Agentische KI in Banken: Onboarding-Prozesse von Monaten auf Tage
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen einer Kooperation zwischen dem IT-Dienstleister Kyndryl, Google Cloud und der Incore Bank wurde Ende August 2026 ein wegweisender Proof of Concept (PoC) für den Einsatz agentischer Künstlicher Intelligenz im Bankwesen abgeschlossen.
Die beteiligten Unternehmen demonstrierten dabei, wie die Automatisierung komplexer Compliance-Vorgänge im Rahmen des „Know Your Customer“-Verfahrens (KYC) die Effizienz im Onboarding-Prozess drastisch steigern kann.
Signifikante Effizienzgewinne im KYC-Onboarding
Der abgeschlossene Testlauf konzentrierte sich auf die Datenextraktion und -verarbeitung während der Identitätsprüfung von Neukunden. Durch den Einsatz der Gemini-Modelle von Google Cloud konnte bei der Extraktion relevanter Informationen eine Genauigkeit von bis zu 99 % erreicht werden.
Für die Finanzbranche markiert dies einen bedeutenden Fortschritt, da KYC-Prüfungen bisher oft mit einem hohen manuellen Aufwand und langen Bearbeitungszeiten verbunden waren.
Die Projektbeteiligten bestätigten zum 1. September 2026, dass die Technologie das Potenzial besitze, den Onboarding-Prozess von mehreren Monaten auf wenige Tage zu verkürzen. Kyndryl und Google Cloud stellten in diesem Zusammenhang heraus, dass agentische KI-Systeme in der Lage seien, autonomer zu agieren als klassische Chatbots, indem sie komplexe Arbeitsabläufe eigenständig steuern und verifizieren.
Breite Implementierung in der globalen Bankenlandschaft
Der Trend zur agentischen KI wird auch durch andere Marktteilnehmer untermauert. In Südkorea wurde KT Corp Ende August 2026 damit beauftragt, das KI-Chatbot-System der Woori Bank mit einem speziellen „Agent Connector“ neu aufzubauen. KT Corp hat solche KI-gestützten Contact-Center-Lösungen bereits bei vier der fünf größten koreanischen Banken implementiert.
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In Deutschland setzt die Deutsche Kreditbank (DKB) seit Anfang September 2026 auf Pega Customer Service, um die Verarbeitung von E-Mails durch KI-Unterstützung zu optimieren. Das Institut ziele dabei auf die Bearbeitung einer niedrigen einstelligen Millionenzahl an Nachrichten pro Jahr ab.
Auch spezialisierte Anbieter bringen neue Lösungen auf den Markt. So wurde Anfang September 2026 „DOBI“ vorgestellt, ein KI-nativer Business-Intelligence-Agent für Banken und Kreditgenossenschaften, der bereits von über 170 Institutionen genutzt werde.
Das Unternehmen AntTech präsentierte mit „Agentar“ eine Gruppe digitaler Experten für zehn zentrale Finanzrollen, die bei einer Großbank die Skalierbarkeit des Kundenmanagements bereits um mehr als das Zehnfache gesteigert haben sollen.
Standardisierung und Sicherheit für autonome Transaktionen
Parallel zur technologischen Umsetzung treiben internationale Gremien die Standardisierung agentischer Zahlungen voran. Die Organisation EMVCo veröffentlichte am 1. September 2026 einen Entwurf für einen Rahmen für kartenbasierte agentische Zahlungen, der sogenannte „Intent Services“ einführt.
Ziel ist die Schaffung eines gemeinsamen Status für Zahlungsabsichten, wofür EMVCo mit Partnern wie der FIDO Alliance und der World Wide Web Consortium (W3C) zusammenarbeitet.
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Gleichzeitig haben sich Branchengrößen wie Visa, Mastercard und Fiserv der 26 Mitglieder umfassenden „Agentic Payments Alliance“ (APA) angeschlossen. Diese Allianz soll verbindliche Regeln für den Handel durch agentische KI festlegen.
Visa erweiterte zudem am 1. September 2026 sein Angebot „A2A Protect“ um einen Betrugs-Score, der auf Technologie von Featurespace basiert. Das Unternehmen gab an, damit die Betrugserkennung in den ersten sechs Monaten nach Einführung um 75 % gesteigert zu haben.
Nationale Initiativen und Infrastrukturausbau
Besonders in Indien werden derzeit die regulatorischen Weichen für die Zukunft gestellt. Dort wird ein Rahmenwerk für agentische Zahlungen auf der UPI-Plattform vorbereitet, die allein im August 24,51 Milliarden Transaktionen im Wert von 29,82 Billionen indischen Rupien (circa 314,21 Milliarden US-Dollar) verarbeitete. Um Risiken zu begrenzen, planen Banken vorerst, Blöcke auf 10.000 indische Rupien für einen Zeitraum von 90 Tagen zu limitieren.
Ergänzend dazu startete Blue Machines AI das Programm „Project Icebreaker“, eine initiative für souveräne KI-Innovationen im indischen Finanzsektor. In Zusammenarbeit mit fünf Finanzinstituten wurde hierfür eine Multi-Crore-Plattform-Investition getätigt, um die technologische Unabhängigkeit und Innovationskraft in diesem Bereich zu stärken.
