Adipositas in Europa: Acht Länder tragen Kosten von bis zu 1,4 Prozent des BIP
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 09:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die ökonomischen Auswirkungen von Übergewicht und Adipositas erreichen in Europa ein kritisches Ausmaß. Wie aus einer Studie des Office of Health Economics (OHE) im Auftrag des Pharmaverbands EFPIA hervorgeht, verursachen diese gesundheitlichen Herausforderungen in acht untersuchten europäischen Ländern jährliche Gesamtkosten, die zwischen 0,7 % und 1,4 % der jeweiligen Wirtschaftsleistung liegen. Betroffen von dieser Analyse sind Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Irland, Griechenland, Rumänien und das Vereinigte Königreich.
Regionale Kostenunterschiede und BIP-Belastung
Die absolute finanzielle Belastung variiert innerhalb der untersuchten Staaten erheblich. Laut dem Bericht vom 25. September 2026 trägt Deutschland mit 55,2 Mrd. Euro die höchste Gesamtsumme, gefolgt vom Vereinigten Königreich mit 43,2 Mrd. Euro. In Spanien, Italien und Frankreich belaufen sich die Kosten auf jeweils rund 20,0 Mrd. Euro, während Rumänien eine Belastung von etwa 2,5 Mrd. Euro (rund 11 Mrd. Lei) verzeichnet.
In Bezug auf den Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) weisen das Vereinigte Königreich und Griechenland mit jeweils 1,4 % die höchsten Werte auf. Deutschland folgt mit 1,3 %, während Spanien bei 1,2 % und Irland bei 1,1 % liegen.
In diesen Ländern übersteigen die durch Adipositas verursachten Kosten bereits die nationalen Verteidigungsausgaben. Auch bei der Pro-Kopf-Belastung zeigt sich ein deutliches Gefälle: Während in Rumänien 131 Euro pro Einwohner anfallen, liegt dieser Wert im Vereinigten Königreich bei 625 Euro und in Deutschland bei 662 Euro.
Zusammensetzung aus direkten und indirekten Kosten
Die Studie unterscheidet zwischen direkten medizinischen Ausgaben und indirekten Kosten durch Produktivitätsverluste. Die direkten Kosten in den acht Ländern summieren sich auf 100,4 Mrd. Euro, wovon allein 30 Mrd. Euro auf Deutschland entfallen.
In Spanien machen die direkten Kosten mit 14,9 Mrd. Euro etwa 76 % der Gesamtsumme aus. Davon entfallen unter anderem 4,3 Mrd. Euro auf Muskel-Skelett-Erkrankungen, 3,0 Mrd. Euro auf Typ-2-Diabetes und 2,7 Mrd. Euro auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
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Die indirekten Kosten, die 18 % bis 58 % der Gesamtkosten ausmachen, resultieren vor allem aus Produktivitätsverlusten durch Arbeitsausfälle (Absentismus) oder verringerte Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz (Präsentismus).
Das Vereinigte Königreich verzeichnet hier mit 58 % den höchsten Anteil indirekter Kosten. In Griechenland belaufen sich die indirekten Verluste auf 1,1 Mrd. Euro, wobei Arbeitsausfälle und reduzierte Produktivität mit jeweils 0,3 Mrd. Euro zu Buche schlagen.
Steigende Prävalenz und gesellschaftliche Folgen
Die gesundheitlichen Kennzahlen unterstreichen den Handlungsbedarf. Den Daten zufolge waren im Jahr 2024 rund 26 % der Erwachsenen in Europa adipös (Body-Mass-Index ? 30), weitere 30 % galten als übergewichtig. Damit ist mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung betroffen; zudem leidet jedes dritte Kind unter Gewichtsproblemen.
Seit 1990 ist die Zahl der Menschen mit Übergewicht oder Adipositas um 22 % gestiegen, während die Fälle von Adipositas allein um 75 % zunahmen. In den acht untersuchten Ländern werden jährlich 278.000 Todesfälle und der Verlust von 8 Millionen gesunden Lebensjahren mit dieser Entwicklung in Verbindung gebracht.
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Für Deutschland liefert der Barmer Arzneimittelreport 2026 ergänzende Details. Demnach stieg die Zahl der Adipositas-Betroffenen zwischen 2015 und 2023 von rund 10 Millionen auf 16,7 Millionen an. Während die Anteile für Krankenhausbehandlungen und Arzneimittelversorgung an den Gesamtkosten in vielen Krankheitsbereichen überwiegend zurückgingen, nahmen die Belastungen für die Pflege, die ärztliche Versorgung und die privaten Haushalte zu.
Perspektiven für die Gesundheitspolitik
Angesichts dieser Datenlage fordern Branchenvertreter Konsequenzen. EFPIA-Generaldirektorin Nathalie Moll bezeichnete die Bekämpfung von Adipositas als entscheidend für die Stabilität der Volkswirtschaften.
Unterstützt wird diese Sichtweise durch Einschätzungen des vfa-Präsidenten Han Steutel, der darauf verwies, dass der Einsatz moderner Arzneimittel dazu beitragen könne, langfristige Folgekosten im Gesundheitssystem zu reduzieren.
Die Analyse macht deutlich, dass Adipositas nicht nur ein individuelles Gesundheitsproblem, sondern ein signifikanter Faktor für die fiskalische Belastung der europäischen Staaten ist.
