ADHS und Schmerzen: MuskulÀre Anspannung als Symptom erkannt
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 23:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der medizinischen Forschung und klinischen Praxis rĂŒckt die Verbindung zwischen der Aufmerksamkeitsdefizit-/HyperaktivitĂ€tsstörung (ADHS) und physischen Beschwerden verstĂ€rkt in den Fokus. Fachberichte von Ende Juli 2026 verdeutlichen, dass eine unerkannte oder unbehandelte ADHS-Erkrankung ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung und Aufrechterhaltung chronischer SchmerzzustĂ€nde sein kann. Insbesondere psychosomatische ZusammenhĂ€nge geben Aufschluss ĂŒber die körperlichen Manifestationen der neurobiologischen Störung.
MuskulÀre Hypertonie und somatische Symptome
Die FachĂ€rztin fĂŒr Psychosomatik Dr. Astrid Neuy-Lobkowicz identifiziert einen direkten Zusammenhang zwischen ADHS und verschiedenen Schmerzsyndromen wie MigrĂ€ne, RĂŒckenschmerzen, Reizdarmsyndrom und Fibromyalgie. Ein charakteristisches Merkmal vieler Betroffener sei eine ausgeprĂ€gte muskulĂ€re Anspannung, die oft als Muskeln wie Stahl beschrieben werde. Diese dauerhafte Anspannung resultiere aus der fĂŒr ADHS typischen inneren Unruhe und der stĂ€ndigen ReizĂŒberflutung, die sich in einer physischen Stressreaktion Ă€uĂere.
Laut Daten der Deutschen Schmerzgesellschaft ist die Zahl der chronischen Schmerzpatienten in Deutschland auf einem hohen Niveau. Fachleute weisen darauf hin, dass hartnĂ€ckige Schmerzen, die auf konventionelle Behandlungen nicht ansprechen, ein Indikator fĂŒr eine zugrunde liegende ADHS sein können. Die Diagnose dieser neurobiologischen Besonderheit bietet somit neue TherapieansĂ€tze fĂŒr Patienten, die oft jahrelange erfolglose Behandlungszyklen hinter sich haben.
Pharmazeutische Forschung und Wirksamkeit
Parallel zu den psychosomatischen Erkenntnissen liefern klinische Studien neue Daten zur medikamentösen Behandlung von ADHS. Das Unternehmen Cingulate veröffentlichte im Juli 2026 Ergebnisse einer Phase-3-Studie zum Wirkstoff CTx-1301 (Dexmethylphenidat). In der Untersuchung wurden drei Dosierungen (18,75 mg, 25 mg und 37,5 mg) gegen ein Placebo getestet.
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Die Ergebnisse im Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology zeigen signifikante Verbesserungen auf der ADHD-RS-5-Skala. Bei der Dosierung von 18,75 mg lag der p-Wert bei 0,018 mit einer EffektstĂ€rke von 0,737. Die 25-mg-Dosierung erreichte einen p-Wert von 0,011 bei einer EffektstĂ€rke von 0,782. Die höchste Dosierung von 37,5 mg wies einen p-Wert von 0,001 und eine EffektstĂ€rke von 1,185 auf. Die durchschnittliche EffektstĂ€rke ĂŒber alle Gruppen hinweg wurde mit 0,901 angegeben. Diese Daten unterstreichen das Potenzial einer zielgerichteten Pharmakotherapie, die indirekt auch zur Entlastung assoziierter physischer Beschwerden beitragen kann.
Ganzheitliche Behandlungsmodelle und PrÀvention
Die moderne Schmerztherapie orientiert sich zunehmend am biopsychosozialen Modell, wie es auch in der WHO-Richtlinie fĂŒr chronische RĂŒckenschmerzen aus dem Jahr 2023 verankert ist. In Deutschland sind nach SchĂ€tzungen des LMU Klinikums MĂŒnchen ĂŒber 20 Millionen Menschen von chronischen RĂŒckenschmerzen betroffen. Das dortige NeuroPain-Projekt nutzt innovative Verfahren wie funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) und fokussierten Ultraschall, um Schmerzregionen im Gehirn individuell zu kartieren und zu behandeln.
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ErgĂ€nzend zur apparativen und medikamentösen Therapie gewinnen verhaltensorientierte MaĂnahmen an Bedeutung. Experten des Schweizer Rundfunks betonten im Juli 2026, dass motorische Unruhe, das sogenannte Herumfingern, oft zur Stressreduktion dient. WĂ€hrend spezielle Hilfsmittel wie Fidget Toys die Konzentration laut Studien nicht nachweislich steigern, seien gezielte Bewegungspausen effektiver. Eine Steigerung der Herzfrequenz fĂŒr fĂŒnf bis zehn Minuten könne eine stressreduzierende Wirkung von bis zu zwei Stunden erzielen.
FĂŒr die PrĂ€vention und Begleittherapie werden zudem Entspannungsverfahren empfohlen. So bietet die Volkshochschule Vogelsbergkreis ab Ende August 2026 Kurse zur progressiven Muskelentspannung nach Jacobson an, um der chronischen Anspannung entgegenzuwirken. Die Relevanz einer frĂŒhzeitigen Diagnostik im Kindes- und Jugendalter wird zudem durch aktuelle Fachliteratur gestĂŒtzt, wie das im Juli 2026 im Hogrefe Verlag erschienene Fortsetzungswerk von Renate Drechsler, das umfassend ĂŒber Diagnostik und TherapieansĂ€tze informiert.
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