AI Labeling Act: USA zwingt Tech-Konzerne zur KI-Kennzeichnung
01.07.2026 - 18:08:28 | boerse-global.de
Ein neues Gesetzesvorhaben in den USA zwingt Tech-Konzerne dazu, künstlich erzeugte Bilder, Videos und Töne klar zu markieren. Der Vorstoß könnte Signalwirkung für die EU haben.
Am heutigen Mittwoch brachte US-Senator Brian Schatz (Demokrat, Hawaii) den „AI Labeling Act“ ein – ein überparteiliches Gesetzespaket zur Transparenz von KI-Inhalten. Mit dabei: die Senatoren John Curtis (Republikaner, Utah) und Mark Warner (Demokrat, Virginia). Die Kernforderung: Künstlich generierte Medien müssen künftig für Menschen und Maschinen lesbar gekennzeichnet sein.
Der Gesetzesentwurf ist eine direkte Reaktion auf besorgniserregende Vorfälle der vergangenen Jahre. 2023 sorgte ein KI-generiertes Bild einer Explosion am Pentagon für kurzzeitige Turbulenzen an der Börse. Auch manipulierte Aufnahmen von Politikern machten Schlagzeilen. Ziel des Gesetzes: Verbraucher und Künstler vor digitaler Täuschung schützen.
Technische Standards für Millionen-Plattformen
Das Gesetz verpflichtet KI-Entwickler und große soziale Netzwerke zur Zusammenarbeit an Identifikationssystemen. Das National Institute of Standards and Technology (NIST) soll die technischen Vorgaben für die Labels festlegen.
Die Kennzeichnungspflicht gilt für Plattformen mit mindestens zehn Millionen aktiven Nutzern in den USA oder einem Jahresumsatz von über 1,5 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro). Die Federal Trade Commission (FTC) überwacht die Einhaltung.
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Unterstützung kommt von prominenten Organisationen: der Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA, der Authors Guild, der Songwriters Guild of America und der Verbraucherschutzorganisation Public Citizen. Eine Arbeitsgruppe soll die technischen Standards weiterentwickeln.
Nächster Schritt: KI-Agenten regulieren
Die Label-Initiative ist Teil einer größeren Regulierungswelle. Erst gestern, am 30. Juni, legte Senator Warner einen Entwurf des „AI Agent Act“ vor. Dieses Gesetz zielt auf KI-Einkaufsassistenten und andere autonome Agenten ab. Analysten von Morgan Stanley prognosticieren diesen Technologien ein Volumen von 385 Milliarden Dollar im US-E-Commerce bis 2030.
Der Entwurf sieht ein FTC-Register für vertrauenswürdige KI-Agenten vor. Diese müssten treuhänderähnliche Pflichten übernehmen – also im besten Interesse der Nutzer handeln und deren Daten schützen.
Bereits Anfang der Woche passierte der KIDS Act (H.R. 7757) das US-Repräsentantenhaus mit 267 zu 117 Stimmen. Das Paket verlangt von KI-Chatbots, ihren nicht-menschlichen Charakter offenzulegen, und schreibt Altersverifikation für Erwachseneninhalte vor. Der Senat berät nun.
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Beschränkungen für ausländische Technologie
Parallel dazu brachten die Senatoren Tim Scott (Republikaner, South Carolina) und Bill Hagerty (Republikaner, Tennessee) gestern ein Gesetz zur nationalen Sicherheit ein. Es ermächtigt das Handelsministerium, Transaktionen mit KI-Technologie aus China, Russland, Iran und Nordkorea zu blockieren.
Das Gesetz schafft zudem eine neue Position eines stellvertretenden Ministers für Lieferketten im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie. Die Initiatoren betonen: Open-Source-KI-Entwicklungen sollen weiter zugänglich bleiben, während kritische Infrastruktur geschützt wird.
Für deutsche und europäische Unternehmen wird der US-Vorstoß relevant: Der AI Act der EU ist bereits beschlossene Sache – nun zeichnet sich ab, dass die USA mit ähnlichen, teils strengeren Regeln nachziehen. Wer auf beiden Märkten agiert, muss sich auf ein regulatorisches Flickenteppich einstellen.
