5-oxoETE: Entzündungsmolekül lockt Immunzellen und schützt gesundes Gewebe
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 19:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deForschende des Memorial Sloan Kettering Cancer Center haben in einer im Fachjournal Nature veröffentlichten Untersuchung vom 7. Oktober 2026 ein seit über drei Jahrzehnten bestehendes biologisches Rätsel gelöst.
Die Arbeit (DOI: 10.1038/s41586-026-11121-2) analysiert das Molekül 5-oxoETE und legt dar, dass der Botenstoff eine bisher unerkannte Doppelfunktion ausübt: Neben der bekannten Rekrutierung weißer Blutkörperchen an Infektionsorte schützt er intaktes Gewebe wie Epithelzellen vor Schäden.
Die Ergebnisse unter der Leitung von Philipp Niethammer ordnen die Signalwege bei chronischen Entzündungen neu ein und weisen auf veränderte therapeutische Ansätze hin.
Genetischer Ursprung und molekularer Steuermechanismus
Das Enzym 5-HEDH, das für die Bildung von 5-oxoETE verantwortlich ist, wurde bereits 1992 an der McGill University entdeckt. Die genetische Identität des Enzyms blieb jedoch über Jahre ungeklärt, bis Yanan Ma nun das Gen DHRS7 als dessen Träger nachweisen konnte.
DHRS7 fungiert den Daten zufolge als biologischer Redox-Sensor. Das Enzym reguliert die Bildung des Botenstoffs direkt über das zelluläre Verhältnis von NADP+ zu NADPH und schaltet abhängig von diesem Gleichgewicht zwischen der Synthese und dem Abbau von 5-oxoETE um. Als Ausgangsstoff dient dabei Arachidonsäure, die unter mechanischem Stress in den Zellen freigesetzt wird und die Grundlage für die Produktion von 5-oxoETE bildet.
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Gewebeschutz im Tiermodell und DNA-Reparatur
Zur Überprüfung der Schutzfunktion analysierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Mechanismen an Zebrafischen. Wurde der Rezeptor hcar1-4 – das Analogon zum humanen OXER1-Rezeptor – im Modellversuch deaktiviert, entwickelte sich eine Darmentzündung gänzlich ohne das Vorliegen einer Infektion. Eine Hemmung der 5-oxoETE-Synthese verstärkte diese entzündlichen Prozesse zusätzlich.
Auf molekularer Ebene schützt 5-oxoETE die Epithelzellen, indem es über NUDIX-Hydrolasen Abwehrmechanismen gegen DNA-Schäden in Gang setzt, die durch Darmbakterien hervorgerufen werden. Bleibt das Molekül aus oder ist der Rezeptor inaktiviert, entfällt dieser Schutzmechanismus.
Relevanz für chronische Entzündungen und Krebserkrankungen
Die Fehlregulation des Signalwegs zeigt eine Verbindung zu weit verbreiteten Krankheitsbildern. Weltweit sind über 5 Millionen Menschen von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (IBD) betroffen, während rund 260 Millionen Menschen an Asthma leiden, was jährlich mehr als 400.000 Todesfälle nach sich zieht. Bei IBD-Patienten korrelieren niedrige Spiegel von 5-oxoETE in der Darmschleimhaut mit einem schlechteren Verlauf der Erkrankung.
Gleichzeitig wiesen die Forschenden Mutationen in den Genen DHRS7 und OXER1 bei verschiedenen Krebsarten, Asthma sowie IBD nach. Varianten mit einem Verlust der OXER1-Funktion stehen mit einer ungünstigeren Prognose bei Pankreas-, Endometrium- und kolorektalen Karzinomen in Zusammenhang.
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Potenzial für zukünftige Therapien
Aus den Beobachtungen leitet die Forschungsgruppe neue Strategien ab. Anstatt den Signalweg rein entzündungshemmend zu blockieren, könnte eine gezielte Aktivierung des Mechanismus genutzt werden, um die Schleimhäute widerstandsfähiger gegen oxidativen Stress zu machen.
Ein solcher Ansatz könnte etwa den Darm während einer Strahlen- oder Chemotherapie vor Begleitschäden schützen. Als primäre therapeutische Ziele benennt das Memorial Sloan Kettering Cancer Center neben chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Asthma auch schleimhautassoziierte Tumoren.
