ADHS-Diagnose, Kognitives

ADHS-Diagnose: Kognitives Risiko bleibt nach Bereinigung dreifach erhöht

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 18:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine US-Beobachtungsstudie verknĂŒpft ADHS im höheren Alter mit mehr kognitiven BeeintrĂ€chtigungen; ein ursĂ€chlicher Zusammenhang bleibt ungeklĂ€rt.

ADHS ab 50: Studie findet erhöhtes Risiko fĂŒr MCI und Demenz
Abstrakte Darstellung neuronaler Lichtbahnen in einem dunklen Raum als Symbol fĂŒr neurologische Prozesse. Illustration mit AI erstellt.

Eine Veröffentlichung in der Fachzeitschrift JAMA Psychiatry vom 7. Oktober 2026 lenkt den Blick auf mögliche langfristige neurologische Folgen von Aufmerksamkeitsdefizit-/HyperaktivitÀtsstörungen (ADHS).

Eine Untersuchung der University of Pittsburgh anhand von 187.341 Teilnehmenden der US-amerikanischen All-of-Us-Initiative im Alter ab 50 Jahren ergab einen statistischen Zusammenhang zwischen einer ADHS-Diagnose und einem erhöhten Auftreten von leichter kognitiver BeeintrÀchtigung (MCI) sowie Demenzerkrankungen.

Die untersuchte Kohorte wies ein mittleres Alter von 56,4 Jahren und einen Frauenanteil von 57,3 % auf, bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 10,26 Jahren.

Insgesamt lag bei 3.026 Personen (1,6 %) eine ADHS-Diagnose vor. In dieser Gruppe traten MCI oder Demenz bei 6,7 % der Betroffenen auf, verglichen mit 3,4 % bei Teilnehmenden ohne ADHS.

Statistische ZusammenhÀnge und genetische Risikomuster

Im PrimĂ€rmodell der Forschenden war eine ADHS-Diagnose mit einer Hazard Ratio (HR) von 4,60 fĂŒr das Auftreten von MCI oder Demenz verbunden. Auch nach der statistischen Bereinigung um somatische Begleiterkrankungen blieb das VerhĂ€ltnis bei 4,04 erhöht.

Nach der BerĂŒcksichtigung neuropsychiatrischer Begleiterkrankungen betrug die HR 3,19, und unter Einbezug umfassender Einflussfaktoren lag der Wert bei 3,08. Betrachteten die Wissenschaftler die ZielgrĂ¶ĂŸen separat, ergab sich fĂŒr Demenz allein eine Hazard Ratio von 3,07, wĂ€hrend der Wert fĂŒr MCI bei 3,83 lag.

Anzeige

Wer sich mit den statistischen Risikofaktoren fĂŒr kognitive BeeintrĂ€chtigungen befasst, möchte oft auch die eigene geistige Fitness aktiv unterstĂŒtzen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen 11 praktische AlltagsĂŒbungen, mit denen Sie Konzentration und GedĂ€chtnis gezielt stĂ€rken können. 11 AlltagsĂŒbungen zur Demenzvorbeugung kostenlos entdecken

ZusÀtzlich analysierte die Arbeitsgruppe genetische Daten. Beim Vergleich des höchsten mit dem niedrigsten ADHS-Polygenic-Risk-Quintil zeigte sich eine HR von 1,35, was einer um 35 % höheren Inzidenz kognitiver BeeintrÀchtigungen entspricht.

Bei einem zeitlichen Abstand von mindestens acht Jahren zwischen der ADHS-Feststellung und der kognitiven Diagnose blieb der Zusammenhang mit einer HR von 1,44 statistisch signifikant. Bei einem Intervall von neun Jahren lag die HR bei 1,28 und erreichte keine statistische Signifikanz mehr.

UngeklÀrte KausalitÀt und Auswirkungen auf die Versorgung

Die Forschenden der University of Pittsburgh betonten am 7. Oktober 2026, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handele. Die Daten belegen keine Ursache-Wirkungs-Beziehung, und die biologischen Mechanismen sowie eine mögliche KausalitÀt bleiben ungeklÀrt.

Auch der Einfluss medikamentöser Therapien auf spĂ€tere kognitive VerlĂ€ufe ist offen; ĂŒberzeugende Belege fĂŒr eine entsprechende Wirkung fehlen bislang. Das Forschungsteam forderte dennoch eine kognitive Überwachung von Erwachsenen mit ADHS.

Betroffene, die gleichzeitig unter ADHS und kognitiven BeeintrÀchtigungen litten, wiesen laut der Auswertung eine schlechtere psychische Gesundheit, eine geringere LebensqualitÀt und eine verminderte soziale Zufriedenheit auf. Zudem nahmen sie im Jahr nach der Diagnose rund 20 % mehr Gesundheitsversorgung beziehungsweise Arztkontakte in Anspruch.

Anzeige

Oft ist es im Alltag schwer einzuschÀtzen, ob eine zunehmende Vergesslichkeit noch im normalen Rahmen liegt oder ein Warnsignal darstellt. Mit einem anonymen 2-Minuten-Selbsttest erhalten Sie eine erste, diskrete EinschÀtzung zu möglichen Anzeichen. Hier den kostenlosen Demenz-Selbsttest starten

Fachliche Einordnung und diagnostische HĂŒrden

Vor dem Hintergrund wachsender Aufmerksamkeit forderte der Expertenrat ADHS, einen geĂ€ußerten Verdacht auf die Störung nicht vorschnell abzutun, sondern ergebnisoffen und fachlich fundiert abzuklĂ€ren.

Eine Diagnostik mĂŒsse die individuelle Entwicklung seit der Kindheit und Jugend, BeeintrĂ€chtigungen in mehreren Lebensbereichen sowie alternative oder zusĂ€tzliche Ursachen einbeziehen. Reine Selbsttests könnten eine fachĂ€rztliche Untersuchung nicht ersetzen.

Aus der Praxis einer Erwachsenenambulanz hieß es dazu, dass sich ein entsprechender Verdacht dort bei weniger als der HĂ€lfte der untersuchten Personen bestĂ€tigte.

Zugleich seien die ErstgesprĂ€che an der Einrichtung binnen eines Jahres um 60 % gestiegen, was jedoch nicht automatisch eine Zunahme psychischer Erkrankungen bedeute. Aus einer Kinder- und Jugendambulanz wurde berichtet, dass bei MĂ€dchen der vorwiegend unaufmerksame ADHS-Typ hĂ€ufig ĂŒbersehen werde.

WĂ€hrend fĂŒr Mediennutzung kein ursĂ€chlicher Zusammenhang mit ADHS belegt ist, kann Schlafmangel die Konzentration beeintrĂ€chtigen. Die Wartezeiten an den Ambulanzen bleiben angespannt: Sie liegen bei rund 20 Wochen bis zum ersten Behandlungstermin und bei mehr als sechs Monaten bis zur eigentlichen Diagnostik.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70281521 |