂ€Ăig zu AbhĂ€ngigkeiten und gesundheitlichen Risiken.
Eine im Fachjournal Deutsches Ărzteblatt International publizierte Untersuchung analysiert nun, wie sich das Verordnungsverhalten von HausĂ€rztinnen und HausĂ€rzten durch einen einfachen, gezielten Eingriff zugunsten der LeitlinienkonformitĂ€t beeinflussen lĂ€sst.
Datenbasis aus mehr als tausend Arztpraxen
Grundlage der randomisierten kontrollierten Studie bilden Verordnungsdaten aus insgesamt 1.258 hausĂ€rztlichen Praxen in Rheinland-Pfalz. Die Arbeit, die unter der Kennung DOI 10.3238/arztebl.m2026.0093 im Jahr 2026 erschien und ĂŒber das Ărzteblatt dokumentiert ist, untersuchte die praktischen Auswirkungen einer spezifischen KommunikationsmaĂnahme auf das spĂ€tere Verschreibungsverhalten.
Im Zentrum des Studiendesigns stand die ĂberprĂŒfung, inwieweit ein einmalig ĂŒbermitteltes Feedback zur sogenannten Sozialnorm geeignet ist, etablierte Verschreibungsgewohnheiten zu verĂ€ndern. Bei diesem verhaltensökonomischen Ansatz erhalten die beteiligten Ărztinnen und Ărzte einen direkten Einblick in das eigene Verordnungsverhalten im Vergleich zu einer relevanten Vergleichsgruppe aus dem kollegialen Umfeld.
Gezielte RĂŒckmeldungen verbessern Leitlinientreue
Die Ergebnisse der Untersuchung belegen, dass bereits eine einmalige RĂŒckmeldung spĂŒrbare Effekte erzielt. Den Studiendaten zufolge fĂŒhrte die Intervention bei den verordnenden Medizinern zu einer messbar höheren Rate an Verordnungen, die den geltenden medizinischen Leitlinien entsprechen.
Viele problematische Langzeitverordnungen entstehen in der Praxisroutine durch fortgefĂŒhrte Folgerezepte, ohne dass die Behandlungsnotwendigkeit neu bewertet wird. Die Rheinland-Pfalz-Studie mit 1.258 Praxen zeigt: Eine einmalige RĂŒckmeldung zum eigenen Verordnungsverhalten im Kollegenvergleich kann die Leitlinientreue messbar verbessern. Unser kostenloser Praxis-Leitfaden erklĂ€rt in drei Schritten, wie Sie Sozialnorm-Feedback und Verordnungs-Audit in Ihren Alltag integrieren. Kostenlosen Praxis-Leitfaden anfordern
Parallel dazu gelang es, nicht leitlinienkonforme und medizinisch nicht indizierte Langzeitverordnungen von Benzodiazepinen sowie Z-Substanzen wirksam zu senken.
Dass eine unaufwendige Intervention wie ein einmaliges Sozialnorm-Feedback messbare Anpassungen bewirkt, liefert wichtige Anhaltspunkte fĂŒr die Versorgungsforschung und kĂŒnftige QualitĂ€tsinitiativen. Oftmals resultieren problematische Langzeitverschreibungen in der hausĂ€rztlichen Routine aus kontinuierlich fortgefĂŒhrten Folgerezepten, ohne dass die Behandlungsnotwendigkeit im Praxisalltag regelmĂ€Ăig neu bewertet wird.
Impulse fĂŒr das Verordnungsmanagement
FĂŒr Gesundheitssysteme und Ă€rztliche Organisationen verdeutlichen die Befunde das Potenzial transparenter RĂŒckmeldesysteme. Da die Intervention ohne personalintensive Schulungen oder bĂŒrokratische PrĂŒfverfahren auskommt, bietet der Ansatz eine niedrigschwellige Möglichkeit, das Verordnungsverhalten im Bereich potenziell suchterzeugender Arzneimittel nachhaltig zu steuern.
Benzodiazepine und Z-Substanzen sind fĂŒr die kurzzeitige Behandlung akuter Schlaf- oder AngstzustĂ€nde vorgesehen â doch lĂ€ngere EinnahmezeitrĂ€ume bergen regelmĂ€Ăig AbhĂ€ngigkeitsrisiken. Die Rheinland-Pfalz-Studie zeigt, dass eine niedrigschwellige RĂŒckmeldung nicht leitlinienkonforme Langzeitverordnungen wirksam senken kann, ohne personalintensive Schulungen. Unsere Checkliste hilft Ihnen, Verordnungsdaten Ihrer Praxis auf leitlinienkonforme und nicht indizierte Langzeitverordnungen zu prĂŒfen. Checkliste leitlinienkonforme Verordnung sichern
Die Auswertung der Praxen aus Rheinland-Pfalz demonstriert damit, wie systematisch aufbereitete Routinedaten dazu beitragen können, die Patientensicherheit in der ambulanten Versorgung dauerhaft zu erhöhen.
Teile dieses Beitrags beruhen auf Recherchen von Deutsches Ărzteblatt.
