Agentische KI: Markt wächst bis 2030 auf 22,5 Milliarden Euro
27.06.2026 - 05:09:37 | boerse-global.de
In der letzten Juniwoche 2026 drängen Technologiekonzerne und Industriegiganten mit voller Kraft in die Ära der „agentischen KI" – autonome Systeme, die komplexe Arbeitsabläufe über mehrere Softwareplattformen hinweg steuern, und das mit minimalem menschlichem Eingriff.
Neuer Markt mit Milliardenpotenzial
Am 25. Juni kündigte CXAI den Launch von CXAI 2.0 an – eine Plattform, die das Unternehmen als „agentische Betriebsebene" für Unternehmen bezeichnet. Das System nutzt eine Multi-Agenten-Orchestrierung namens SKY, um Workflow-Automation und operative Intelligenz zu bündeln. Zeitgleich bestätigte CXAI zwei neue Verträge mit Fortune-500-Unternehmen, die mehr als 50.000 Mitarbeiter umfassen.
Branchenanalysten rechnen mit einem rasanten Wachstum: Der Markt für unternehmenseigene agentische KI soll von umgerechnet rund 2,4 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf knapp 22,5 Milliarden Euro bis 2030 anwachsen – das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 46 Prozent.
HCLTech und Google Cloud bündeln Kräfte
Ebenfalls am 25. Juni weitete HCLTech seine strategische Partnerschaft mit Google Cloud und ServiceNow aus. Gemeinsam bringen die Unternehmen drei spezialisierte KI-Lösungen auf den Markt: einen Assistenten für die Fabrikhalle, ein Werkzeug für den Außendienst und ein Modul zur Kundeninteraktion. Die Systeme basieren auf Gemini Enterprise und dem ServiceNow AI Control Tower.
HCLTech, das im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von umgerechnet rund 13,5 Milliarden Euro erzielte, profitiert dabei von einem Fonds in Höhe von knapp 690 Millionen Euro, den Google Cloud für agentische KI-Projekte bereitgestellt hat.
Epicor Prism erobert Europa
Der Softwareanbieter Epicor startete zeitgleich seinen Dienst Epicor Prism – zunächst in Großbritannien und 18 weiteren Ländern in Europa, dem Nahen Osten, Afrika und Indien. Die Plattform integriert KI-Agenten direkt in die Kinetic-Plattform des Unternehmens und unterstützt bei der Argumentation und Anwendungsentwicklung.
Physische KI: Roboter in der Schwerindustrie
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Die Entwicklung bleibt nicht auf Büros beschränkt. Am 26. Juni gaben der Industriekonzern thyssenkrupp und GlobalLogic, ein Unternehmen der Hitachi-Gruppe, ein strategisches Bündnis bekannt. Ziel ist der Einsatz autonomer Robotik und intelligenter Datenebenen in industriellen Umgebungen. Die Partnerschaft soll die Dekarbonisierung beschleunigen und die Geschwindigkeit autonomer Abläufe erhöhen.
Siemens präsentierte auf der Automate-Messe in Chicago (22. bis 25. Juni) eine Erweiterung seiner Simatic-AX-Steuerungstechnik. Neu sind unter anderem eine grafische Programmierung und die Unterstützung des Simatic-S7-1200-G2-Controllers. Bereits über 100 Unternehmen in 19 Ländern nutzen den Siemens Eigen Engineering Agent – mit Produktivitätssteigerungen von bis zu 500 Prozent bei bestimmten Automatisierungsaufgaben.
Bereits im Frühjahr hatten AWS und SoftServe auf der Hannover Messe eine autonome Produktionslinie vorgeführt. Das System verkürzte Entwicklungszyklen von Wochen auf Sekunden und komplexe Strömungssimulationen von mehreren Tagen auf sechs Sekunden.
Mittelstand zögert noch
Doch die Technologie stößt nicht überall auf offene Arme. Eine Ende Juni veröffentlichte Umfrage des Dienstleisters Upwork unter 750 US-Unternehmensführern zeigt: Zwar vertrauen 62 Prozent der Befragten KI-Agenten auch bei risikoreichen Aufgaben, und 32 Prozent stufen diese Systeme bereits als geschäftskritisch ein. Doch die größte Hürde bleibt der Datenschutz – für 49 Prozent der Befragten das Hauptargument gegen eine Einführung.
Immerhin: 74 Prozent der Teilnehmer berichten von Produktivitätssteigerungen – auch wenn diese meist unter 25 Prozent liegen.
Speziallösungen für Nischenmärkte
Während 49 % der Unternehmen Datenschutzbedenken als Hürde nennen, haben Fortune-500-Konzerne bereits Produktivitätssteigerungen von bis zu 500 % erzielt. Dieser Report zeigt, wie Sie die Compliance-Hürde überwinden und den Wettbewerbsvorsprung sichern. Datenschutz-Checkliste für KI-Agenten jetzt sichern
Neben den großen Plattformen drängen spezialisierte Anwendungen in den Markt:
- Verteidigung und Luftfahrt: Das britische Verteidigungsministerium vergab am 25. Juni Fördermittel in Höhe von umgerechnet rund 2,3 Millionen Euro für die zweite Phase des PYRAMID-Programms zur Avionik- und Missionssystem-Entwicklung.
- Lieferketten und ERP: Square 9 Softworks stellte einen KI-gestützten Ansatz vor, der Daten aus unstrukturierten Dokumenten wie Rechnungen extrahiert – und so die typische Fehlerquote von ein bis zwei Prozent bei manueller Eingabe senkt.
- Produktion: AFRY wurde von Unger Fabrikker mit der Implementierung eines Fertigungssteuerungssystems in Norwegen beauftragt. Sumato Foods setzt bei der Bestands- und Produktionssteuerung auf eine KI-Plattform von AlphaNext.
- Nachhaltigkeit: Pyrum Innovations meldete für das erste Quartal 2026 eine Umsatzverdopplung auf rund 1,03 Millionen Euro. Das Unternehmen lieferte erstmals recyceltes Carbon Black an den Reifenhersteller Continental.
