ADHS bei Kindern: DÀnische NeuntklÀssler erhalten 50 Prozent hÀufiger Diagnosen
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 14:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Berichte und wissenschaftliche Untersuchungen zeigen eine signifikante Zunahme von Diagnosen der Aufmerksamkeitsdefizit-/HyperaktivitĂ€tsstörung (ADHS) bei Kindern und Jugendlichen. Dabei rĂŒcken verstĂ€rkt die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sowie der Einfluss institutioneller Rahmenbedingungen in den Fokus der Fachwelt.
Regionale Entwicklungen und schulische Rahmenbedingungen
In Hamburg ist laut einem Bericht vom 28.09.2026 ein deutlicher Anstieg der ADHS-Diagnosen bei Kindern zu beobachten. WĂ€hrend die DiagnosehĂ€ufigkeit bei Jungen weiterhin auf einem hohen Niveau liegt, wird in der Berichterstattung betont, dass die Störung bei MĂ€dchen oft unentdeckt bleibt. Dies deutet auf eine geschlechtsspezifische WahrnehmungslĂŒcke hin, die eine zeitnahe Identifizierung erschweren kann.
GrenzĂŒberschreitend zeigen Daten aus DĂ€nemark, dass NeuntklĂ€ssler heute 50 % hĂ€ufiger eine Diagnose erhalten als noch vor zehn Jahren. Der Anteil der betroffenen SchĂŒler liegt dort je nach Kommune zwischen 3 % und 10 %.
Ein Forschungsprojekt unter der Leitung von VIVE liefert hierzu einen ErklĂ€rungsansatz: In Kommunen, in denen eine formale Diagnose die Voraussetzung fĂŒr den Erhalt schulischer Sonderangebote ist, fĂ€llt der Anstieg der ADHS- und Autismusdiagnosen doppelt so hoch aus wie in anderen Gebieten.
Dynamik bei Diagnosen und Medikamentenverschreibungen
In Norwegen verdeutlicht der Gesundheitsbericht 2025 eine besonders starke Entwicklung bei weiblichen Jugendlichen. Demnach hat sich die Zahl der MĂ€dchen im Teenageralter mit einer ADHS-Diagnose im Zeitraum von 2010 bis 2022 verdreifacht.
SchĂ€tzungsweise sind in Norwegen insgesamt 3â5 % der Kinder und Jugendlichen von der Störung betroffen. Experten weisen darauf hin, dass die genauen Ursachen fĂŒr diesen Anstieg noch nicht abschlieĂend geklĂ€rt sind.
Die Zahl der ADHS-Diagnosen bei Kindern und Jugendlichen steigt seit Jahren deutlich â doch viele MĂ€dchen bleiben unentdeckt, weil ihre Symptome anders aussehen. Wer frĂŒh hinschaut, kann sein Kind gezielt begleiten. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, worauf Sie achten sollten und welche Schritte wirklich helfen. ADHS-Leitfaden fĂŒr Eltern jetzt anfordern
Parallel zur DiagnosehÀufigkeit steigt der Bedarf an medikamentöser Behandlung. Laut Daten von News1 nahmen die Verschreibungen von ADHS-Medikamenten innerhalb von drei Jahren insgesamt um 57,5 % zu. Besonders markant ist die Steigerung bei MÀdchen bis zum Alter von 19 Jahren, wo ein Zuwachs von 105,4 % verzeichnet wurde.
Auch bei Erwachsenen in ihren 30ern stiegen die Verschreibungen im selben Zeitraum auf das 2,2-Fache. In diesem Zusammenhang forderte der Abgeordnete Heo Jong-sik eine genaue Analyse der Ursachen, da Sorge vor einem möglichen Missbrauch der Medikamente als Lernmittel bestehe.
Wissenschaftliche Erkenntnisse zur FrĂŒherkennung
Eine in der Fachzeitschrift JAMA Psychiatry veröffentlichte Studie von ISGlobal und der UniversitĂ€t Aarhus liefert weitere Einblicke in die langfristige Entwicklung. Im Rahmen eines dĂ€nischen Registerprojekts wurden Daten von mehr als 2,1 Mio. Kindern und Jugendlichen ausgewertet. Dabei wurden rund 71.000 Personen, die zwischen 2012 und 2022 eine ADHS- oder Autismusdiagnose erhielten, mit einer Kontrollgruppe von ĂŒber 713.000 Personen verglichen.
Die Untersuchung ergab, dass der Risikounterschied fĂŒr eine Diagnose, der mit einem niedrigen Geburtsgewicht korreliert, von ursprĂŒnglich 54 % zu Beginn des Untersuchungszeitraums auf 17 % am Ende sank. Die Studienautoren interpretieren diesen Wandel als Ergebnis einer verbesserten FrĂŒherkennung. Hinweise auf eine generelle Ăberdiagnostik lieferten die Daten laut den Forschern hingegen nicht.
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Herausforderungen beim Zugang zu Spezialdiensten
Trotz der steigenden Diagnosezahlen berichten Medien wie Dagsavisen ĂŒber HĂŒrden im Gesundheitssystem. Viele Erwachsene erhalten bei öffentlichen Spezialdiensten Absagen und weichen daher auf private AbklĂ€rungen aus. Diese Entwicklung fĂŒhrt zu einer ungleichen Verteilung beim Zugang zu entsprechenden Untersuchungen, da private Leistungen oft mit höheren Kosten verbunden sind.
