Agentic, Roboter

Agentic AI: 98 Prozent der Unternehmen rüsten sich um

06.07.2026 - 22:05:29 | boerse-global.de

Agentic AI und humanoide Roboter treiben die Automatisierung voran. Siemens und BMW setzen neue Maßstäbe in der Fertigung.

KI-Revolution in der Industrie: Autonome Systeme auf dem Vormarsch
Agentic - Ein Roboterarm in einer modernen Fabrik montiert präzise Bauteile, umgeben von digitalen Schnittstellen und leuchtenden Datenströmen. 06.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der Trend geht zu autonomen Systemen, die selbstständig Entscheidungen treffen.

Herkömmliche KI-Tools arbeiten als reaktive Assistenten. Die neue Generation namens Agentic AI plant und exekutiert komplexe Aufgaben eigenständig. Sie interagiert mit Unternehmenssoftware und trifft operative Entscheidungen – ohne menschliches Eingreifen.

Der State of Application Strategy Report von F5 zeigt: Im Schnitt sind sieben verschiedene KI-Modelle pro Unternehmen im Einsatz. 98 Prozent der befragten Firmen bereiten sich bereits auf den Einsatz von Agentic AI vor.

Automatisierung im Engineering

Ein Vorreiter ist Siemens. Im April 2026 gab der Konzern den „Eigen Engineering Agent" für den kommerziellen Betrieb frei. Das System erzeugt und validiert Steuerungs-Code für speicherprogrammierbare Steuerungen im TIA Portal – einer Plattform mit rund 600.000 Nutzern weltweit.

In einer Pilotphase mit über 100 Unternehmen aus 19 Ländern zeigte sich: Der Engineering-Prozess lief zwei- bis fünfmal schneller ab. Die Lösungsqualität stieg laut Siemens um bis zu 80 Prozent, die Gesamteffizienz verbesserte sich um die Hälfte.

Seit Juni 2026 kann das System zudem AutomationML-Dateien einlesen und grafisch per Kontaktplan programmieren. „Diese Entwicklungen gestalten die Zusammenarbeit und Wartung in der Automatisierungstechnik deutlich effizienter", sagt Rainer Brehm, COO bei Siemens Digital Industries.

Anfang Juli schlossen Siemens und IFS eine strategische Partnerschaft. Ziel ist ein geschlossener digitaler Zwilling, der Design-, Fertigungs- und Lebenszyklusdaten industrieller Anlagen enger verknüpft.

Humanoide Roboter in der Produktion

Auch in der physischen Fertigung hält die KI-Integration Einzug. Im BMW-Werk Spartanburg arbeitet seit Juli 2026 der humanoide Roboter Figure 03. Der Vorgänger Figure 02 hatte zehn Monate lang in der Produktion des BMW X3 gearbeitet und dabei über 30.000 Fahrzeuge begleitet.

Der neue Roboter nutzt taktile Sensoren und Kameras. Er sortiert Bauteile mit einer Greifkraft ab drei Gramm in Sequenzierungswagen für die Montage. Eine physikalische KI steuert die komplexen Bewegungsabläufe autonom.

Salzgitter Flachstahl setzt auf ein KI-gestütztes Transportmanagementsystem. Es koordiniert den gesamten Werksverkehr, erkennt beladene Schrottmulden mit bis zu 50 Tonnen Gewicht und weist ihnen automatisch Zieladressen zu. Das Ziel: eine massive CO?-Reduktion im Logistikbereich bis 2033.

Der Hydraulikspezialist LHY (ehemals Linde Hydraulics) digitalisierte bereits 2025 seine Materialanforderung. Papierlisten und manuelle Abstimmungen entfallen, der Suchaufwand in Montage und Logistik sinkt deutlich.

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Transparenz als Basis für KI

Bevor KI greifen kann, müssen die Daten stimmen. „Transparenz in ERP-Daten bildet die notwendige Basis für den KI-Einsatz", betonen Berater von Perzeptron. In Kundenprojekten reduzierte sich der tägliche Aufwand in der Fertigungsplanung von einer Vollzeitaufgabe auf wenige Stunden.

Die Firma electronic service willms senkte den Zeitaufwand für die Prüfung von Auftragsbestätigungen von 30 auf unter fÜnf Stunden pro Woche. 85 Prozent der Vorgänge laufen automatisiert.

Plattformen wie Xometry Europe nutzen KI zur Bewertung von Lieferanten. Sie scannen unstrukturierte Daten, prognostizieren Risiken in der Lieferkette und erhöhen so die Resilienz gegenüber globalen Störungen.

Regulatorische Hürden und Sicherheit

Mit der Autonomie der Systeme steigen die Governance-Anforderungen. Unternehmen brauchen revisionssichere Abläufe und strenge Zugriffsberechtigungen. Der Mensch wird künftig zum Zielgeber, während die KI die Einzelschritte übernimmt.

Der EU AI Act tritt im August 2026 vollständig in Kraft. Er verpflichtet unter anderem zur Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten. Ab dem 20. Januar 2027 gilt zudem die neue EU-Maschinenverordnung, die Haftungsfragen klären muss.

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Die Sicherheit bleibt eine zentrale Herausforderung: 88 Prozent der Unternehmen waren bereits mit KI-spezifischen Sicherheitsproblemen konfrontiert. Wissenschaftler der Boston University warnen zudem vor einer zu starken Vermenschlichung von KI-Agenten – sie senke die Wachsamkeit gegenüber Fehlern.

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