Streit um neues Handynetz: Missbrauchsverfahren eingeleitet
02.06.2023 - 12:01:59Beim schleppenden Ausbau des vierten deutschen Handynetzes durch den Telekommunikationskonzern 1&1 nimmt das Bundeskartellamt die Rolle des Konkurrenten Vodafone unter die Lupe.
1&1 hatte sich im Februar bei Deutschlands obersten WettbewerbshĂŒtern beschwert und Vodafone Behinderung vorgeworfen. Daraufhin nahm sich die Bonner Behörde des Themas an und teilte nun mit, ein Missbrauchsverfahren eingeleitet zu haben. Man werde sich «genau ansehen, ob es gute GrĂŒnde fĂŒr die Verzögerung bei der Bereitstellung von Antennenstandorten fĂŒr 1&1 gibt», sagte Kartellamtschef Andreas Mundt.
1&1 hĂ€tte bis zum Jahresbeginn 1000 Antennenstandorte in Betrieb nehmen mĂŒssen, tatsĂ€chlich waren es aber nur fĂŒnf. Das liegt zum groĂen Teil daran, dass der Infrastrukturanbieter Vantage Towers, der die Masten und Dachstandorte bereitstellt fĂŒr die Antennen, viel weniger Standorte ermöglichte als vertraglich zugesichert. Vodafone - also ein anderer Netzbetreiber und somit ein direkter 1&1-Konkurrent - hĂ€lt zusammen mit Finanzinvestoren knapp 90 Prozent an Vantage. Der Neueinsteiger aus Montabaur argwöhnte, dass Vodafone seine Finger im Spiel hatte, um den Ausbau des Konkurrenznetzes abzubremsen. Nun prĂŒft das Kartellamt eine mögliche kartellrechtswidrige Behinderung.
Vantage Towers und Vodafone weisen beide den Vorwurf zurĂŒck. «Als neutraler und unabhĂ€ngiger Host bieten wir allen unseren Kunden einen offenen Zugang zu unserer passiven Infrastruktur», sagt eine Vantage-Sprecherin. Man werde «die GrĂŒnde fĂŒr etwaige Verzögerungen ausfĂŒhrlich darlegen». Beide Firmen betonen, in dem Verfahren mit dem Kartellamt zu kooperieren. Eine 1&1-Sprecherin begrĂŒĂte das Vorgehen des Kartellamts: «Die Untersuchung durch die Behörde wird nun Klarheit und Transparenz schaffen.»


