Airfryer in 42 Prozent der Haushalte: Heißluftfritteusen verdrängen Öl
Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 19:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der deutsche Lebensmittelmarkt durchläuft einen tiefgreifenden Wandel. Neue Techniken, veränderte Präferenzen und wirtschaftlicher Druck setzen traditionelle Strukturen unter Spannung.
Abschied vom Kohlegrill
Die deutsche Grillkultur verändert sich grundlegend. Marktberichte aus dem August 2026 zeigen einen klaren Trend weg vom klassischen Kohlegrill hin zu Gas- oder Elektrogeräten. Neben technologischen Erwägungen spielen auch rechtliche Rahmenbedingungen eine Rolle. In Düsseldorf etwa gelten bei hoher Brandgefahr – ab Stufe 4 des Graslandfeuerindex – strikte Grillverbote in öffentlichen Parks. Einweggrills sind dort generell untersagt.
Auch die Fleischvermarktung steht in der Kritik. Die seit 2025 laufende Kampagne der Initiative Fleisch GmbH, getragen vom Verband der Fleischindustrie und dem Deutschen Bauernverband, blende ökologische Folgen und Fragen der Tierhaltung aus, bemängeln Beobachter. Gleichzeitig nimmt die Zahl traditioneller Handwerksmetzgereien ab. Beim Konsum von Lamm- und Ziegenfleisch bleibt Deutschland international zurück: Griechenland führt die EU-Statistik mit über 8 Kilogramm Pro-Kopf-Verbrauch an, während die Werte hierzulande moderat ausfallen.
Toastbrot verdrängt Mischbrot
Beim Grundnahrungsmittel Brot verschieben sich die Marktanteile spürbar. Laut Erhebungen des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks hat Toastbrot seinen Stellenwert gefestigt. Lag sein Anteil am Brotabsatz 2010 noch bei 21,6 Prozent, erreichte er 2022 einen Rekordwert von 29,3 Prozent – für 2025 weist die Statistik rund 28 Prozent aus. Das traditionelle Mischbrot verliert dagegen kontinuierlich an Boden: von 31,7 Prozent (2010) auf 24,9 Prozent (2025).
Leichte Gewinner sind Weizenbrot mit 8,59 Prozent und Dinkelbrot, das seinen Anteil von 2,6 Prozent (2017) auf 4,65 Prozent (2025) fast verdoppeln konnte.
Birnen-Boom mit Importabhängigkeit
Auch beim Obst zeichnet sich ein neuer Trend ab: Birnen werden deutlich beliebter. Im Wirtschaftsjahr 2025/26 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei 2,8 Kilogramm – ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert seit neun Jahren. Die heimische Ernte stieg zwar auf rund 42.290 Tonnen, doch der Selbstversorgungsgrad liegt bei lediglich 14,1 Prozent. Hauptlieferanten sind die Niederlande, Belgien und Südafrika.
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Bio wächst gegen den Trend
Trotz allgemeiner Konsumflaute zeigt das Bio-Segment erstaunliche Robustheit. Der Bio-Umsatz stieg im zweiten Quartal 2026 um 3,8 Prozent auf 4,75 Milliarden Euro, wie der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) meldet. Im ersten Halbjahr 2026 betrug das Plus 4,9 Prozent – der Gesamtmarkt wuchs im selben Zeitraum nur um 1,4 Prozent. Besonders Drogeriemärkte legten mit 19,7 Prozent kräftig zu, während der spezialisierte Bio-Fachhandel bei 0,82 Milliarden Euro stagnierte.
In den Küchen hat sich derweil eine neue Technik etabliert: 42 Prozent der Haushalte besitzen inzwischen einen Airfryer, so der Bundesverband der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Produkttests aus dem Juli 2026 zeigen jedoch: Speziell für die Heißluftfritteusen vermarktete Lebensmittel sind im Einzelhandel oft teurer, ohne einen qualitativen Mehrwert gegenüber herkömmlichen Produkten zu bieten.
Gastronomie zwischen Steuer-Senkung und Preisdruck
Die wirtschaftliche Lage in der Gastronomie bleibt angespannt. Branchenkenner berichten, dass saisonale Angebote außerhalb der Kernzeiten kaum noch wirtschaftlich zu betreiben seien. Besonders die Spitzengastronomie hat sich verteuert: Zwischen 2021 und 2024 stiegen die Preise dort doppelt so stark wie die allgemeinen Lebenshaltungskosten.
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Die im Januar 2026 erfolgte Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent kommt bei den Gästen nur begrenzt an. Eine DEHOGA-Befragung unter rund 2.000 Betrieben zeigt: 73,4 Prozent der Gastronomen hielten ihre Preise stabil, um gestiegene Betriebskosten zu kompensieren. Einzelne Betriebe wagten dennoch die Preissenkung – mit beachtlichem Erfolg. Ein Gastronom berichtet von Umsatzsteigerungen von bis zu 30 Prozent nach der Anpassung.
