Activision-Übernahme: Microsoft zahlt 250 Millionen Euro Vergleich
26.05.2026 - 22:30:26 | boerse-global.de250 Millionen Euro: So teuer wird der Rechtsstreit um den Activision-Kauf für Microsoft.
Der Tech-Konzern hat sich mit klagenden Aktionären geeinigt, die dem früheren Management von Activision Blizzard schwere Vorwürfe gemacht hatten. Die Einigung, die am 23. Mai vor einem Gericht in Delaware eingereicht wurde, soll einen jahrelangen Rechtsstreit beenden, der den 75,4 Milliarden Dollar schweren Deal seit seiner Ankündigung überschattete.
Vorwürfe gegen Ex-CEO Bobby Kotick
Die Klage, angeführt von einem schwedischen Pensionsfonds, warf der Führungsriege des Spielepublishers vor, eigene Interessen über die der Aktionäre gestellt zu haben. Im Kern ging es um das Verhalten von Ex-CEO Bobby Kotick und dem Aufsichtsrat während der Verhandlungsphase.
Die Kläger argumentierten, der Übernahmeprozess sei „überhastet" gewesen und so strukturiert, dass er den persönlichen Interessen der Spitzenmanager diente – nicht der Maximierung des Aktionärswerts. Der Vorwurf: Der Vorstand habe den Deal zu 95 Dollar pro Aktie schnell über die Bühne bringen wollen, um Kotick einen geordneten Exit zu ermöglichen.
Besonders brisant: Zum Zeitpunkt der Verhandlungen stand der Publisher massiv in der Kritik. Vorwürfe von Belästigung am Arbeitsplatz und einer toxischen Unternehmenskultur belasteten das Unternehmen. Die Kläger vermuteten, die Fusion sei genutzt worden, um diese Vorwürfe zu „begraben" und die Führung vor weiterer Verantwortung zu schützen.
Ein zentraler Streitpunkt war das Abfindungspaket für den scheidenden Chef. Dieses soll sich auf rund 400 Millionen Euro belaufen haben. Die Aktionäre warfen dem Board vor, seine Treuepflicht verletzt zu haben, indem es das Angebot nicht richtig prüfte oder nach alternativen Bietern suchte.
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So wird der Vergleich aufgeteilt
Die 250 Millionen Euro werden an berechtigte Aktionäre ausgeschüttet, die zwischen Januar 2022 und Oktober 2023 Aktien des Spielekonzerns hielten. Das entspricht etwa 30 Cent pro Aktie für die Mitglieder der Sammelklage.
Die finanzielle Last teilen sich Microsoft und verschiedene Versicherungen. Microsoft trägt 40 Prozent der Summe – rund 100 Millionen Euro. Die restlichen 60 Prozent sollen über die Versicherungspolicen der früheren Activision-Blizzard-Einheit abgedeckt werden.
Bemerkenswert: Weder Microsoft noch Activision räumen mit dem Vergleich ein Fehlverhalten ein. Die Einigung steht noch unter dem Vorbehalt der endgültigen richterlichen Zustimmung.
Wachsender Druck durch Aktionäre
Der Fall reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Aktionärsklagen gegen große Tech-Konzerne. Beobachter sehen einen trend: Investoren werden aggressiver, wenn sie glauben, dass Vorstände eher die Absicherung von Managern als die Rendite der Aktionäre im Blick haben.
Erst Anfang Mai 2025 geriet Samsung Electronics unter Druck, nachdem das Unternehmen eine Gewinnbeteiligung für Mitarbeiter vereinbart hatte. Aktionäre drohten mit Klagen, weil sie die Investitionsfähigkeit des Konzerns gefährdet sahen.
Für Microsoft bedeutet der Vergleich vor allem eines: Rechtssicherheit. Der Konzern kann sich nun voll auf die Integration der Activision-Marken wie „Call of Duty" und „World of Warcraft" konzentrieren. Die Übernahme war im Herbst 2023 nach intensiven Prüfungen durch Kartellbehörden in den USA, Großbritannien und der EU endgültig vollzogen worden.
Der Fall könnte Signalwirkung haben. Die Transparenz von Fusionsverhandlungen und die lückenlose Dokumentation von Vorstandsentscheidungen dürften künftig noch stärker im Fokus stehen – ein bleibendes Vermächtnis des teuersten Rechtsstreits in der Geschichte der Spielebranche.
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