Abnehmspritzen: Dr. Riedl warnt vor Vitamin-D-Mangel durch schnellen Gewichtsverlust
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.dePrÀparate auf Basis von GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Ozempic und Wegovy verzeichnen eine hohe Nachfrage bei der Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes. Doch der dadurch ausgelöste rasche Gewichtsverlust birgt medizinische Risiken.
Der ErnĂ€hrungsmediziner Dr. Matthias Riedl warnte in einem Bericht vom 4. November 2026 davor, dass die Medikamente durch die schnelle Gewichtsabnahme NĂ€hrstoffdefizite wie einen Mangel an Vitamin D begĂŒnstigen können. Nach seiner EinschĂ€tzung sind dabei zwei Personengruppen besonders gefĂ€hrdet.
Risiken von NĂ€hrstoffmangel und Unterversorgung
Die durch GLP-1-Wirkstoffe hervorgerufene Appetitminderung kann die Zufuhr essenzieller MikronÀhrstoffe empfindlich verringern. Nach Angaben von GoodRx Health zÀhlt eine verminderte NÀhrstoffaufnahme zu den Begleiterscheinungen der Therapie mit Semaglutid (Ozempic, Wegovy, Rybelsus) oder Tirzepatid (Mounjaro, Zepbound).
Das Thema MangelernĂ€hrung stellt das Gesundheitssystem ohnehin vor Herausforderungen: Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrungsmedizin (DGEM) schĂ€tzt die Zahl der jĂ€hrlichen TodesfĂ€lle durch MangelernĂ€hrung in Deutschland auf rund 50.000. Laut Daten der Deutschen Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung wies 2017 etwa ein Drittel der deutschen Bevölkerung einen Vitamin-D-Mangel sowie rund ein Drittel einen Jodmangel auf.
Weltweit sind laut der WelternĂ€hrungsorganisation rund zwei Milliarden Menschen von MikronĂ€hrstoffmangel betroffen. Zudem gelten etwa 30 Prozent der stationĂ€r behandelten Patienten in Deutschland als mangelernĂ€hrt oder gefĂ€hrdet, wĂ€hrend bislang nur rund ein Prozent darauf untersucht oder therapiert wird. Bis Ende 2027 plant die Fachgesellschaft ein Screening-Konzept fĂŒr Kliniken.
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Muskelverlust und Gefahren fĂŒr Ă€ltere Behandelte
Neben NĂ€hrstoffdefiziten steht der Verlust an Muskel- und Knochenmasse im Fokus medizinischer Fortbildungen. Auf einer Kardiologie-Tagung an der Klinik Bad Wörishofen erklĂ€rte Prof. Jens Wagner vor 130 Ărzten, dass Abnehmspritzen wie Wegovy und Mounjaro einen Gewichtsverlust von bis zu 20 Prozent herbeifĂŒhren können.
Ohne begleitendes Krafttraining stelle jedoch der Abbau von Muskeln und Knochen die zentrale Nebenwirkung dar. Nach dem Absetzen sei zudem eine erneute Gewichtszunahme möglich.
Geriater John Batsis von UNC Health wies darauf hin, dass die GLP-1-PrĂ€parate vorwiegend an Personen unter 65 Jahren erprobt wurden und spezifische Richtlinien fĂŒr Senioren fehlen. Bei Patienten ĂŒber 65 Jahren bestehe eine erhöhte Gefahr fĂŒr Dehydration, Verstopfung sowie den Abbau von Knochen- und Muskelmasse, was das Risiko von Osteoporose, Gebrechlichkeit und StĂŒrzen steigere.
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Batsis rÀt zu einer schrittweisen Dosierung, funktionellen Zielen statt reinen Gewichtsmarken sowie einem wöchentlichen Bewegungspensum von 150 Minuten moderatem Ausdauertraining und 60 Minuten Krafttraining.
In einem Fallbeispiel verlor ein Patient in seinen 80er-Jahren innerhalb von sechs Monaten 50 Pfund an Gewicht und benötigte daraufhin eine Gehhilfe; erst eine Dosisreduktion fĂŒhrte zu einer funktionellen Besserung.
Gastrointestinale Beschwerden und Zahngesundheit
Zu den verbreiteten Nebenwirkungen zĂ€hlen Probleme im Magen-Darm-Bereich. Eine Ăbersichtsarbeit von Dr. Nils Werner und Prof. Dr. Falk Schwendicke vom LMU Klinikum MĂŒnchen im Fachblatt Journal of Dental Research zeigte, dass GLP-1-Rezeptor-Agonisten Mundtrockenheit begĂŒnstigen und durch Reflux oder Erbrechen das Risiko fĂŒr Schmelzerosionen, Karies und ZahnfleischentzĂŒndungen erhöhen können.
Der Literatur zufolge tritt Ăbelkeit bei 15 bis 50 von 100 Behandelten auf, Erbrechen bei 5 bis 24 von 100. Die Experten raten zu MundspĂŒlungen mit Wasser direkt nach dem Erbrechen, einer Wartezeit von 30 Minuten vor dem ZĂ€hneputzen sowie regelmĂ€Ăigen zahnĂ€rztlichen Kontrollen. Das LMU Klinikum richtet dazu ein Betreuungsangebot mit Kontrollen nach rund drei Monaten ein.
Begleitende Effekte und wissenschaftliche Bilanz
Untersuchungen dokumentieren neben den Risiken auch organische Begleiteffekte. Laut einer US-Analyse bei Erwachsenen mit PrĂ€diabetes und Adipositas senkte der Einsatz von GLP-1-Medikamenten gegenĂŒber Metformin das Risiko fĂŒr Typ-2-Diabetes um 31 Prozent sowie das Sterberisiko um 41 Prozent.
Eine am Taussig Cancer Institute geleitete Auswertung von TriNetX-Daten wies bei bestimmten Krebsarten ein um 38 bis 50 Prozent geringeres Risiko fĂŒr ein Fortschreiten in Stadium IV unter GLP-1-Medikation nach.
Zugleich weisen Experten wie Dr. Michael Snyder auf mögliche seltene Risiken wie MagenlĂ€hmung, EntzĂŒndungen der BauchspeicheldrĂŒse oder ein erhöhtes Risiko fĂŒr die seltene Sehnerv-Erkrankung NAION hin, weshalb eine engmaschige Ă€rztliche Begleitung erforderlich bleibt.
