ADHS, Neudiagnosen

ADHS bei Kindern: Neudiagnosen steigen um 18–24% regional

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

DAK-Daten zeigen mehr ADHS-Erstdiagnosen bei jungen Menschen. Besonders MÀdchen verzeichnen ZuwÀchse, wÀhrend Therapie- und Schulhilfen fehlen.

ADHS-Neudiagnosen steigen: Versorgung gerÀt regional unter Druck
Ein leerer Schreibtisch in einem hellen, modernen Klassenzimmer mit natĂŒrlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Auswertungen von Krankenkassendaten und Medienberichte verdeutlichen eine Zunahme von ADHS-Neudiagnosen bei jungen Menschen in Deutschland. Die Entwicklungen der letzten Jahre zeigen dabei nicht nur steigende Fallzahlen, sondern auch eine wachsende Belastung der Versorgungssysteme und des schulischen Umfelds. Experten und Institutionen fordern verstĂ€rkt eine frĂŒhzeitige UnterstĂŒtzung, um der KomplexitĂ€t neurodivergener Entwicklungen gerecht zu werden.

Regionale Entwicklungen und geschlechtsspezifische Unterschiede

Daten der DAK-Gesundheit fĂŒr das Jahr 2024 belegen signifikante ZuwĂ€chse bei den Neudiagnosen in verschiedenen BundeslĂ€ndern. In Rheinland-Pfalz stieg die Zahl der Erstdiagnosen im Vergleich zum Vorjahr um 18 %.

Hochgerechnet waren dort rund 11.700 junge Menschen betroffen. Dabei zeigte sich eine auffÀllige Differenz zwischen den Geschlechtern: WÀhrend bei den Jungen rund 7.600 Neudiagnosen verzeichnet wurden (ein Plus von 11 %), stieg die Zahl bei den MÀdchen um 33 % auf etwa 4.000 FÀlle an.

Insgesamt befinden sich in diesem Bundesland 6,4 % der 3- bis 17-JĂ€hrigen in einer ADHS-Versorgung, was einer Gesamtzahl von 37.400 Kindern und Jugendlichen entspricht.

Ein Ă€hnlicher Trend zeichnet sich in Schleswig-Holstein ab. Dort stiegen die Neudiagnosen laut DAK-Gesundheit im Jahr 2024 um 24 % gegenĂŒber dem Vorjahr, wobei hochgerechnet 7.200 junge Menschen eine entsprechende Diagnose erhielten.

Auch hier fiel die Steigerungsrate bei den MÀdchen mit 32 % deutlich höher aus als bei den Jungen (21 %), wenngleich Jungen in der Gesamtzahl weiterhin mehr als doppelt so oft betroffen sind. In Schleswig-Holstein nehmen aktuell 4,9 % der 3- bis 17-JÀhrigen eine entsprechende medizinische Versorgung in Anspruch.

Definition und gesellschaftliche Einordnung der Neurodivergenz

In der aktuellen Fachdiskussion wird ADHS zunehmend unter dem Oberbegriff der Neurodivergenz betrachtet. Dieser umfasst neben ADHS auch Autismus oder Tourette.

Berichten zufolge handelt es sich dabei nicht um einen klinischen Diagnosebegriff, sondern um eine Beschreibung unterschiedlicher neurologischer Funktionsweisen. Entscheidend fĂŒr eine therapeutische Intervention sei weniger das einzelne Verhalten als vielmehr der individuelle Leidensdruck der Betroffenen.

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Immer mehr Kinder erhalten die Diagnose ADHS – allein in Rheinland-Pfalz stieg die Zahl der Neudiagnosen um 18 Prozent. FĂŒr Eltern bedeutet das oft lange Wartezeiten auf TherapieplĂ€tze und bĂŒrokratische HĂŒrden bei der Schulbegleitung. Unser Ratgeber zeigt, wie Sie den Alltag mit Ihrem Kind erleichtern und die richtige UnterstĂŒtzung finden. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern

SchĂ€tzungen der Expertin Saskia Niechzial gehen davon aus, dass bis zu 25 % aller Kinder neurodivergent sein könnten, was neben ADHS und Autismus auch Legasthenie einschließt. Vor diesem Hintergrund wird die Forderung nach einer besseren UnterstĂŒtzung im Schulalltag laut.

Auch Organisationen wie der Katholische Familienverband Österreich widmen sich diesem Thema und stellen Informationsmaterialien zur VerfĂŒgung, um Familien beim Übergang in den Schulalltag zu unterstĂŒtzen.

EngpÀsse in der therapeutischen und schulischen Versorgung

Trotz steigender Diagnosezahlen bleibt der Zugang zu adÀquater Hilfe oft schwierig. Ein Fall aus dem UnterallgÀu illustriert die prekÀre Lage: Ein achtjÀhriger Junge mit ADHS- und Autismus-Diagnose konnte seit Juni keinen regulÀren Schulplatz mehr wahrnehmen. Die Suche der Familie nach einem Therapieplatz blieb trotz der Kontaktierung von 25 Praxen aufgrund langer Wartelisten erfolglos.

Zudem wĂ€chst der Bedarf an Schulbegleitern fĂŒr Kinder mit Behinderungen oder VerhaltensauffĂ€lligkeiten, etwa in Regionen wie Rendsburg-Eckernförde und Kiel. Eltern sehen sich hier oft mit langwierigen Antragsverfahren bei JugendĂ€mtern oder SozialhilfetrĂ€gern sowie einem ausgeprĂ€gten FachkrĂ€ftemangel konfrontiert.

Finanzielle Auswirkungen auf die Kommunen

Die steigenden Anforderungen spiegeln sich auch in den öffentlichen Haushalten wider. Der Bremer Senat beschloss zusĂ€tzliche Mittel fĂŒr Schulassistenzen, da die Zahl der SchĂŒler mit dem Förderbedarf "Geistige Entwicklung" (GE) um 23 % auf 1.350 gestiegen ist.

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Die Anzahl der entsprechenden Lerngruppen verdoppelte sich nahezu von 46 auf 81. Der zusĂ€tzliche Finanzbedarf wird auf bis zu 27,2 Millionen Euro beziffert. FĂŒr das Jahr 2025 sind Gesamtkosten von 51 Millionen Euro vorgesehen, nachdem diese im Zeitraum 2023/24 noch bei 37 Millionen Euro lagen.

Über den schulischen Bereich hinaus entstehen neue UnterstĂŒtzungsangebote fĂŒr Erwachsene. So initiiert die Selbsthilfekontaktstelle Wuppertal Anfang September eine neue Gruppe fĂŒr berufstĂ€tige Frauen mit ADHS oder entsprechendem Verdacht, um dem Bedarf an Austausch im beruflichen Kontext zu begegnen.

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