24 Milliarden DatensĂ€tze: UngeschĂŒtzter Elasticsearch-Cluster entdeckt
23.06.2026 - 14:32:33 | boerse-global.de
Ein neuer Schwarzmarkt fĂŒr gestohlene Passwörter verĂ€ndert die Bedrohungslage fĂŒr Unternehmen und Privatpersonen grundlegend. Statt Datensammlungen im groĂen Stil zu verkaufen, bieten Hacker mittlerweile maĂgeschneiderte Abfragen an â gegen eine GebĂŒhr von rund 20 Euro pro Anfrage.
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Vom Datenfriedhof zur Suchmaschine fĂŒr Hacker
Die Analyse von 470 BeitrĂ€gen in Untergrundforen zwischen Januar 2025 und Juni 2026 zeigt einen klaren Trend: Cyberkriminelle haben ihre GeschĂ€ftsmodelle professionalisiert. Statt riesiger Logdateien bieten sie nun einen âSearch Your Target"-Service an. Kunden können gezielt nach Zugangsdaten fĂŒr bestimmte Unternehmen, Plattformen oder Regionen fragen.
Die Anbieter versprechen Antwortzeiten von zehn bis 15 Minuten. Geliefert werden die Daten meist im Format URL:LOGIN:PASS oder MAIL:PASS. Die Kosten pro Abfrage liegen bei umgerechnet etwa 20 Euro.
Doch Vorsicht ist geboten: Die QualitĂ€t der Daten schwankt erheblich. Nutzerberichte aus den Foren deuten darauf hin, dass viele der angebotenen Zugangsdaten zwar gĂŒltig, aber mehrfach vorhanden sind. Andere wiederum sind schlichtweg falsch. Sicherheitsexperten betonen, dass dieser Markt zwar mit dem Handel von NetzwerkzugĂ€ngen verwandt ist, aber eine eigene Nische besetzt â den gezielten Datendiebstahl ohne direkten Netzwerkzugriff.
24 Milliarden DatensĂ€tze ungeschĂŒtzt im Netz
Das AusmaĂ der Bedrohung verdeutlicht ein spektakulĂ€rer Fund: Am 12. Juni 2026 entdeckten Forscher von Cybernews einen ungeschĂŒtzten Elasticsearch-Cluster mit 8,3 Terabyte Daten. Die Datenbank enthielt 24 Milliarden AnmeldedatensĂ€tze aus 36 verschiedenen Quellen.
Der GroĂteil der Daten â rund 22,6 Milliarden EintrĂ€ge â stammt von Infostealer-Malware. Hinzu kommen 1,7 Milliarden DatensĂ€tze aus Telegram-KanĂ€len, 150 Millionen aus lokalen Speicherabbildern und 146 Millionen aus kombinierten Datenlecks. Besonders brisant: Die Sammlung enthielt nicht nur Benutzernamen und Klartext-Passwörter, sondern auch Sitzungscookies, Umgehungs-Tokens fĂŒr die Zwei-Faktor-Authentifizierung und GerĂ€te-FingerabdrĂŒcke.
Einige DatensĂ€tze stammten noch aus dem Februar 2026. Der Cluster wurde am 15. Juni vom Netz genommen. Sicherheitsexperten warnen, dass solche Lecks das Risiko von Credential-Stuffing-Angriffen massiv erhöhen â automatisierte Attacken, bei denen gestohlene Zugangsdaten auf hunderten Plattformen ausprobiert werden.
Malware-as-a-Service: Immer neue Verteilungsmethoden
Die Flut gestohlener Daten wird durch ein ganzes Ăkosystem von Schadsoftware angetrieben. Ein Dauerbrenner ist Agent Tesla, ein seit 2014 aktiver Trojaner, der Passwörter aus Browsern, E-Mail-Programmen und VPNs stiehlt. Seine Werkzeuge: Keylogging und Bildschirmaufnahmen.
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Doch die Angreifer werden kreativer. Elastic Security Labs deckte eine Kampagne auf, bei der der SchĂ€dling OXLOADER ĂŒber manipulierte Google-Anzeigen verbreitet wurde. Die mutmaĂlich russischsprachige Gruppe nutzte den Lader, um CastleStealer zu installieren. Das Werbekonto wurde zwar am 14. Mai 2026 gesperrt â der Vorfall zeigt aber, wie legitime Werbeplattformen fĂŒr Malware-Kampagnen missbraucht werden.
In Indien beobachteten Sicherheitsforscher eine Phishing-Welle, die mit mehrstufigen Ladern Remcos RAT und Phantom Stealer verbreitet. Die Angreifer tarnen ihre Mails als offizielle Schreiben von Steuerbehörden, etwa als GST-Belastungsanzeigen.
75.000 FortiGate-GerÀte kompromittiert
Die FortiBleed-Kampagne zeigt, wie verwundbar selbst professionelle Netzwerkinfrastruktur ist. Angreifer nutzten ein maĂgeschneidertes Golang-Tool namens FortigateSniffer, um legitime Systembefehle zu missbrauchen und Authentifizierungsdaten abzugreifen.
Betroffen waren rund 75.000 FortiGate-GerĂ€te in ĂŒber 190 LĂ€ndern. Zu den prominenten Opfern zĂ€hlen multinationale Konzerne wie Oracle, Samsung, Siemens und PwC sowie ein Auftragnehmer der NATO. Sicherheitsanalysten sehen eine Ursache in der âDemokratisierung" von Rechenleistung: Die Angreifer mieteten bis zu 45 Grafikprozessoren ĂŒber Cloud-Dienste â fĂŒr jedermann buchbar â und fĂŒhrten damit groĂ angelegte Passwort-Cracking-Attacken durch.
