ADHS: Suizidrisiko liegt laut Metaanalyse um 90 Prozent höher
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 03:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine umfangreiche wissenschaftliche Untersuchung widmet sich den langfristigen gesundheitlichen Risiken von Aufmerksamkeitsdefizit-/HyperaktivitÀtsstörungen (ADHS).
Eine im Fachjournal JAMA Network Open publizierte Metaanalyse von Forschenden des University College London und der University of Liverpool zeigt auf, dass eine ADHS-Diagnose mit einer um 70 Prozent höheren GesamtmortalitÀt im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung assoziiert ist.
Die Analyse basiert auf 19 longitudinalen Kohortenstudien aus Europa, Asien und Nordamerika und schlieĂt Daten von etwa 15,9 Millionen bis 16 Millionen Menschen ein, die teilweise ĂŒber ZeitrĂ€ume von bis zu 20 Jahren beobachtet wurden.
Suizide und Verletzungen treiben das Risiko
Bei der AufschlĂŒsselung nach einzelnen Todesursachen stach insbesondere die SuizidmortalitĂ€t hervor: Menschen mit ADHS wiesen hier ein um 90 Prozent höheres Sterberisiko auf, was den stĂ€rksten Anstieg unter allen untersuchten Ursachen darstellte. Auch die Sterblichkeit durch Verletzungen â sowohl akzidenteller als auch intentionaler Natur â lag bei Betroffenen um 55 Prozent höher.
Neuere Erkenntnisse liefert die Auswertung zudem bei natĂŒrlichen Todesursachen. Diese lagen bei ADHS-Betroffenen um 27 Prozent ĂŒber dem Durchschnitt, bedingt unter anderem durch kardiovaskulĂ€re und metabolische Erkrankungen sowie Tumore. Ein derartiger Befund war in frĂŒheren Ăbersichtsarbeiten noch nicht festgestellt worden.
Einflussfaktoren und begleitende Erkrankungen
Als ErklĂ€rungen fĂŒr die festgestellte Ăbersterblichkeit verweisen Fachleute auf ein BĂŒndel verschiedener Faktoren. Dazu zĂ€hlen hĂ€ufiger auftretende Begleiterkrankungen im Bereich von Herz-Kreislauf, Stoffwechsel und Diabetes, aber auch Verhaltensweisen wie Rauchen und Alkoholkonsum sowie strukturelle Barrieren beim Zugang zur medizinischen Versorgung.
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Ebenso spielen psychische und verhaltensbezogene Aspekte wie ImpulsivitÀt, Unaufmerksamkeit, ein erhöhtes Suchtrisiko und chronischer Stress eine Rolle.
Zwar sind die Diagnoseraten insgesamt gestiegen, dennoch erfolge insbesondere in höheren Altersgruppen hĂ€ufig keine korrekte Diagnose. Forschende betonen daher die Bedeutung einer zeitigen Diagnosestellung und einer frĂŒhzeitigen Behandlung sowie das gezielte Management von Begleiterkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und Substanzgebrauchsstörungen.
Rolle der Medikation und ganzheitliche Betreuung
Die Metaanalyse untersuchte auch den potenziellen Einfluss medikamentöser Therapien. Eine entsprechende ADHS-Behandlung war mit einer geschÀtzt 25 Prozent geringeren Sterblichkeit aus allen Ursachen verbunden.
Allerdings basiert diese Evidenz lediglich auf drei der 19 analysierten Studien und gilt als vorlÀufig; eine KausalitÀt ist damit nicht nachgewiesen. Zudem differenzierte die Untersuchung nicht zwischen verschiedenen Medikamententypen, weshalb die Langzeitwirkung weiterer Forschung bedarf.
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Hauptautor Joshua Stott vom University College London stellte klar, dass die Befunde keineswegs bedeuteten, dass jede betroffene Person frĂŒh sterben werde. ADHS an sich begrenze die Lebenserwartung nicht; entscheidend sei vielmehr der Zugang zu einer adĂ€quaten medizinischen Versorgung. Die Forscherin Lucy Corrigan ergĂ€nzte hierzu, dass Medikation nur einen Teil der Intervention darstelle und eine ganzheitliche Langzeitbetreuung erforderlich sei.
Die Studienautoren fordern zudem standardisierte Forschungsmethoden. Die statistischen ZusammenhÀnge belegten nicht, dass die Störung selbst oder die Arzneimittel die direkte Ursache der MortalitÀt seien, da zahlreiche weitere medizinische, psychische und Verhaltensfaktoren das Bild beeinflussten.
