Abnehm-Medikamente, Leitlinien

Abnehm-Medikamente: Neue Leitlinien warnen vor Muskelabbau

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 18:24 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Internationale Fachgesellschaften fordern mehr Begleitung bei Adipositas-Therapien, um den Verlust wertvoller Muskelmasse zu vermeiden.

Neue Leitlinien: Muskelabbau durch Abnehm-Medikamente verhindern
Nahaufnahme einer stilisierten, gesunden Muskelfaser mit leuchtenden Elementen, umgeben von einem Netzwerk aus Proteinstrukturen in einem medizinischen Kontext. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Doch Ärzte und Wissenschaftler schlagen Alarm: Wer nur Gewicht verliert, riskiert den Verlust wertvoller Muskelmasse. Neue Leitlinien fordern jetzt ein Umdenken.

Neue Standards fĂŒr die Begleitung von Abnehm-Therapien

Ein internationales Konsortium aus EASO, EFAD und ECPO veröffentlichte am 14. Juli 2026 erstmals gemeinsame Empfehlungen fĂŒr die Begleitung medikamentöser Adipositas-Therapien. Die Fachleute fordern eine umfassende Betreuung, die weit ĂŒber die reine Medikamentengabe hinausgeht.

Im Zentrum steht eine strukturierte medizinische ErnĂ€hrungstherapie. RegelmĂ€ĂŸige Kontrollen der Körperzusammensetzung sollen den Muskelabbau frĂŒhzeitig erkennen. Das Konsortium empfiehlt zudem Krafttraining und psychologische Begleitung. Auch die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrungsmedizin (DGEM) warnt vor Muskelabbau als relevanter Nebenwirkung der neuen Behandlungen.

Was die Studien zu Semaglutid und Tirzepatid wirklich zeigen

Das British Medical Journal (BMJ) wertete 262 Studien mit rund 100.000 Erwachsenen aus. Die stĂ€rkste Gewichtsabnahme nach einem Jahr erzielten Tirzepatid (14,9 Prozent) und CagriSema (14,8 Prozent). Semaglutid senkte das Risiko fĂŒr Herzinfarkte und TodesfĂ€lle.

Doch die Analyse zeigt auch: Die allgemeine LebensqualitĂ€t verbesserte sich durch die Gewichtsabnahme allein nicht. Als belastende Faktoren nennen die Forscher Magen-Darm-Beschwerden – und explizit den Verlust an Muskelmasse.

Ein neuer Meilenstein steht bevor: Seit dem 22. Mai 2026 liegt eine Empfehlung der EMA fĂŒr die orale Semaglutid-Tablette vor. Die Zulassung wird fĂŒr Mitte August erwartet. Experte Matthias Tschöp von der LMU MĂŒnchen zeigt sich skeptisch: Die Wirkung der Tablette sei im Vergleich zur Injektion schwerer steuerbar. In Studien erreichte die Pille einen Gewichtsverlust von bis zu 17 Prozent – allerdings bei prognostizierter lebenslanger Einnahme.

„Skinny Fat“: Wenn Schlanksein trĂŒgt

In der Sportwissenschaft rĂŒckt das PhĂ€nomen „Skinny Fat“ in den Fokus. Betroffene haben einen normalen BMI, aber einen hohen Körperfettanteil bei geringer Muskelmasse. Trainerin Lisi Ströcker betont: „In solchen FĂ€llen ist gezieltes Krafttraining essentiell.“

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Fitness-Coach Jessica Bock unterstreicht: Krafttraining sei fĂŒr Körperformung und Fettabbau relevanter als reines Ausdauertraining. Der Grund: Mehr Muskulatur steigert den Ruheenergieverbrauch nachhaltig.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) belegt: Die WHO-Empfehlung von zwei Krafttrainingseinheiten pro Woche ist mit 40 bis 60 Minuten erreichbar. Methoden wie SupersĂ€tze oder kurze „Exercise Snacks“ machen das auch bei wenig Zeit möglich.

ErnÀhrung als zweite SÀule des Muskelerhalts

Eine Studie mit Typ-2-Diabetikern zeigt die Potenziale einer Low-Carb-ErnÀhrung: Innerhalb von sechs Monaten verloren 48 Teilnehmer im Schnitt 5,2 Kilogramm. Der HbA1c-Wert sank signifikant von 60,0 auf 49,7 mmol/mol. Blutdruck und Lipidwerte blieben stabil.

Parallel gewinnen gewichtsneutrale AnsĂ€tze an Bedeutung. Die UniversitĂ€t Gießen plant fĂŒr November 2026 die Pilotstudie „EASE“. Sie setzt auf intuitives Essen und die Reduktion von Stigmatisierung. Ziel: die LebensqualitĂ€t der Betroffenen verbessern.

Die Semmelweis UniversitĂ€t weist zudem auf die Bedeutung von Polyphenolen hin – etwa aus Beeren oder grĂŒnem Tee. Sie fördern ein gesundes Altern des Gehirns.

Neue Forschung: Ein Peptid gegen den Muskelabbau

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Im FrĂŒhjahr 2026 benannten 56 Fachgesellschaften das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) in PMOS um. Die Störung betrifft rund 170 Millionen Frauen weltweit, 85 Prozent von ihnen haben eine Insulinresistenz.

Vielversprechend ist ein neues Peptid namens „BRP“. In Tierversuchen bewirkte es Gewichtsverlust ohne begleitenden Muskelabbau. Klinische Studien am Menschen werden in fĂŒnf bis zehn Jahren erwartet.

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