ADHS-Diagnosen, Verdreifachung

ADHS-Diagnosen: Verdreifachung in zehn Jahren, Versorgung hinkt hinterher

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 05:02 Uhr, Redaktion boerse-global.de

ADHS-Diagnosen bei Erwachsenen verdreifacht, aber nur 0,7 Prozent werden behandelt. Neue Studien und digitale Tools sollen die Versorgung verbessern.

ADHS-Diagnosen bei Erwachsenen: Versorgungslücke und neue Therapien
ADHS-Diagnosen - Eine Person betrachtet einen Bildschirm mit abstrakt fließenden digitalen Daten, die digitale Gesundheitslösungen und ADHS-Therapien symbolisieren. 08.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während immer mehr Menschen eine Diagnose erhalten, bleibt die Lücke zwischen tatsächlicher und diagnostizierter Erkrankung groß. Laut Alexandra Philipsen von der Uniklinik Bonn liegt der Anteil diagnostizierter Erwachsener bei etwa 0,7 Prozent – geschätzt sind aber 2,5 Prozent betroffen.

Die Gefahr von Selbstdiagnosen

Soziale Medien treiben den Trend zur Selbstdiagnose. Ein Problem: 10 bis 20 Prozent dieser Selbstdiagnosen erweisen sich als falsch. Das wurde Anfang Juli 2026 in einem Fachgespräch deutlich.

Fachärzte warnen vor voreiligen Schlüssen. Kernsymptom einer klinisch relevanten ADHS sind starke Aufmerksamkeitsprobleme mit massiven Alltagsbeeinträchtigungen. Eine professionelle Diagnostik erreicht laut Experten eine Sicherheit von 99 Prozent – und ist damit unverzichtbar.

Warum digitale Therapien scheitern

Digitale Gesundheitsangebote haben ein massives Problem: Die Abbruchraten sind hoch. Das Projekt PANDORA will die Ursachen erforschen.

Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) fördert das Vorhaben mit 1,51 Millionen Euro – Laufzeit bis Mai 2029. Konsortialführerin ist Dr. Anna Bußmann vom Essener Forschungsinstitut für Medizinmanagement. Beteiligt sind die LVR-Universitätsklinik Essen, die Universität Duisburg-Essen und die Techniker Krankenkasse.

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Das Teilprojekt in Essen erhält rund 736.000 Euro. Ziel: Faktoren identifizieren, die die Therapietreue bei digitalen Anwendungen steigern. Die Ergebnisse könnten die Gestaltung künftiger digitaler Interventionen für chronische Erkrankungen wie ADHS grundlegend verändern.

Neue Technik für den Behandlungsalltag

Die elektronische Patientenakte (ePA) bekommt seit Anfang Juli 2026 neue Funktionen. Ab Mitte Juli soll ein elektronischer Medikationsplan (eMP) institutionsübergreifend die gesamte Medikation abbilden – inklusive frei verkäuflicher Präparate und Betäubungsmittel.

Für ADHS-Patienten ist das relevant: Die Dokumentation von Psychostimulanzien wird zentralisiert und für alle Behandler einsehbar.

Gleichzeitig gewinnen KI-gestützte Systeme an Bedeutung. Auf Fachkonferenzen 2026 spielten lokale Sprachmodelle wie Google Gemma 4 und neue Betriebssystemfunktionen (Android 17) eine Rolle. Auch Wearables sollen helfen: Eine für Juli 2026 angekündigte Smartwatch von Hama verspricht kontinuierliches Tracking für personalisierte Therapieansätze.

Neue Erklärungsmodelle und Behandlungsansätze

In der Wissenschaft wird über neue ADHS-Modelle diskutiert. Mohammad Dawood Rahimi von der FU Berlin schlägt das Modell der „Energy Deficit Hyperactivity Disorder“ (EDHD) vor. Demnach könnte ADHS auf einer instabilen Energieversorgung des Gehirns beruhen – basierend auf Auffälligkeiten im Glukosestoffwechsel und den Mitochondrien.

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Auch zur medikamentösen Therapie gibt es neue Daten. Eine finnische Studie aus dem Jahr 2026 in JAMA Psychiatry mit 700.000 Personen deutet darauf hin: Die Behandlung mit Methylphenidat bei Kindern senkt das spätere Risiko für Psychosen – indirekt durch Schutz vor Substanzmissbrauch.

Eine Studie aus Sri Lanka vom Mai 2026 untersuchte die Kombination von L-Theanin und Koffein. Bei Jugendlichen verbesserte sie die Aufmerksamkeit in einem Maße, das mit herkömmlichen Stimulanzien vergleichbar war.

Die Behandlung von ADHS im Erwachsenenalter wird komplexer. Präzise Diagnostik, digitale Unterstützung und neue neurobiologische Erkenntnisse müssen künftig enger verzahnt werden.

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