Adipositas, Treiber

Adipositas als Treiber schwerer Infektionen identifiziert

11.05.2026 - 14:29:52 | boerse-global.de

Eine Lancet-Studie belegt: Fettleibigkeit erhöht das Risiko für Krankenhausaufenthalte und Todesfälle durch Infektionen massiv und unabhängig von Begleiterkrankungen.

Adipositas als Treiber schwerer Infektionen identifiziert - Foto: ĂĽber boerse-global.de
Adipositas als Treiber schwerer Infektionen identifiziert - Foto: ĂĽber boerse-global.de

Über 540.000 Erwachsene wurden untersucht: Fettleibigkeit erhöht das Risiko für Krankenhausaufenthalte und Todesfälle durch Infektionen massiv.

Eine im Frühjahr im Fachjournal The Lancet veröffentlichte Studie zeigt: Menschen mit Adipositas landen deutlich häufiger mit Infektionen im Krankenhaus oder sterben daran. Das Risiko betrifft ein breites Spektrum von Erregern – von der saisonalen Grippe über Lungenentzündung bis zur Blutvergiftung. Neue biologische Erkenntnisse belegen zudem, dass das Immunsystem ein „Gedächtnis“ für überschüssiges Körpergewicht behält.

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Riesige Langzeitstudie belegt universelles Risiko

Die Grundlage der aktuellen Erkenntnisse bildet eine Multi-Kohorten-Studie vom Februar 2026. Forscher der Universität Helsinki und des University College London werteten Gesundheitsdaten von rund 67.000 finnischen Erwachsenen sowie fast 480.000 Teilnehmern der britischen UK Biobank aus. Die Probanden wurden im Schnitt 14 Jahre lang beobachtet.

Das Ergebnis zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen Body-Mass-Index (BMI) und Infektionsschwere:

  • BMI ab 30 (Adipositas Grad 1): 70 Prozent höheres Risiko fĂĽr Krankenhausaufenthalt oder Tod durch Infektionen
  • BMI ab 40 (Adipositas Grad 3): dreifach erhöhtes Risiko im Vergleich zu Normalgewichtigen

Besonders bemerkenswert: Die erhöhte Anfälligkeit beschränkt sich nicht auf einzelne Erreger. Die Forscher dokumentierten das Risiko bei 925 verschiedenen bakteriellen, viralen, parasitären und Pilzinfektionen. Besonders stark war der Zusammenhang bei Viruserkrankungen wie COVID-19 und Grippe. Auch Harnwegsinfekte, Magen-Darm-Erkrankungen und Hautinfektionen traten häufiger schwerwiegend auf. Ausnahmen waren selten – Tuberkulose und HIV folgten diesem Muster nicht.

Hunderttausende Todesfälle weltweit

Die Hochrechnung der Studiendaten auf die globale Sterblichkeit von 2023 ergibt alarmierende Zahlen: Rund 600.000 der 5,4 Millionen infektionsbedingten Todesfälle weltweit stehen demnach im Zusammenhang mit Adipositas – das entspricht 10,8 Prozent. Auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie 2021 lag dieser Anteil sogar bei schätzungsweise 15 Prozent.

Die regionalen Unterschiede sind enorm. In Ländern mit hohen Adipositasraten wie den USA war 2023 etwa jeder vierte infektionsbedingte Todesfall mit Übergewicht verbunden. In Großbritannien war es etwa jeder sechste. In Südasien und Teilen Südostasiens – etwa Vietnam – lag der Anteil dagegen unter fünf Prozent.

Entscheidend: Das erhöhte Risiko bleibt auch dann bestehen, wenn man Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Herzleiden sowie Lebensstilfaktoren wie Bewegung oder Alkoholkonsum statistisch herausrechnet. Adipositas wirkt als eigenständiger Risikofaktor für schwere Infektionen.

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Das Immunsystem vergisst Ăśbergewicht nicht

Warum sind Infektionen für Menschen mit Adipositas gefährlicher? Eine im April 2026 in EMBO Reports veröffentlichte Studie der Universität Birmingham liefert die biologische Erklärung. Forscher entdeckten, dass das Immunsystem eine Art „Gedächtnis“ für Übergewicht behält – und zwar durch epigenetische Veränderungen.

Im Fokus standen die Helfer-T-Zellen, die für die Koordination der Immunabwehr zentral sind. Adipositas führt zu DNA-Methylierungen – molekularen Markierungen auf den Genen –, die die Funktion dieser Zellen verändern. Diese epigenetische Prägung kann fünf bis zehn Jahre bestehen bleiben, selbst wenn jemand bereits Normalgewicht erreicht hat.

Die Folgen: Gestörte Autophagie (die zelluläre Müllabfuhr) und beschleunigte Immunalterung. Das erklärt, warum eine Gewichtsabnahme das Infektionsrisiko nicht sofort normalisiert.

Dennoch: Die Februar-Studie im Lancet fand auch positive Nachrichten. Menschen, die dauerhaft von einem adipösen in einen niedrigeren BMI-Bereich wechselten, senkten ihr Risiko für schwere Infektionen um 20 Prozent im Vergleich zu dauerhaft Adipösen. Wer dagegen von Übergewicht in die Adipositas abrutschte, erhöhte sein Risiko um 30 Prozent.

Was bedeutet das fĂĽr die Gesundheitspolitik?

Angesichts weltweit steigender Adipositasraten fordern Experten ein Umdenken in der Infektionsprävention. Dr. Solja Nyberg von der Universität Helsinki warnt: Die zunehmende Verbreitung von Übergewicht werde zwangsläufig zu mehr Krankenhauseinweisungen und Todesfällen durch Infektionen führen – wenn nicht gegengesteuert werde.

Im Fokus steht die Impfstrategie. Menschen mit Adipositas sollten alle empfohlenen Impfungen prioritär erhalten, da ihr Immunsystem möglicherweise zusätzliche Unterstützung braucht. Kliniker weisen zudem auf praktische Details hin: Bei der Impfung von Patienten mit höherem Körperfettanteil müssen ausreichend lange Nadeln verwendet werden, um das Muskelgewebe zu erreichen – ein in der Vergangenheit oft übersehener Faktor.

Hoffnung setzen Fachleute in die neuen hochwirksamen Abnehm-Medikamente, die GLP-1-Rezeptor-Agonisten. Erste Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die durch diese Präparate erreichte Gewichtsreduktion auch die Häufigkeit schwerer Infektionen senkt. Gesundheitspolitiker stehen nun vor der Aufgabe, den Zugang zu gesunder Ernährung und Bewegung zu verbessern und Adipositas als zentralen Risikofaktor in nationale Impfstrategien zu integrieren.

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