Adipositas-Studie: Schnelles Abnehmen widerlegt Jo-Jo-Effekt
Veröffentlicht am: 11.06.2026 um 19:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Weg von reinen DiĂ€tempfehlungen, hin zu einer multidisziplinĂ€ren medizinischen Disziplin. Fachleute betonen zunehmend: Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die professionelle und oft lebenslange UnterstĂŒtzung erfordert.
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Schnell abnehmen â und dann? Studie widerlegt Jo-Jo-Effekt
Ein alter Glaubenssatz der DiÀtindustrie wackelt: Wer schnell abnimmt, nimmt auch schnell wieder zu. Stimmt so nicht, sagen Forscher aus Norwegen.
Auf dem EuropĂ€ischen Kongress fĂŒr Adipositas im Mai in Istanbul prĂ€sentierte Dr. Line Kristin Johnson Daten einer Studie mit 284 Erwachsenen. Die Teilnehmer einer Gruppe mit weniger als 1.000 Kilokalorien pro Tag verloren nach vier Monaten 13 Prozent ihres Gewichts. Eine Vergleichsgruppe mit langsamerer Abnahme kam auf 8 Prozent.
Nach zwölf Monaten stabilisierte sich der Erfolg: Die Schnellabnehmer lagen bei 14,4 Prozent Verlust, die langsamere Gruppe bei 10,5 Prozent. Die Forscher fanden keinen signifikanten Nachteil durch die schnellere Gewichtsreduktion.
GLP-1-PrÀparate: Nicht jeder Patient spricht an
Der Markt fĂŒr Adipositas-Medikamente könnte bis 2030 auf ĂŒber 100 Milliarden US-Dollar anwachsen. Dominiert wird er von GLP-1-PrĂ€paraten. Doch die Wundermittel wirken nicht bei allen.
SchĂ€tzungen zufolge sprechen 10 bis 30 Prozent der Patienten nicht auf die gĂ€ngigen Wirkstoffe an. Warum? Die Genetik spielt eine Rolle. Forscher der Stanford University identifizierten Varianten des Enzyms PAM, die die Wirkung abschwĂ€chen können. In einer Untersuchung erreichten 25 Prozent der Patienten ohne diese Variante ihre Blutzuckerziele â bei TrĂ€gern waren es nur 12 Prozent.
Hinzu kommen Nebenwirkungen. Eine Langzeitstudie ĂŒber fĂŒnf Jahre im New England Journal of Medicine beziffert die Abbruchrate auf rund 17 Prozent. Hauptgrund: gastrointestinale Beschwerden.
Neue Wirkstoffklassen in der Pipeline
Die Pharmaindustrie arbeitet an Alternativen. Eli Lilly prÀsentierte Daten zu Retatrutid, einem Triple-G-Rezeptor-Agonisten. In Studien ermöglichte das Mittel eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von bis zu 24 Prozent.
Roche plant fĂŒr das zweite Halbjahr 2026 gemeinsam mit Zealand Pharma Phase-3-Studien fĂŒr Petrelintid. Das Amylin-Analogon zeichnet sich durch eine potenziell bessere VertrĂ€glichkeit aus. In Tests lag die Abbruchrate wegen Nebenwirkungen bei lediglich 1,5 Prozent.
Schulungsprogramme: Bewegung, ErnÀhrung, Psychologie
Trotz aller Pharmafortschritte bleiben strukturierte Schulungsprogramme eine wichtige SĂ€ule. Besonders fĂŒr jĂŒngere Zielgruppen und zur langfristigen Stabilisierung.
Am UniversitĂ€tsklinikum Bonn startet Mitte September erneut das Programm âDurch Dick und DĂŒnnâ. Es richtet sich an Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 16 Jahren. Der Ansatz kombiniert Bewegung, ErnĂ€hrung und psychologische UnterstĂŒtzung. Die Kosten ĂŒbernehmen in der Regel die Krankenkassen.
Ein Beispiel fĂŒr Erwachsene: Das Projekt âFuĂballfans im Trainingâ (FFiT) lĂ€uft seit der Saison 2016/17. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Krebshilfe erreichte es fast 700 Teilnehmer. Am 10. Juni unterstrich Ex-FuĂballprofi Jens Nowotny die Bedeutung niedrigschwelliger Angebote fĂŒr Ăbergewichtige zwischen 35 und 65 Jahren.
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Gewichtsverlust und Kinderwunsch: Ein wichtiger Nebeneffekt
Ein zunehmend beachteter Aspekt der medikamentösen Gewichtsabnahme: der Einfluss auf die reproduktive Gesundheit. Experten der Deutschen Diabetes-Gesellschaft weisen darauf hin, dass bereits eine Gewichtsreduktion von 5 bis 10 Prozent die Hormonkonstellation und den Zyklus bei Frauen mit Adipositas normalisieren kann.
Das erhöht indirekt die Wahrscheinlichkeit fĂŒr Schwangerschaften â auch bei Patientinnen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS). Wegen der Wirkweise von PrĂ€paraten wie Semaglutid empfehlen Ărzte, entsprechende Medikamente mindestens zwei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abzusetzen.
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