ADHS-Behandlung: Hunde senken Medikamentenbedarf um 50%
14.06.2026 - 21:10:38 | boerse-global.de
Neben klassischen Medikamenten setzen Ărzte zunehmend auf Neurofeedback, tiergestĂŒtzte Therapie und spezielle Trainings fĂŒr LehrkrĂ€fte. Aktuelle Studien und Leitlinien zeigen, wohin die Reise geht.
Neurofeedback und Hirnstimulation
Ein zentrales Element der modernen ADHS-Behandlung ist das Neurofeedback. In der Praxis kommen vor allem zwei Verfahren zum Einsatz: das ILF-Neurofeedback (Infra-Low Frequency) und das SCP-Neurofeedback (Slow Cortical Potentials). Letzteres wird in der S3-Leitlinie der AWMF explizit als Behandlungsoption genannt.
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ErgĂ€nzend nutzen Therapeuten die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS). Sie soll die SelbstregulationsfĂ€higkeit des Gehirns verbessern. Da ADHS hĂ€ufig mit Schlafstörungen einhergeht â rund 30 Prozent der Erwachsenen schnarchen oder leiden unter AtemstillstĂ€nden â, gewinnen diagnostische Verfahren wie die ambulante Polygraphie an Bedeutung.
Hunde als Therapeuten
Klinische Studien aus Spanien zeigen Ăberraschendes: TiergestĂŒtzte Interventionen können den Medikamentenbedarf senken. Eine Untersuchung des Hospital de TorrejĂłn in Madrid belegt, dass ĂŒber die HĂ€lfte der Patienten mit ADHS, leichter geistiger Behinderung oder Depressionen ihre Dosis nach sechsmonatiger Therapie mit Hunden reduzieren konnte.
Die Einheiten finden ein- bis zweimal pro Woche statt, dauern 50 bis 55 Minuten und zielen auf emotionale, kognitive und soziale FÀhigkeiten ab. Besonders geeignet sei der Deutsche SchÀferhund, so die Studie.
LehrkrÀfte im Fokus
Wie fair sind Lehrer bei der Gymnasialempfehlung? Eine Studie von Klapproth und Brink aus dem Jahr 2024 mit 46 LehrkrĂ€ften gibt Entwarnung: Die ADHS-Diagnose selbst hatte keinen negativen Einfluss. Entscheidend waren die Durchschnittsnote und das Verhalten der SchĂŒler.
Allerdings zeigen sich Geschlechterstereotype: Bei leistungsschwachen Jungen reagierten Lehrer nachsichtiger als bei MĂ€dchen mit gleicher Leistung. Bei leistungsstarken MĂ€dchen bewerteten sie das Verhalten strenger.
Die Fortbildungsangebote fĂŒr PĂ€dagogen steigen deshalb. Ab Juni 2026 gibt es vermehrt Programme zu Lernstörungen, Grafomotorik und dem Marburger Verhaltenstraining.
Internationale Versorgungsmodelle
Die strukturelle Versorgung bleibt eine Herausforderung. Bereits 2015 verabschiedete der spanische Senat einstimmig eine Initiative zur Vereinheitlichung der Standards â vor allem beim Ăbergang von der Kinder- zur Erwachsenenpsychiatrie. SchĂ€tzungen zufolge sind fĂŒnf bis zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen betroffen, Jungen dreimal hĂ€ufiger als MĂ€dchen. Etwa die HĂ€lfte zeigt auch im Erwachsenenalter Symptome.
In den USA verschreiben 14 Bundesstaaten, darunter Kalifornien und Oregon, Cannabis an Jugendliche mit ADHS. Mediziner sehen das kritisch: Der Konsum könne Konzentration und GedĂ€chtnis beeintrĂ€chtigen â das Gegenteil des Behandlungsziels.
Aufmerksamkeit als begrenzte Ressource
Die Forschung definiert Aufmerksamkeit als mentale Ressource mit verschiedenen Modi â selektiv, geteilt oder exekutiv. Stress, Schlafmangel und Motivation beeinflussen die LeistungsfĂ€higkeit massiv.
Die Wissenschaft bestĂ€tigt, dass Aufmerksamkeit keine unendliche Ressource ist â gezieltes Training kann jedoch helfen, die geistige Fitness nachhaltig zu fördern. Entdecken Sie 11 einfache Ăbungen, mit denen Sie Ihre Konzentration stĂ€rken und mental belastbar bleiben. Kostenlosen PDF-Ratgeber fĂŒr mentales Training herunterladen
Experten empfehlen deshalb: Ablenkungen reduzieren, Aufgaben in fokussierte Blöcke strukturieren und Gedanken extern erfassen. Und vor allem: Weniger Multitasking. Das entlastet die exekutiven Funktionen und verbessert die kognitive Kontrolle.
