12,4 Millionen Immunzellen: Muster weist auf späteres Krankheitsrisiko hin
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 07:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Latente Gefäßentzündungen können unerkannt das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle drastisch erhöhen, wie ein Bericht vom 10. Oktober 2026 verdeutlicht. Da entzündliche Prozesse in den Blutgefäßen oft ohne spürbare Symptome über Jahre hinweg fortschreiten, gewinnen Mechanismen zur Früherkennung sowie gezielte immunologische Therapien in der kardiovaskulären Forschung zunehmend an Bedeutung.
Innovative Zelltherapien gegen Entzündungen im Projekt CARDIO
Um die entzündlichen Prozesse nach einem Myokardinfarkt und bei fortschreitender Atherosklerose gezielt zu bekämpfen, leitet das Universitätsklinikum Würzburg das internationale Konsortium CARDIO.
Das Vorhaben wird im Rahmen des EU-Programms Horizon Europe mit rund 7 Millionen Euro gefördert, wovon rund 2,8 Millionen Euro an den Standort Würzburg fließen. Erstmals werden hierbei CAR-T-Zelltherapien für kardiovaskuläre Entzündungsprozesse entwickelt.
Anders als in der Onkologie kommen dabei keine zytotoxischen Killerzellen zum Einsatz. Stattdessen setzt das Projekt auf regulatorische CAR-T-Zellen (CAR-Tregs), die mit einem Myosin-CAR sowie dem Transkriptionsfaktor FOXP3 ausgestattet sind. Das langfristige Ziel besteht in der Entwicklung allogener, vorgefertigter Zellen über das DKMS-Spenderregister anhand passender HLA-Merkmale.
Die Koordination liegt bei Dr. Maik Luu, während wesentliche Vorarbeiten von Dr. Sarah Staudt erbracht wurden. Zudem identifizierte Professor Gustavo Ramos vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz die Zielstruktur Myosin und erhielt dafür den Arthur-Weber-Preis der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.
Professor Ulrich Hofmann wies bereits im Jahr 2012 die Bedeutung von T-Zellen bei der Herzinfarktheilung nach, während Professor Alma Zernecke-Madsen im Sonderforschungsbereich 1525 Gefäßentzündungen erforscht.
Zu den europäischen Partnern zählen das CNIC in Madrid für Antikörper gegen Plaque-Zielmoleküle, das CeMM in Wien für CRISPR- und Einzelzelltechnologien sowie die Universität für Bodenkultur Wien für das Protein-Engineering.
Immunzellmuster als Indikatoren für subklinischen Stress
Ergänzende Erkenntnisse liefert eine umfassende Einzelzellanalyse von 12,4 Millionen Immunzellen aus den Blutproben von 2.609 Personen aus acht weltweiten Kohorten. Als entscheidender Indikator erwies sich das Verhältnis von Granzyme-K- zu Granzyme-B-produzierenden Effektor-Gedächtnis-CD8-T-Zellen.
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Ein von Granzyme B dominiertes Profil korrelierte über einen Beobachtungszeitraum von etwa zehn Jahren mit einer höheren Sterblichkeit sowie einem gesteigerten Risiko für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Lebererkrankungen und Nierenversagen. Dieses Muster signalisiert subklinischen Immunstress bereits Jahre vor einer klinischen Diagnose.
Auswertungen an Datensätzen der britischen Biobank mit 50.000 Teilnehmenden bestätigten die Vorhersagekraft dieses Ansatzes, der als Grundlage für künftige Bluttests dienen könnte. Zudem zeigte die Leipziger LIFE-Studie an 1.825 Erwachsenen, dass abdominales Fettgewebe unabhängig vom Blutdruck mit Gewebeschäden zusammenhängt, wobei Interleukin-6 ein mögliches molekulares Bindeglied darstellt.
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Früherkennung gefäßbedingter Schäden
Neben zellulären Markern werden auch neue Verfahren zur nicht-invasiven Diagnostik erforscht. Am Universitätsklinikum Bonn fördert die Corona-Stiftung eine Nachwuchsgruppe unter Leitung von Dr. Christina Mayer mit 1 Million Euro über fünf Jahre.
Im Rahmen des Projekts RE-DEFINE soll die optische Kohärenztomographie an der Netzhaut genutzt werden, um gefäßbedingte und entzündliche Veränderungen früher zu identifizieren als mit herkömmlichen MRT-Verfahren.
Durch die Verknüpfung hochauflösender Bildgebung mit molekularen Daten und maschinellem Lernen wollen die Forscher Risiken für Gefäßschäden rechtzeitig sichtbar machen, bevor akute kardiovaskuläre Ereignisse eintreten.

