ADAS-Pflicht, EU-Neufahrzeuge

ADAS-Pflicht ab 6. Juli: Alle EU-Neufahrzeuge mit Notbremsung

28.06.2026 - 13:39:58 | boerse-global.de

Chinesischer Autobauer XPENG plant MarkteinfĂĽhrung seiner neuen KI-Software in Europa. Die EU arbeitet an einer einheitlichen Regelung fĂĽr autonomes Fahren.

XPENG bringt KI-Software der zweiten Generation nach Europa
ADAS-Pflicht - Ein elegantes, modernes autonomes Auto auf einer Autobahn mit digitalen Grafiken, die seine selbstfahrende Technologie darstellen. 28.06.2026 - Bild: ĂĽber boerse-global.de

Chinesischer Autobauer bringt zweite Generation seiner KI-Software – und drängt nach Europa.

Der chinesische Elektroauto-Hersteller XPENG will noch in diesem Jahr mit seiner zweiten Generation des sogenannten VLA-Modells (Vision-Language-Action) auf den europäischen und globalen Markt. CEO He Xiaopeng gab die Pläne am heutigen Sonntag bekannt. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Die EU arbeitet an einer einheitlichen Regelung für überwachtes autonomes Fahren, die für Oktober 2026 erwartet wird.

Flickenteppich in Europa

Während Brüssel noch an einer gemeinsamen Linie feilt, gehen einzelne Mitgliedsstaaten bereits voran. Belgien ist das fünfte EU-Land, das Teslas Full-Self-Driving-Technologie (FSD) auf öffentlichen Straßen genehmigt hat. Ministerin Annick De Ridder gab am 11. Juni grünes Licht – beschleunigt durch Daten aus niederländischen Testprogrammen. Zuvor hatten bereits die Niederlande, Dänemark, Estland und Litauen die Software zugelassen.

In Litauen erfolgte die Zulassung über den EU-Typgenehmigungsrahmen – allerdings offenbar bevor die Software alle internen Qualitätsstandards von Tesla für europäische Bedingungen erfüllte. Das sorgt für eine zersplitterte Regulierungslandschaft, bei der andere Mitgliedsstaaten die begrenzten Einsätze genau beobachten.

Finnland könnte als nächstes Land folgen. Die Verkehrsbehörde Traficom signalisierte am 23. Juni, dass sie Teslas FSD-Software noch vor der EU-weiten Entscheidung zulassen könnte. Rund 6.500 Fahrzeuge im Land – das entspricht 0,24 Prozent des finnischen Pkw-Bestands – sind bereits mit der nötigen Hardware ausgestattet.

Schweden bremst – Sicherheitsbedenken in Skandinavien

Doch nicht alle sind begeistert. Die schwedische Verkehrsverwaltung (TRV) hat in einem Schreiben vom 30. April empfohlen, gegen eine EU-weite Einführung von Teslas überwachter Selbstfahrtechnologie zu stimmen – es sei denn, bestimmte Funktionen werden geändert.

Der Hauptstreitpunkt: die Speed-Offset-Funktion, die es dem System erlaubt, die zulässige Höchstgeschwindigkeit zu überschreiten. Schweden macht seine Zustimmung von der Abschaltung dieser Funktion abhängig. Auch Norwegen und Finnland haben ähnliche Bedenken geäußert. Für eine EU-weite Zulassung ist eine qualifizierte Mehrheit von 15 Mitgliedsstaaten nötig, die 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren. Eine entscheidende Diskussion der Mitgliedsstaaten ist bereits für den 30. Juni angesetzt.

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Globale Standards in Sicht

Die Regulierungslandschaft bewegt sich auf eine internationale Angleichung zu. Bei einem Treffen in Genf wurde die erste globale technische Regelung fĂĽr automatisierte Fahrsysteme (ADS GTR) verabschiedet. Eine Koalition aus China, der EU, GroĂźbritannien, den USA, Kanada und Japan legte technische Anforderungen fĂĽr Sicherheitsmanagement, Tests, Validierung und LebenszyklusĂĽberwachung fest.

Chinesische Hersteller richten sich zunehmend auf diesen Rahmen aus. Zwischen Januar und Mai 2026 exportierte China 4,059 Millionen Fahrzeuge – ein Anstieg von 63 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. XPENGs Ankündigung fällt zeitlich mit der WP.29-Zulassung der DCAS-UNR-171-Serie-02-Verordnung zusammen, die voraussichtlich Ende 2026 zur EU-Pflicht wird.

Waymo drängt nach Deutschland

Auch der US-Konzern Waymo macht ernst in Europa. Das Unternehmen hat am 13. Mai die Waymo Germany GmbH in München registriert – der Eintrag wurde am 15. Juni abgeschlossen. Ziel ist der Aufbau von Robotaxi-Diensten und die Unterstützung von Drittanbietern. Waymo hat bereits damit begonnen, Testfahrer für Berlin und München anzuwerben – möglich gemacht durch eine 16 Milliarden Dollar schwere Finanzierungsrunde, die das Unternehmen auf 126 Milliarden Dollar bewertet.

Neue Sicherheitspflichten ab Juli

Ab dem 6. Juli 2026 gelten in der EU verschärfte Sicherheitsanforderungen. Alle Neufahrzeuge in Spanien und der gesamten EU müssen mit fortschrittlichen Fahrerassistenzsystemen (ADAS) ausgestattet sein – darunter automatische Notbremsung für Fußgänger und Radfahrer, Müdigkeitserkennung und Spurhalteassistent. Die Systeme verteuern ein Fahrzeug um schätzungsweise 500 bis 1.500 Euro. Die Hersteller haften für Systemausfälle.

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Tesla unter Druck – Klagen und Vergleiche

Die regulatorische Verschärfung trifft Tesla in einer ohnehin schwierigen Phase. Am heutigen Sonntag legte der Konzern einen Rechtsstreit um einen tödlichen Unfall aus dem Jahr 2023 bei, bei dem ein Fußgänger ums Leben kam. Doch neue Klagen folgen: Am 24. Juni wurde eine Klage zu einem tödlichen Zusammenstoß in Texas vom 19. Juni eingereicht. Und eine am 4. Juni eingereichte Sammelklage wirft Tesla vor, dass die Hardware-Versionen 1 bis 3 grundsätzlich nicht in der Lage seien, hochautonomes Fahren zu erreichen – gestützt auf Aussagen vom 22. April zu den Grenzen älterer Hardware-Generationen.

Der Wettlauf um die Zukunft des autonomen Fahrens in Europa hat längst begonnen – und er wird auf mehreren Ebenen ausgetragen: technologisch, regulatorisch und juristisch.

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