ADHS, Erstdiagnosen

ADHS: 202.000 Erstdiagnosen zeigen Unterdiagnose-Korrektur

Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Zahl der ADHS-Erstdiagnosen bei Kindern und Jugendlichen ist 2024 um 16 Prozent gestiegen. Besonders betroffen sind 10- bis 14-JĂ€hrige, und MĂ€dchen holen auf.

ADHS-Erstdiagnosen 2024: Deutlicher Anstieg bei Kindern und Jugendlichen
Medizinische Unterlagen und ein Stethoskop auf einem Schreibtisch in einer Arztpraxis. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die Zahl der ADHS-Erstdiagnosen bei Kindern und Jugendlichen ist im Jahr 2024 deutlich gestiegen. Einer Auswertung der DAK-Gesundheit zufolge wurden in Deutschland rund 202.000 FĂ€lle neu diagnostiziert – ein Plus von 16 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren.

Besonders stark betroffen: 10- bis 14-JĂ€hrige

Die grĂ¶ĂŸte Zunahme verzeichnet die Altersgruppe der 10- bis 14-JĂ€hrigen. Hier stiegen die Diagnosen um 22 Prozent, statistisch gesehen sind 18 von 1.000 Kindern dieser Altersstufe betroffen. Bei den 5- bis 9-JĂ€hrigen liegt die Quote mit 24 von 1.000 Kindern sogar noch etwas höher.

Experten der Berliner Charité sehen darin keine Modediagnose. Vielmehr handle es sich um die Korrektur einer langjÀhrigen Unterdiagnostik.

MĂ€dchen holen auf

Besonders auffĂ€llig: Die Diagnosezahlen bei MĂ€dchen steigen deutlich schneller als bei Jungen. WĂ€hrend Jungen mit rund 136.500 FĂ€llen weiterhin doppelt so oft betroffen sind wie MĂ€dchen (65.000 FĂ€lle), betrĂ€gt der Zuwachs bei MĂ€dchen 21 Prozent – bei Jungen sind es 14 Prozent. Seit 2020 liegt der Anstieg bei MĂ€dchen sogar bei 46 Prozent.

Der Grund: ADHS-Symptome fallen bei MĂ€dchen hĂ€ufig unauffĂ€lliger aus und wurden in der Vergangenheit öfter ĂŒbersehen.

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Die Zahl der ADHS-Diagnosen bei Kindern steigt – 2024 wurden rund 202.000 FĂ€lle neu diagnostiziert. Viele Eltern fragen sich: Ist mein Kind betroffen? Unser kostenloser Ratgeber hilft Ihnen, Symptome frĂŒh zu erkennen und richtig zu handeln. Jetzt kostenlosen ADHS-Ratgeber anfordern

Auch bei Erwachsenen zeigt sich ein klarer Trend. FĂŒr 2024 weisen die Erhebungen 26,9 Diagnosen pro 10.000 MĂ€nner aus, bei Frauen sind es 24,8. Zum Vergleich: 2015 lagen die Werte noch bei 11,1 beziehungsweise 6,7.

UnterschÀtzte Risiken

ADHS ist eine chronische neurologische Entwicklungsstörung, die auf einem Problem im Dopamin-Stoffwechsel basiert. Die Erblichkeit wird auf 77 bis 88 Prozent geschÀtzt. Bei 60 bis 80 Prozent der Betroffenen bleiben die Symptome bis in die Adoleszenz bestehen, bei gut der HÀlfte bis ins Erwachsenenalter.

Ein besonderes Risiko: Begleiterkrankungen. Viele Betroffene versuchen, ihre Symptome durch Selbstmedikation zu lindern – das erhöht die Gefahr fĂŒr Suchterkrankungen. SchĂ€tzungen zufolge entwickelt jede zweite Person mit ADHS im Laufe des Lebens eine AbhĂ€ngigkeit. So weist etwa jeder vierte AlkoholabhĂ€ngige und jede dritte Person mit Kokainsucht ein oft unerkanntes ADHS auf.

Neue Therapien in Sicht

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ADHS wird bei MĂ€dchen oft ĂŒbersehen – die Diagnosen steigen hier besonders stark. Wenn Sie bei Ihrer Tochter Konzentrationsprobleme oder ImpulsivitĂ€t beobachten, sollten Sie genauer hinschauen. Unser Leitfaden zeigt, wie Sie Warnsignale deuten und UnterstĂŒtzung finden. ADHS-Leitfaden fĂŒr Eltern jetzt sichern

Medikamente wie Methylphenidat schlagen bei rund 75 Prozent der Patienten an. Parallel laufen Studien zu neuen Wirkstoffen: Das Unternehmen Axsome Therapeutics hat eine Phase-3-Studie fĂŒr Solriamfetol gestartet. Daran nehmen 468 Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren teil, um Wirksamkeit und Sicherheit ĂŒber sechs Wochen zu prĂŒfen.

Neben Medikamenten setzen Fachleute auf Lebensstilfaktoren. Ausreichend Sonnenlicht, regelmĂ€ĂŸige Bewegung und ein strukturierter Schlafrhythmus können die Symptomatik bei Kindern erheblich mildern. Angesichts einer weltweiten PrĂ€valenz von etwa 7,2 Prozent fordern Experten zudem eine bessere globale Diagnostik – in LĂ€ndern wie China erhĂ€lt bislang nur ein Bruchteil der Betroffenen eine adĂ€quate Behandlung.

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